Nach dem Kabelbrand im August 2025 hat das Schürener Backparadies an der Gevelsbergstraße nun wieder geöffnet und präsentiert sich heller, moderner und motivierter als zuvor. Im Gespräch mit Claire Kortüm wurde deutlich, wie herausfordernd die vergangenen zehn Monate für den Familienbetrieb waren – und welche Chancen die unerwartete Situation gleichzeitig eröffnet haben.
Aus einem kleinen Schaden wurde eine Großbaustelle
Als das Feuer in der Kühltheke ausbrach, schien der Schaden zunächst überschaubar. Die Backstube und Konditorei blieben weitgehend verschont. Bereits zwei Tage später wurde dort wieder produziert.
„Ein Hoch auf unsere Brandschutztüren. Unsere Lieferkunden haben dadurch eigentlich gar nicht gemerkt, dass hier etwas passiert war“, erinnert sich Kortüm. Doch während die Produktion weiterlief, zeigte sich nach und nach das wahre Ausmaß der Schäden. Löschwasser war in Gebäudeteile eingedrungen, Silos mussten ersetzt sowie Wände und Decken erneuert werden.
Wie sie berichtet, stellte sich selbst nach den ersten Sanierungsarbeiten heraus, dass weitere Schäden vorhanden waren. Durch zusätzliche Untersuchungen wurde deutlich, dass auch der komplette Boden neu aufgebaut werden musste. „Es ist einfach mehr kaputtgegangen, als am Anfang erwartet wurde. Aber wir haben versucht, das Beste daraus zu machen.“
Die ungeplante Sanierung bot gleichzeitig die Chance, vieles neu zu denken. Wasseranschlüsse wurden versetzt, Arbeitsabläufe überarbeitet und zahlreiche Details verbessert, die im laufenden Betrieb kaum hätten verändert werden können.

Verkauf aus Überseecontainern
Damit die Kunden weiterhin versorgt werden konnten, musste schnell eine Übergangslösung her. Zunächst wurde ein Open-Air-Verkauf organisiert, später zog das Backparadies in zwei große Überseecontainer um.
„Wir brauchten natürlich Container, die groß genug waren, um unsere Auswahl zeigen zu können“, erzählt die Unternehmerin. „Wir sind bekannt für unsere lange Kühltheke mit Sondertorten und Obsttorten. Das wollten wir auch während der Sanierung anbieten.“
Die ungewöhnliche Lösung funktionierte besser als erwartet. Dennoch bedeutete sie für Kunden und Mitarbeiter viele Umstellungen. Gewohnte Wege fielen weg, Sitzplätze gab es nicht mehr und zahlreiche Abläufe mussten neu organisiert werden.
„Es waren andere Routinen für alle. Und natürlich hat es sich auch gezogen, weil wir auf viele Dinge keinen Einfluss hatten“, sagt sie rückblickend.
Mehr Licht und ein Blick in die Backstube
Nach zehn Monaten Bauzeit wirkt das Café heute deutlich moderner. Die grundsätzliche Aufteilung wurde beibehalten, doch viele Details wurden neu gestaltet. Wo früher viel Holz dominierte, sorgen nun hellere Farben für eine freundlichere Atmosphäre. Besonders ins Auge fällt die neue Decke aus recyceltem Papier, die gleichzeitig die Akustik verbessert. „Viele Gäste schauen als Erstes nach oben. Die Decke fällt wirklich auf“, berichtet Kortüm.
Auch die Verkaufsfläche wurde neu gedacht. Die Kasse steht heute an einer anderen Stelle, sodass Besucher direkt in die Backstube blicken können. „Man kann jetzt sehen, wie das Brot aus dem Ofen kommt oder in der Konditorei gearbeitet wird. Das finden wir schön.“
Die holländischen Wurzeln der Familie bleiben dabei sichtbar. Fliesen mit niederländischen Sprüchen und verschiedene liebevolle Details erinnern weiterhin an die Herkunft der Betreiberfamilie Kortüm.
Ein Team, das zusammenhält
Besonders dankbar ist die Familie für den Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bereits am Tag des Brandes seien zahlreiche Beschäftigte zur Bäckerei gekommen, um zu helfen.
„Viele sind sogar nachts noch geblieben und haben sofort mit angepackt. Ohne unser Team hätten wir das nicht geschafft“, betont sie.
Auch die vielen Nachfragen der Stammkunden hätten gezeigt, wie eng die Verbundenheit mit dem Stadtteil ist. Immer wieder wollten Besucher wissen, wann das Café endlich wieder öffnen könne.
„Wir konnten oft selbst nicht sagen, wie lange es noch dauert. Viele Dinge lagen einfach nicht in unserer Hand“, erinnert sich die Schürenerin. Umso größer sei die Freude gewesen, als die Entscheidung gefallen sei, die Türen wieder zu öffnen – auch wenn noch nicht jedes Detail fertiggestellt war. „Irgendwann haben wir gesagt: Jetzt machen wir einfach auf. Und das war genau die richtige Entscheidung.“
Jetzt beginnt das nächste Kapitel
Mit der Rückkehr in die eigenen Räume richtet sich der Blick nach vorn. Die kreativen Ideen, für die das Schürener Backparadies seit Jahren bekannt ist, sollen künftig wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.
Passend zur Fußball-Weltmeisterschaft plant das Team bereits besondere Aktionen. Schließlich arbeiten im Betrieb Menschen vieler Nationalitäten zusammen. „Wir haben Italiener, Franzosen, Holländer und viele andere Nationen im Team. Deshalb freuen wir uns schon auf die Weltmeisterschaft und die Ideen, die daraus entstehen“, sagt die Bäckermeisterin.
Gleichzeitig sucht das Unternehmen noch Verstärkung. Gesucht werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit sowie Auszubildende oder Studenten.
Nach zehn Monaten zwischen Baustelle, Containern und Provisorien kehrt damit wieder Normalität aber auch neuer Elan ein. Oder wie sie das Gespräch zum Abschluss zusammenfasst: „Es ist einfach schön, wieder alle zusammen zu haben. Das hat uns wirklich gefehlt.“

















