Schwerlastverkehr, Großbaustellen und fehlende Abstimmung – Im Gespräch unserer Redaktion mit der Anwohnerinitiative Kreuzviertel wird deutlich, wie stark das Quartier seit Jahren belastet ist – und wie groß inzwischen der Frust über Politik und Verwaltung geworden ist.
Ausgangspunkt ist die Erweiterung des Werks von Rothe Erde einem Unternehmen aus dem ThyssenKrupp-Konzern, das unter anderem riesige Lager- und Ringkonstruktionen für Windkraftanlagen produziert. Die tonnenschweren Bauteile werden per Zug angeliefert und anschließend mit Schwertransportern durch das Viertel zur Autobahn transportiert. Dabei teilen sich diese Transporte die Straßen mit Schulkindern auf Fahrrädern, Schulbussen und dem Elterntaxi-Verkehr.
Brücke Lange Straße seit Jahren einspurig
Seit 2017 setzt sich die Initiative intensiv mit der Verkehrsproblematik auseinander. Damals wurde eine Bahnbrücke auf der Langen Straße abgelastet und zeitweise gesperrt, was zu einer Verlagerung des Schwerlastverkehrs führte. In zahlreichen Gesprächen mit dem Unternehmen, der Stadt und der Bezirksvertretung wurden Maßnahmen erreicht: Tempolimit von 20 km/h für Lkw, Sanierung der Kreuzstraße zur Reduzierung von Erschütterungen sowie eine vertraglich vereinbarte Verteilung des Verkehrs auf mehrere Routen – Kreuzstraße, Neuer Graben und Lange Straße.
Doch die Lage spitzt sich erneut zu. Die Bahnbrücke soll Anfang 2027 abgerissen werden. Zwar ist ein Neubau geplant, dieser ist jedoch erst bis 2029 terminiert. Nach aktuellem Stand würde die Brücke also zunächst abgerissen – ohne unmittelbaren Wiederaufbau, da die Deutsche Bahn keine durchgehenden Sperrzeiten zugesagt hat. Für mindestens zwei Jahre gäbe es an dieser Stelle lediglich ein „Loch“, wie es die Initiative beschreibt.
Wichtige Verkehrsachsen fehlen
Parallel dazu wird der Neue Graben voraussichtlich für drei Jahre aufgrund von Bauarbeiten gesperrt. Der Abwasserkanal in der Straße Neuer Graben muss erneuert werden.Die Stadtentwässerung und DONETZ beginnen damit im Frühjahr 2026 auf rund 600 Metern ab Von-der-Recke- bis Lindemannstraße den Altkanal durch ein modernes, größeres Bauwerk auszutauschen. Bis alles komplett fertig ist, wird es rund drei Jahre dauern, kündigt die Stadt an.
Damit blieben faktisch nur noch zwei belastbare Verkehrsachsen, mit entsprechendem Mehrverkehr. Hinzu kommen weitere Großprojekte: die Erweiterung der Kreuz-Grundschule, zusätzliche Schulbaustellen, geplante Kita- und Turnhallenbauten. Bereits jetzt ist die Verkehrssituation durch zahlreiche Schulbusse, Elternfahrzeuge und die Taktverdichtung der Buslinie 400 angespannt.
Die Initiative befürchtet, dass sich sämtliche Verkehre – Schwerlast, Baustellen, ÖPNV und Individualverkehr – auf wenigen Straßen bündeln werden. Ein abgestimmtes Baustellenmanagement sei nicht erkennbar. Jeder Fachbereich arbeite für sich, ohne Gesamtkoordination. Anträge und Beschlüsse der Bezirksvertretung liefen häufig ins Leere, Rückmeldungen aus der Verwaltung blieben aus – teils mit Verweis auf Personalmangel.
Die Initiative betont, dass sie konstruktiv gearbeitet habe und keine grundsätzliche Ablehnung gegenüber dem Industriestandort vertrete. Ziel sei stets ein „gedeihliches Miteinander“ gewesen. Doch nach Jahren des Engagements überwiegt inzwischen die Ernüchterung. Das Bürgerengagement versande, Anfragen würden nicht beantwortet, politische Beschlüsse nicht weiterverfolgt.

Initiative fordert schnellere Bauzeit
Als möglichen Ausweg schlägt die Initiative vor, den Abriss der Brücke so lange zu verschieben, bis eine durchgehende Bauphase für Abriss und Neubau gesichert ist – etwa mithilfe von Fertigteilkonstruktionen, um die Sperrzeit möglichst kurz zu halten. Andernfalls drohten dem Quartier mehrere Jahre massiver zusätzlicher Belastung.
Das Fazit der Initiative ist deutlich: Man fühle sich nicht ernst genommen. Der Eindruck, dass Engagement „abtropft und verdampft“, prägt das Gespräch. Gleichzeitig bleibt der Wunsch, die Problematik öffentlich zu machen, in der Hoffnung, dass sich doch noch Bewegung ergibt.

















