Schon bevor die Ausstellung „UKRAINE COMICS – Leben in der Kriegszone“ zum ersten Mal beim Internationalen Comic-Salon Erlangen 2024 zu sehen war, hoffte man, dass sie bereits ein Zeitzeugnis aus einem vergangenen Krieg darstellen würde. Doch auch jetzt noch, da die Werke im schauraum: comic + cartoon zu sehen sind, bilden sie die Gegenwart ab. Heute Abend finden sich einige der Kunstsschaffenden zur offiziellen Eröffnung einer Ausstellung ein, die bis zum 2. November mit einem umfangreichen Begleitprogramm laufen soll.
Die Ausstellung und ihre Form
Bei aller Berichterstattung aus den ukrainischen Kriegsgebieten gerate in Vergessenheit, „dass dahinter Millionen von Menschen stehen“, glaubt Titus Ackermann. Deshalb hat er mit 22 Comic-Künstler*innen ein Buch entwickelt, in dem sie auf zeichnerische Weise ihre individuelle Kriegsgeschichte erzählen. Als Kurator der Dortmunder Ausstellung hat er jetzt zusammen mit Dr. Alexander Braun und Sophia Paplowski als Leiterin des schauraums: comic + cartoon einige Werke ausgewählt, die nun am Max-von-der-Grün-Platz zu sehen sind.
Wichtig war ihm aber, auch die „Geschichten, die es nicht in die Ausstellung geschafft haben“, sichtbar zu machen. So findet sich auf dem Tablet neben der Eingangstür beispielsweise der Comic einer Künstlerin, die ihren Bruder verabschiedet, weil er an die Front gerufen wird.
Unmittelbar daneben hängt eines der wenigen Originale der Ausstellung. In einer „gezeichneten Erläuterung“, so Ackermann, „habe ich versucht, die ukrainische Geschichte grob zusammenzusticken“ und dabei sowohl die ukrainische als auch die europäische und die US-amerikanische Sichtweise zu berücksichtigen. Ebenso wie die Brüder Leo und Anton Reznik konnte er seine Zeichnungen dem schauraum für die Ausstellung im Original zur Verfügung stellen – anders als die anderen Kunstschaffenden, die in der Ausstellung berücksichtigt sind. „Es ist einfach nicht mehr möglich, normal zu publizieren“, erklärt Ackermann.
Deshalb und weil das Internet eine unmittelbarere Kommunikation ermöglicht, nutzen die Kunstschaffenden vorrangig Instagram als Publikationsplattform, was sich laut dem Kurator auch auf die Präsentationsweise im schauraum auswirkt: „Wir sehen hier überall in der Ausstellung diese charakteristischen quadratischen Formen.“
Der Krieg als individuelles Trauma
Inhaltlich geht es um die Traumata der Menschen, um den Konflikt ukrainischer Frauen vor dem Hintergrund, dass sie nicht verpflichtet sind, an die Front zu gehen, gleichzeitig aber sowohl eine Verantwortung für ihr Land als auch für ihre Kinder spüren, um die Frage, wie sich für eine Comic-Künstlerin der Alltag gestalten lässt, während der Krieg tobt.
„Wenn dieser Krieg hoffentlich bald vorbei ist, werden diese Comics nicht unwichtig sein“, ist schauraum-Leiterin Paplowski überzeugt. Vielmehr werden sie ihrer Ansicht nach an das erinnern, was war. Darüber hinaus ist laut Titus Ackermann „die Qualität der Zeichnungen wirklich außergewöhnlich gut“: „Das sind einfach fantastische Arbeiten.“
Hinzu kommen verschiedene Gegenstände, die in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine entstanden sind. So findet sich das Bild einer Heiligen mit einem Raketenwerfer im Arm auf verschiedensten Ausstellungsstücken. Dieses Motiv, aus einem Meme stammend, vermarktet Christian Boris aktiv und sammelt auf diese Weise Gelder für die Menschen in der Ukraine.
Das Rahmenprogramm
Die Ausstellung selbst leistet Erinnerungsarbeit, für die sich Titus Ackermann bei der Stadt Dortmund explizit bedankt, die sich mit der Entscheidung für die zur Verfügung gestellte Summe auch entschieden habe: „Wir machen das richtig, wie machen das ernsthaft, wir machen das museal.“ Dazu gehört das Rahmenprogramm aus Vorträgen, Filmen und Workshops – darunter auch ein Protest-Plakate-Workshop mit Anna Sarvira als einer der im schauraum ausgestellten Künstlerinnen am 13. September.
Heute um 18 Uhr steigt aber erst einmal die offizielle Eröffnung im „Studio B“ der Stadt- und Landesbibliothek. Titus Ackermann wird dann in die Ausstellung einführen und es gibt Musik von Svitlana Novak und dem Bandura Trio „Melodie“.

















