Für die einen ist es eine warme Oase mitten in der City, für andere eine unverzichtbare soziale Institution: Das Gast-Haus Dortmund feiert 2026 sein 30-jähriges Bestehen. Was am 14. Januar 1996 als kleine Initiative unter dem Namen „Gast-Haus statt Bank“ begann, ist heute aus der Dortmunder Stadtgesellschaft nicht mehr wegzudenken. Acht Mitarbeitende und sechs Hilfesuchende zählten damals zu den Anfängen. Heute engagieren sich rund 360 Ehrenamtliche, die an bis zu 400 Menschen täglich Hilfe leisten – an 365 Tagen im Jahr.
Der Leitgedanke „Niemand darf vereinsamen – nicht in unserer Stadt, nicht in unserem Land“ prägt die Arbeit bis heute. Das Gast-Haus steht für Wärme, Würde und Gemeinschaft – unabhängig von Herkunft, Religion oder Lebensgeschichte. Ziel ist es, Menschen in prekären Lebenssituationen respektvoll zu begegnen und ihnen einen geschützten Raum zu bieten.
Ein Ort gelebter Solidarität
Jährlich nutzen rund 170.000 Gäste die Angebote des Gast-Hauses. Neben Frühstück und einer warmen Mahlzeit am Abend gehören Körperpflege, Kleiderwechsel sowie Sozial-, Rechts- und Schuldnerberatung fest zum Alltag. Auch seelsorgerische Begleitung und kulturelle Angebote sind Teil des Konzepts. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der medizinischen Versorgung. In den Räumen an der Rheinischen Straße erhalten die Gäste unentgeltliche Hilfe durch ein interdisziplinäres Team aus Ärztinnen und Ärzten verschiedener Fachrichtungen sowie psychologische und podologische Betreuung.
Getragen wird all das vollständig durch bürgerschaftliches Engagement und Spenden. Lebensmittel aus Supermärkten, Bäckereien, Vereinen und Gemeinden sowie Kleiderspenden aus der Stadt ermöglichen den täglichen Betrieb. Ohne dieses außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement wäre die Arbeit des Gast-Hauses nicht denkbar.
Große Geburtstagsfeier mit klarer Botschaft
Der 30. Geburtstag wurde am Jubiläumstag mit rund 300 Gästen im Forum des Mallinckrodt-Gymnasium gefeiert. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft kamen zusammen, um die Bedeutung des Gast-Hauses zu würdigen. Zu den Gästen zählten auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Dortmunds Oberbürgermeister Alexander Kalouti.
In seiner Festrede betonte Hendrik Wüst die besondere Rolle des Gast-Hauses weit über Dortmund hinaus und nannte es „ganz besonders“. Oberbürgermeister Kalouti hob hervor, dass die Initiative heute ein fester Bestandteil der sozialen Infrastruktur der Stadt sei und für Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft stehe.
Was vor 30 Jahren als Idee begann, ist heute ein starkes Zeichen für gelebte Nächstenliebe in Dortmund. Würde, Verantwortung und Gemeinschaft sind die Werte, die das Gast-Haus bis heute leiten – und die angesichts wachsender sozialer Herausforderungen aktueller sind denn je.

















