Seit dem traditionellen Tanz in den Mai ist es still geworden in der „Dorfschänke“ in Sölde. Das historische Gebäude an der Straße Am Kapellenufer, über Generationen einer der zentralen gesellschaftlichen Treffpunkte im Dortmunder Süden, bleibt vorerst geschlossen. Für viele Menschen aus Sölde und den umliegenden Ortsteilen ist das mehr als nur eine vorübergehende Betriebspause – die Dorfschänke gehörte über Jahrzehnte fest zum gesellschaftlichen Leben des Ortes.
Fast 190 Jahre Geschichte
Die Geschichte des Hauses reicht weit zurück: Gegründet wurde das Traditionsgasthaus bereits im Jahr 1840. Damit zählt es zu den ältesten Gaststätten in diesem Teil Dortmunds und hat im Laufe der Zeit zahlreiche gesellschaftliche und wirtschaftliche Umbrüche miterlebt. Über Generationen hinweg diente das Lokal als zentraler Anlaufpunkt für Vereine, Familienfeiern und das dörfliche Zusammenleben.
Geprägt war die Dorfschänke lange Zeit durch ihr uriges und gemütliches Ambiente – die typische Wirtshausatmosphäre. An sonnigen Tagen zog zudem der Biergarten regelmäßig Ausflügler aus Dortmund, Schwerte und Unna an, die die ländliche Lage am Kapellenufer zu schätzen wussten.

Vom Traditionsgasthaus zum Frühstückscafé
Über viele Jahre wurde das Lokal von einem Pächterehepaar geführt, das die Gaststätte im April 2023 schließlich verließ. Nach diesem Wechsel stand das geschichtsträchtige Gebäude fast zehn Monate lang komplett leer – für den Ort eine spürbare Lücke, da mit der Dorfschänke einer der letzten verbliebenen Treffpunkte fehlte.
Im Februar 2024 zog schließlich ein neues Betreiberteam ein und gab dem Haus ein deutlich verändertes Konzept. Die rustikale Grundausstattung blieb zwar im Kern erhalten, wurde jedoch mit moderneren Elementen wie zeitgenössischer Kunst und einer gemütlichen Lounge kombiniert. Aus der klassischen Dorfschänke wurde damit Söldes einziges Frühstückscafé mit Bistro-Charakter. Das neue Konzept kam zunächst gut an und zog vor allem morgens zahlreiche Gäste an, die das Haus in seiner neuen Ausrichtung kennen- und schätzen lernten.
Unstimmigkeiten führten zur Schließung
Diese neue Ära währte jedoch nur gut zwei Jahre. Nach dem diesjährigen Tanz in den Mai blieben die Türen geschlossen. Offenbar kam es zwischen den Eigentümern des Gebäudes und dem zuletzt verantwortlichen Pächterteam zu Unstimmigkeiten und Streit, deren Hintergründe sich von außen derzeit nicht abschließend beurteilen lassen.
Ob und wann es zu einer Einigung kommt, ist derzeit offen. Für die Zukunft der Dorfschänke dürfte vor allem entscheidend sein, wann diese Fragen geklärt werden. Bis dahin bleibt eine der letzten traditionsreichen Gaststätten in Sölde geschlossen – ein Ort, der über fast 190 Jahre hinweg immer wieder neue Kapitel seiner Geschichte geschrieben hat, von der Gründung als klassisches Landgasthaus über die Zeit als Frühstückscafé bis hin zur aktuellen Ungewissheit über die weitere Zukunft. Für viele Anwohner bleibt vor allem die Hoffnung, dass sich die offenen Fragen zeitnah klären lassen und das Haus am Kapellenufer perspektivisch wieder als Treffpunkt für den Ortsteil zur Verfügung steht.

















