„In Vietnam“, erzählt Tuananh Tran, „hat Essen kulturell einen ganz anderen Stellenwert als hier. Die eine vietnamesische Küche gibt es eigentlich gar nicht, weil jede Region, fast jedes Dorf, seine eigenen Spezialitäten hat.“ Und die kämen dann in den selteneren Fällen im eigenen Zuhause auf den Tisch, stattdessen sei es in seiner Heimat quasi an der Tagesordnung, sich gegenseitig einzuladen.
An kulturellen Schätzen herrscht also kein Mangel, nur wisse das zumindest in diesem Teil Deutschlands noch nahezu niemand. Genau das allerdings will der 36-Jährige jetzt ändern, und hat dafür die letzten sechs Monate seinem Traum von einem eigenen Restaurant gewidmet. Das hört auf den Namen „Mingo.86“ und feierte vor wenigen Tagen im Pavillon am Vinckeplatz Eröffnung. Ein nicht zufällig gewählter Standort, denn insbesondere die Nähe zum kleinen Park und zum Spielplatz, verrät der Inhaber, hätten ihn bei der Standortsuche überzeugt: Kommt er doch so seiner Idee vom Essen-gehen als Gemeinschaftserlebnis und Lebensart ein Stückchen näher. Auf drei Seiten wird sein Restaurant künftig, wenn das Wetter es zulässt, von einem Biergarten eingefasst sein. Da können sich dann auch die Mamas oder Papas ggf. einen Snack gönnen und den Nachwuchs trotzdem im Blick behalten.
Mit neuem Leben gefüllt ist nicht nur das Innere der Gastronomie, auch äußerlich hat das Gebäude sein Erscheinungsbild merklich verändert, ziehen sich nun rings um das Haus knapp unterhalb des Dachs bunte Lampions die Fassade entlang, und neben dem zur Kreuzstraße gelegenen Eingang hübschen vietnamesische Straßenschilder die Szenerie auf. „Uns waren“, bestätigt der Chef, den alle nur „Justin“ nennen, „die Details sehr wichtig, deswegen hat’s am Ende bis zur Eröffnung auch etwas länger gedauert als geplant.“
Und wie lässt sich die vietnamesische Küche nun – der Vielfalt zum Trotz – in Worte fassen? „Scharfe Gerichte“, erläutert er, „spielen bei uns eine geringere Rolle als in manchen Nachbarländern. Wir arbeiten viel mit Ingwer, mit Zitronengras und vor allem mit frischen Kräutern. „Bun Bò Xào Nam Bô etwa, also ein Gericht mit gebratenem Rindfleisch, Kräutern, gerösteten Zwiebeln und Erdnüssen, kann er seinen Gästen als Einstieg sehr ans Herz legen. Auf der Salatkarte lockt u. a. ein Mangosalat, und sämtliche Reisgerichte sind auch in veganen Variationen zu bekommen.
Geöffnet hat das „Mingo.86“, für das sich gleich mehrere Familienmitglieder von „Justin“ reinhängen. Angetreten werden kann die „kleine Geschmacksreise durch Vietnam“, zu der ein Schild auf der Gebäudeseite einlädt, täglich außer montags, und zwar sonntags bis 22 Uhr, unter der Woche noch eine halbe Stunde sowie freitags und samstags noch eine volle Stunde länger.

















