Mit Magnus Niemöller übernimmt im Sommer ein erfahrener Fußballfachmann das Traineramt beim ASC 09 Dortmund. Der Waltroper bringt nicht nur jahrzehntelange Erfahrung als Trainer mit, sondern auch eine bemerkenswerte Vita: Vom Jugendbereich bei Teutonia Waltrop über erfolgreiche Jahre bei der SpVgg Erkenschwick mit Aufstiegen bis in die U19-Bundesliga bis hin zu Stationen im Seniorenfußball, die ihn unter anderem in die Regionalliga West führten. Nach einer bewusst genommenen Auszeit kehrt Niemöller nun zurück – zu einem Verein, der seit Jahren konstant oben mitspielt und aktuell erneut im Aufstiegsrennen steht.
Du steigst im Sommer beim ASC 09 ein. Was hat dich an der Aufgabe besonders gereizt?
Mich hat vor allem die Entwicklung des Vereins beeindruckt. Der ASC ist kein Club, der einmal oben auftaucht und dann wieder verschwindet, sondern einer, der sich über Jahre hinweg kontinuierlich etabliert hat. Man ist regelmäßig im oberen Tabellendrittel, teilweise sogar ganz oben dabei – und das mit einer gewissen Ruhe und Konstanz. Das zeigt, dass dort viele Dinge richtig gemacht werden. Für mich als Trainer ist das spannend, weil man auf einer guten Basis aufbauen kann und nicht bei null anfangen muss.
Du hast eine lange Trainerlaufbahn hinter dir. Welche Erfahrungen prägen dich heute am meisten?
Es ist die Mischung. Ich habe im Jugendbereich angefangen, habe dort Spieler entwickelt und begleitet, und bin später in den Seniorenbereich gegangen, wo es dann stärker um Ergebnisse und Druck geht. Ich habe Aufstiege erlebt, aber auch schwierige Phasen. Gerade diese Kombination hilft mir heute enorm, weil ich Situationen besser einschätzen kann. Man weiß, dass es im Fußball selten nur geradeaus geht, sondern immer Wellenbewegungen gibt.
Du arbeitest hauptberuflich in einer Führungsposition. Inwiefern hilft dir das im Fußball?
Sehr. In meinem Job bei BFS health finance führe ich große Teams und habe täglich mit unterschiedlichen Persönlichkeiten zu tun. Das ist im Fußball nicht anders. Du hast verschiedene Charaktere, verschiedene Erwartungen, verschiedene Motivationen. Die Herausforderung ist, daraus eine funktionierende Einheit zu formen – und genau das ist in beiden Bereichen ähnlich.
Der ASC ist aktuell mitten im Aufstiegsrennen. Wie bewertest du die Situation aus der Distanz?
Ich sehe das in erster Linie sehr positiv. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass ein Verein über Jahre hinweg immer wieder in diese Position kommt. Das zeigt, dass die sportliche Leitung, die Trainer und die Mannschaft konstant gute Arbeit leisten. Natürlich gehört auch immer ein bisschen Momentum dazu, aber wenn man so oft oben dabei ist, hat das System.
Ist die Regionalliga für den ASC aus deiner Sicht der nächste logische Schritt?
Sportlich kann der ASC das definitiv erreichen, da bin ich überzeugt. Aber man darf das Thema nicht nur sportlich betrachten. Die Regionalliga bringt ganz andere Anforderungen mit sich – organisatorisch, finanziell und infrastrukturell. Da muss man als Verein genau abwägen, ob man diesen Schritt gehen möchte und kann. Es geht nicht nur um 20 Spieler, sondern um den gesamten Club.
Du hast selbst in der Regionalliga gearbeitet. Was verändert sich dort konkret?
Der Aufwand steigt in vielen Bereichen. Es geht nicht nur um das Training oder die Spiele, sondern auch um Themen wie Organisation, Reisen, Sicherheit oder Zuschauerstrukturen. Gleichzeitig darf man als kleinerer Verein nicht versuchen, große Clubs zu kopieren. Man muss seinen eigenen Weg gehen und seine Stärken ausspielen – zum Beispiel Teamgeist und eine funktionierende Kabine.
Du hältst dich aktuell bewusst vom Team fern. Warum ist dir das so wichtig?
Weil ich finde, dass es eine Frage des Respekts ist. Es gibt ein aktuelles Trainerteam, das die Saison verantwortet, und eine Mannschaft, die sich auf ihre Ziele konzentriert. Wenn ich jetzt schon präsent wäre, würde das automatisch für Unruhe sorgen. Deshalb habe ich für mich klar entschieden: Ich steige am 1. Juli ein – und vorher nicht.
Wie kam es überhaupt zum Kontakt zwischen dir und dem ASC?
Der Kontakt kam über Dennis Hübner, einen ehemaligen Spieler von mir. Wir haben uns getroffen, viel gesprochen und dann Schritt für Schritt angenähert. Mir war wichtig, nicht nur mit den Verantwortlichen zu sprechen, sondern auch ein Gefühl für die Mannschaft zu bekommen. Deshalb habe ich auch bewusst Gespräche mit Spielern geführt.
Was hast du aus diesen Gesprächen mitgenommen?
Dass in der Mannschaft viel Qualität steckt – sowohl sportlich als auch menschlich. Natürlich gab es zuletzt auch Unruhe, aber das gehört im Fußball dazu. Entscheidend ist, wie man damit umgeht und ob man daraus wieder eine klare Struktur entwickelt.
Was ist dir als Trainer grundsätzlich am wichtigsten?
Struktur. Ich bin überzeugt davon, dass Struktur die Grundlage für alles ist – für Leistung, für Entwicklung, aber auch für das Miteinander. Ich sage den Spielern immer: Struktur schafft Kultur. Wenn die Basis stimmt, ergibt sich vieles andere von selbst.
Du sprichst oft von der Kabine. Welche Rolle spielt die Atmosphäre im Team?
Eine riesige. Für mich ist es wichtig, dass die Stimmung in der Kabine besser ist als zu Hause. Das klingt erstmal ungewöhnlich, aber es beschreibt ganz gut, worum es geht: Die Spieler sollen gerne kommen, sich wohlfühlen und Spaß haben. Das ist die Grundlage dafür, dass sie Leistung bringen können.
Wie würdest du deine Spielphilosophie beschreiben?
Ich bin kein Trainer, der ein starres System vorgibt. Für mich steht die Mannschaft im Mittelpunkt. In der Vorbereitung geht es darum herauszufinden, in welcher Struktur sich die Spieler am wohlsten fühlen. Daraus entwickelt sich dann die Spielidee. Wichtig ist, dass die Mannschaft Lösungen hat – sowohl offensiv als auch defensiv.
Was ist dein Ausblick auf den Sommer und deine Zeit beim ASC?
Ich freue mich einfach darauf, wieder auf dem Platz zu stehen und mit einer Mannschaft zu arbeiten. Der ASC bringt viele Voraussetzungen mit – jetzt geht es darum, gemeinsam den nächsten Schritt zu gehen und die Entwicklung weiter voranzutreiben.

















