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Hombruchs neuer Bezirksbürgermeister über seine Pläne und Herausforderungen

"Politik muss da stattfinden, wo die Menschen leben"

von Wir in Dortmund (NK)
vor 11 Monaten
in Allgemein, Hombruch
Lesezeit: 3 Minuten
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Volker Schultebraucks (SPD) ist seit über 20 Jahren politisch aktiv. (Foto: Wir in Dortmund)

Volker Schultebraucks (SPD) ist seit über 20 Jahren politisch aktiv. (Foto: Wir in Dortmund)

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Seit fast einem Vierteljahrhundert lebt er in Hombruch, nun steht er an der Spitze des Bezirks: Der neue Bezirksbürgermeister (SPD) blickt auf einen langen Berufs- und Lebensweg zurück – und auf Pläne für die kommenden fünf Jahre.

Vom Polizeibeamten zum Politiker
Vor 24 Jahren zog der heute 64-Jährige Volker Schultebraucks von Kamen nach Dortmund. Der pensionierte Polizeibeamte leitete zuletzt ein Verkehrskommissariat, das für Verkehrsstraftaten in ganz Dortmund zuständig war. Mit seiner Frau und drei erwachsenen Kindern lebt er in Hombruch. „Ich bin jetzt im Ruhestand, aber das Engagement für die Stadt hat nicht aufgehört“, sagt er. Seit 2012 ist er Mitglied der Bezirksvertretung Hombruch. Zunächst war er Fraktionssprecher, dann stellvertretender Bezirksbürgermeister – und seit vergangener Woche leitet er das Gremium als Bezirksbürgermeister.

Nach 16 Jahren CDU-geführter Politik in Hombruch gelang der SPD gemeinsam mit den Grünen und einer Vertreterin der Linken ein Machtwechsel. Die neue Koalition habe sich „völlig unproblematisch“ gebildet, sagt er. „Das war kein Akt aus Groll oder Machtstreben, sondern schlicht demokratisches Verhalten.“ Auch mit der früheren CDU-geführten Verwaltung habe die Zusammenarbeit „immer gut funktioniert“. Die FDP orientiere sich derzeit stärker zur CDU hin, während erstmals auch zwei AfD-Vertreter in der Bezirksvertretung sitzen.

Kommunalpolitik als Herzenssache
Politisch aktiv wurde er bereits Ende der 1990er Jahre – klassisch „am Tresen“. In Kamen trat er 1999 in die SPD ein, „auf einem Bierdeckel unterschrieben“, wie er sagt. „Meine Eltern waren CDU-Wähler, und ich wollte zeigen, dass ich meine eigene Meinung habe.“ Von Beginn an sei für ihn klar gewesen: „Ich will nicht nur zahlen, sondern mitgestalten.“ 2001 zog er nach Dortmund und engagierte sich dort weiter. „Ich wollte nie in den Rat, das ist mir zu weit weg. Mir ist wichtig, dass ich direkt sehen kann, was vor Ort passiert – wenn etwa ein 30er-Schild aufgestellt wird, weiß ich, dass ich das mit angestoßen habe.

Stadtentwicklung, Jugend und Bildung als Schwerpunkte
Die Förderung junger Menschen zählt zu seinen wichtigsten Zielen. „Wir wollen die Jugend stärker einbinden“, erklärt er. Bereits im Mai fand ein Jugendforum mit Schulen des Bezirks statt. Die neue zweite stellvertretende Bezirksbürgermeisterin, Katja Wilke (Grüne), soll das Projekt weiterführen. Ein besonderes Beispiel erfolgreicher Jugendarbeit ist der Hombrucher Skaterpark. „Das war eine tolle Gemeinschaftsleistung“, betont er stolz.

Aber auch die Senioren sollen nicht vergessen werden: „Sie müssen genauso Teil unserer Politik bleiben.“ Zentrale Herausforderung: Schulen und ihre Gebäude.  In der Kruckeler Grundschule etwa gebe es „nur zwei Toiletten – für Jungen und Mädchen gemeinsam“. Er fordert Investitionen und sieht Verbesserungsbedarf an vielen Schulen. Auch der geplante Ausbau der Gesamtschule Brünninghausen sei dringend notwendig, obwohl er für Unmut in der Nachbarschaft sorge.

Zu Schultebraucks Herzensprojekten zählt die Neugestaltung der Fußgängerzone. Dies sei „Ein zentraler Punkt der nächsten fünf Jahre“. Zudem möchte er die Straßenfeste kulturell aufwerten. Veranstaltungen wie der frühere „Kulturfrühling“ sollen neu belebt werden, um junge Künstler einzubinden. Auch der Einzelhandel bleibe im Fokus. Zwar gebe es in Hombruch kaum Leerstände, doch der Strukturwandel sei spürbar. Gemeinsam mit der Initiative Wir lieben Hombruch sollen Aktionen für eine lebendige Innenstadt weitergeführt werden.

Auch der Sport liegt ihm am Herzen. Für den Hombrucher SV sei endlich eine Tribüne geplant. „Die Mittel stehen im Dezember bereit“, sagt er. Zudem sollen Leichtathleten des Vereins neue Unterbringungsmöglichkeiten für ihre Geräte erhalten.

Bürgernähe als Leitlinie
Ein zentrales Ziel seiner Amtszeit ist die direkte Bürgerbeteiligung. Geplant sind regelmäßige Bürgersprechstunden – entweder in der Bezirksverwaltungsstelle oder auf dem Wochenmarkt an einem festen Stand der Bezirksvertretung. Zudem soll es „Stadtteilwanderungen“ geben, bei denen gemeinsam mit Bürgern Problemstellen identifiziert werden. „Viele wissen gar nicht, was die Bezirksvertretung eigentlich macht. Das müssen wir ändern.“

Das politische Klima habe sich verändert, sagt er deutlich. „Der Umgangston ist rauer geworden – gegenüber allen etablierten Parteien.“ Im Wahlkampf seien viele Bürger aggressiver gewesen, und oft vermischten sich Themen der Bundespolitik mit der Lokalpolitik. „Wenn Leute am Wahlstand nach der Rente fragen, muss man sagen: Das ist hier nicht unser Thema.“

Auf die Frage nach der häufigsten Kritik antwortet er: „Langwierige Prozesse.“ Viele Bürger erwarteten sofortige Ergebnisse, aber politische Abläufe und Zuständigkeiten ließen das oft nicht zu. Ein Beispiel sei die gesperrte Rotenbachstraße nach Bombenfunden – „es findet sich keine Firma, die das Stück neu teert.“ Auch die Kommunikation mit der Stadtverwaltung sei oft mühselig.

Ungelöstes Problem: das Telekom-Gelände
Auf die Frage welches Problem er sofort lösen würde, wenn er könnte, macht er auf das Brachgelände der Telekom mitten in Hombruch aufmerksam. „Das zieht sich seit 20 Jahren. Wir könnten dort bis zu 450 Wohnungen schaffen – Wohnraum ist hier dringend nötig.“

Fazit
Mit klaren Worten, Bürgernähe und lokalem Pragmatismus möchte der neue Bezirksbürgermeister die kommenden Jahre gestalten. Sein Motto: „Politik muss da stattfinden, wo die Menschen leben – nicht hinter verschlossenen Türen.“

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