Es ist das Ende einer Ära in Aplerbeck-Sölderholz: Zum Jahresende schließt die Tankstelle von Wolfgang Bahl an der Lichtendorferstraße endgültig ihre Türen. 52 Jahre lang hat der heute 82-Jährige den Standort geführt, unzählige Autos auf und abfahren sehen und Generationen von Kundinnen und Kunden bedient. Nun steht der wohlverdiente Ruhestand bevor – und damit auch ein Abschied, der in Sölderholz sicher nicht unbemerkt bleiben wird.
Vom „Adler“ zum „Zirkel“ – eine Tankstelle mit bewegter Geschichte
Begonnen hat alles im Jahr 1974. Damals firmierte die Tankstelle noch unter dem Namen „Adler“, einer Kette, die vielen älteren Dortmundern noch in Erinnerung sein dürfte. Im Laufe der Jahrzehnte wechselten Betreiber und Markennamen mehrfach: Aus „Adler“ wurde „Adler 11″, später „Total“. Der Standort selbst aber blieb all die Jahre über derselbe. Auf die Frage, wie lange er schon dabei sei, antwortet Herr Bahl ohne zu zögern: „Angefangen ich vor 52 Jahren – genau hier im Standort, genau die Tankstelle.“ Eine beeindruckende Kontinuität in einer Branche, die sich in dieser Zeit grundlegend gewandelt hat.
Schwierige Anfänge als Zugezogener
Nicht alles war von Anfang an leicht. Herr Bahl kam ursprünglich aus dem benachbarten Schwerte nach Aplerbeck-Sölderholz – für die dörflich geprägte Nachbarschaft der 1970er-Jahre zunächst ein echter Neuling. Mit einem Augenzwinkern erinnert er sich: „Ich bin Ausländer mehr oder weniger“ – gemeint ist damit nicht seine Herkunft im eigentlichen Sinne, sondern schlicht die Tatsache, dass er als Schwerter in Sölderholz zunächst als Fremder galt. Die Anfangszeit sei entsprechend „ziemlich schwierig“ gewesen, so Bahl, „muss man sich ja vorstellen, gerade hier auf dem Dorf.“
Mit der Zeit gelang jedoch die Integration – und zwar auf ganz klassische Weise: über das Vereinsleben. Schützenverein und Kegelverein halfen ihm dabei, in der Gemeinschaft Fuß zu fassen. Auf die Frage, wie er sich eingelebt habe, sagt er schlicht: „Man macht halt mit, was man so macht“ – ohne großes Aufheben, aber mit langem Atem wurde aus dem Zugezogenen mit der Zeit ein fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft.

Die beste Zeit war mittendrin
Rückblickend auf über fünf Jahrzehnte hinter der Kasse fällt die Antwort auf die Frage nach der schönsten Phase eindeutig aus: Nicht die Anfangsjahre, sondern die Zeit „mittendrin“ – als er in Sölderholz längst angekommen und etabliert war – bezeichnet Herr Bahl als seine beste Zeit an der Tankstelle. Eine Zeit, in der aus harter Aufbauarbeit gewachsene Routine und echte Verbundenheit mit dem Ort und den Menschen wurden.
Das Ende kam nicht auf eigenen Wunsch
Dass nun tatsächlich Schluss ist, war nicht allein seine Entscheidung. Der Anstoß kam von außen: „Es kam ein Brief von der Gesellschaft, dem Standort ist gekündigt worden“, berichtet Bahl – „ohne Kommentar.“ Eine Begründung habe man ihm nicht mitgeteilt, und er selbst sei darauf auch nicht weiter eingegangen. Stattdessen kümmert er sich gemeinsam mit seinem Steuerberater nun um die letzten organisatorischen Schritte bis zur endgültigen Schließung.
Auch privat spielte die Entwicklung eine Rolle. Auf die Frage, ob er ohne die Kündigung weitergemacht hätte, verweist er lachend auf seine Frau: „Die hätte mich wohl lieber schon früher zu Hause gesehen“. Trotzdem betont er, dass ihm die Arbeit über die ganzen Jahre Freude gemacht habe – „ich mache das ganz gerne“, sagt er schlicht, aber mit spürbarer Überzeugung. Nach 52 Jahren hinter der Zapfsäule und Kasse blickt Herr Bahl grundsätzlich positiv auf den neuen Lebensabschnitt. „Ja, ich freue mich drauf“, sagt er, auch wenn vorher noch einiges zu klären sei. Vor allem die Zeit mit der Familie soll künftig mehr Raum bekommen. Konkrete Hobbys für den Ruhestand hat er noch nicht – „Hobbys habe ich eigentlich keine mehr“, gibt er zu, schließlich sei „dafür all die Jahre schlicht keine Zeit gewesen.“ Doch das soll sich nun ändern: an die neu gewonnenen Freizeit muss sich das gutmütige Arbeitstier aber wohl noch gewöhnen.
Zum Jahresende schließt die Tankstelle Bahl endgültig ihre Türen. Was danach kommt, ist für den 82-Jährigen noch offen. Doch nach über einem halben Jahrhundert im Dienst der Kundschaft in Aplerbeck-Sölderholz – vom „Adler“ über „Total“ bis zum „Zirkel“ – hat sich Herr Bahl seinen Ruhestand mehr als verdient. Ein Stück Sölderholzer Alltagsgeschichte geht damit zu Ende.

















