Bei seiner 20. Ausgabe wartete das AWO-Stadtbezirksfest mit einer jubiläumsangemessenen Besonderheit auf. So ging Geschäftsführer Tim Hammerbacher an diesem Freitagnachmittag mit drei der Kandidierenden für die Oberbürgermeister-Wahl im September ins Gespräch.
Dabei gab er ihnen zunächst den Raum, den Anwesenden ihre Herzensthemen mitzuteilen. „Thema Nummer Eins in dieser Stadt ist die Entwicklung des Wohnungsmarktes“, betonte beispielsweise der aktuelle Oberbürgermeister Thomas Westphal, der nun erneut für die SPD kandidiert.
Als Kandidatin von Bündnis 90/Die Grünen ging Katrin Lögering in dieser Frage mit ihm d’accord, rückte jedoch auch die „liebens- und lebenswerte Stadt“ in den Fokus, auf die sie in diesem Kommunalwahlkampf verstärkt den Blick richtet. Dabei ging sie darauf ein, wie wichtig es sei, dafür zu sorgen, dass in den Stadtteilzentren „nicht tote Hose ist“. Dazu gehört für sie unter anderem, den öffentlichen Nahverkehr zu stärken.
CDU-Kandidat Alexander Kalouti zog eine ganze Argumentationskette heran. So sei Dortmund eine Zuwanderungsstadt und „wir müssen diese Menschen, die zu uns kommen, in Arbeit bringen“. Das jedoch sei nur möglich, wenn es gelinge, „Unternehmen hier in Dortmund anzusiedeln“. Gleichzeitig seien die erwähnten Arbeitskräfte auf den Wohnungsbau angewiesen und, wenn sie ihre Kinder mitbrächten, auch auf Kitaplätze und somit auf zusätzliches Personal in den Kitas.
Was die Älteren von der Kommunalpolitik zu erwarten haben
In diesem Jahr feierte man am Seniorenzentrum Rodenberg nicht nur das Jubiläum des Stadtbezirksfestes, sondern auch das der Einrichtung selbst. Um dem naturgemäß älteren Publikum gerecht zu werden, lenkte AWO-Geschäftsführer Hammerbacher daher die Gespräche mit den Kandidierenden auch auf Fragen, die Senior*innen in der Stadt betreffen.
„Wir müssen genug Menschen haben, die die Pflege auch machen“, ging SPD-Kandidat Westphal auf ein drängendes Thema älterer Menschen ein. So sei es wichtig, den Pflegediensten und -einrichtungen deutlich zu machen, dass sie alle „im selben Boot“ sitzen und dafür zu sorgen, dass sie sich die Pflegekräfte „nicht gegenseitig abjagen“.
Grünen-Kandidatin Lögering knüpfte in ihrem Statement zu Maßnahmen zugunsten der älteren Bevölkerung unmittelbar an die Themen an, die sie bereits benannt hatte. So sei eine gelungene Mobilitätswende nicht ohne barrierefreie Stadtbahnen denkbar, ebensowenig wie Wohnungsbau ohne Barrierefreiheit. Und erst wenn diese Bedingungen unter der Prämisse der Bezahlbarkeit von ÖPNV-Tickets und Mieten erfüllt seien, „dann haben wir dafür gesorgt, Teilhabe zu schaffen, und das ist aus meiner Sicht städtische Aufgabe“.
Alexander Kalouti von der CDU hingegen wählte in Bezug auf die Frage nach dem Stand älterer Menschen in der Dortmunder Stadtgesellschaft einen beinahe philosophischen Ansatz. So könne ein Blick nach Japan, wo ältere Menschen „viel mehr eingebunden sind in das weitere Leben“, einer Ruhrgebietsstadt begreiflich machen, welcher Raum Senior*innen gewährt werden könne, um sie zu dem Schluss zu bringen: „Ich habe immernoch was zu sagen.“
Aplerbeck feierte die Gemeinschaft
Junge, Alte, in Dortmund Geborene und Zugewanderte, für Kalouti „ist es die Mischung, die es macht“. Nur mit „Gemeinschaft“ könne man in dieser Gesellschaft, die sich zunehmend „in ideologischen und identitären Grabenkämpfen bewegt“, etwas verändern. Diesem Credo entsprach das Stadtbezirksfest wohl in bestem Sinne, brachte es mit Kitas, dem Jugendfreizeitzentrum Aplerbeck und anderen Akteur*innen doch eine Vielfalt an Menschen in der Rodenbergstraße zusammen. Gemeinsam ließen sie Ballons steigen, versehen mit guten Wünschen für diejenigen, die sie an ihrem Bestimmungsort finden mögen.

















