Bei den zurückliegenden Kommunalwahlen mussten die Grünen landesweit mehr als nur ein paar Federn lassen, in Dortmunds Stadtbezirk Innenstadt-West – traditionell die innerstädtische grüne Hochburg – bleiben sie allerdings stärkste Fraktion und stellen mit Astrid Cramer auch künftig die Bürgermeisterin.
In der Bezirksvertretung einigte man sich laut der alten und neuen „Chefin“ „nach intensiven Gesprächen mit allen Parteien“ schlussendlich auf eine Zusammen mit der SPD.
Die politischen Zielsetzungen dieser Koalition beschreibt Astrid Cramer folgendermaßen:
• Welches ist für Sie das drängendste Thema im Stadtbezirk und warum?
Die Klimakrise und ihre lokalen Auswirkungen – insbesondere die zunehmende Hitzebelastung in unseren dicht bebauten Quartieren. Als stark versiegelte innerstädtische Bezirke leiden wir unter dem Wärmeinsel-Effekt.
Gleichzeitig müssen wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und bezahlbaren Wohnraum sichern. Diese Themen hängen eng zusammen: Lebenswerte Quartiere brauchen Grünflächen, Treffpunkte und eine Infrastruktur, die allen Menschen Teilhabe ermöglicht.
• Welches Bauprojekt im Stadtbezirk wollen Sie in den kommenden Jahren besonders unterstützen und warum?
Die Entwicklung des HSP-Geländes hat für uns höchste Priorität. Hier entsteht die Chance, ein ganzes neues Stadtquartier zu schaffen – mit bezahlbarem Wohnraum, guter Infrastruktur und ausreichend Grünflächen.
Besonders wichtig ist uns dabei und generell die Anbindung an Unionviertel und Dorstfeld. Marode Brücken wie die an der Langen Straße müssen endlich abgerissen und neu gebaut werden – und zwar am besten in zeitlich nahem Zusammenhang.
Auch die Projektentwicklung des Westbad-Geländes mit Grundschule, Kita und Seniorenwohnungen werden wir vorantreiben.
• Welche soziale Institution im Stadtbezirk wollen Sie in den kommenden Jahren besonders unterstützen und warum?
Wir unterstützen das gesamte Netzwerk sozialer Einrichtungen – von Nachbarschaftszentren über Jugendtreffs bis zu Begegnungsstätten sowie auch den Obdachloseninitiativen. Besonders am Herzen liegt uns die Demokratieförderung: Initiativen wie die *Wilma” am Wilhelmplatz, das Demokratiefest und Projekte gegen Rechtsextremismus werden wir fördern. Gleichzeitig setzen wir uns für neue Orte und Räume für Jugendtreffs ein, insbesondere in der Innenstadt, wo erhöhter Bedarf besteht. Die Förderung der Teilhabe von Kindern und Jugendlichen sowie älteren Menschen und Geflüchtete bleiben zentrale Anliegen.
• Welche verkehrspolitischen Schritte wollen Sie gehen?
Wir setzen auf eine Mobilität, die Menschen höher priorisiert als Autos. Wir wollen sichere Radwege, bessere Fußgängerverbindungen und die Stärkung des ÖPNV. Hier wäre aktuell eine Nachbesserung der neuen Buslinie 400 nötig, die Haltestelle Möllerbrücke und angrenzende Haltestellen im Althoffblock müssen wieder angefahren werden.
Der barrierefreie Umbau der Stadtbahn-Stationen an der Rheinischen Straße ist dringend nötig.
Wir unterstützen den Radschnellweg RS1.
Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit und die Einrichtung von Mobilitätsstationen sind weitere Schritte für eine lebenswerte Mobilität.
• Wie stellen Sie sich die Aufteilung der Flächen im Stadtbezirk vor?
Wir brauchen mehr Grün und weniger Versiegelung. Jede Brachfläche sollte vor Neubebauung auf ihr Potenzial für Parks, Pocket-Forests oder Urban-Gardening-Projekte geprüft werden. Wo gebaut wird, wollen wir Dach- und Fassadenbegrünung, Entsiegelung und Wasserrückhalt.
Der öffentliche Raum gehört allen – deshalb setzen wir uns für mehr Sitzgelegenheiten, Spielplätze und Aufenthaltsflächen ein, die nicht an Gastronomie gebunden sind. Viele Plätze stehen auf unserer Agenda zur Neugestaltung: vom Max-Ophüls-Platz über den Wilhelmplatz bis zum Sonnenplatz. Freiflächen wie das Gelände zwischen Dorstfelder Allee und Emscher müssen als Frischluftschneisen erhalten bleiben.

















