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Home Dortmund

Ein Denkmal soll Leistungen der Gastarbeiter*innen ehren

Mit der Auftaktveranstaltung im Keuning.haus startete gestern der gemeinschaftliche Prozess

von Wir in Dortmund (SK)
vor 2 Jahren
in Dortmund
Lesezeit: 3 Minuten
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(Symbolfoto: freepik)

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Dortmund setzt ein Zeichen: Die Vorbereitungen für ein Denkmal zu Ehren der Gastarbeiter*innen sind gestartet. Mit einer Auftaktveranstaltung im Keuning.haus startete ein Prozess, der über Art und Ort des Denkmals entscheidet.

Der Stadtrat hatte das Denkmal zu Ehren der Gastarbeiter* innen 2021 mit großer Mehrheit beschlossen. Initiator war Dominik De Marco. Sein Großvater kam als Gastarbeiter aus Italien und machte sich in Dortmund selbständig. „Ich möchte, dass die Leistungen dieser Generationen Teil des kollektiven Gedächtnisses werden“, so De Marco. Deshalb stellte er als Mitglied der SPD-Ratsfaktion den Antrag für das Denkmals – 200.000 Euro hat der Stadtrat für das Projekt bewilligt.

Beirat zeigt Vielfalt der Gesellschaft
Wie soll das Denkmal aussehen, wo wird es stehen – und was oder wen genau wird es in welcher Form würdigen? Diese noch offenen Fragen sind Teil eines Prozesses, der gestern in einer Auftaktveranstaltung mit Podiumsdiskussion im Keuning.haus gestartet ist. Dabei stellte sich auch ein Teil des 14-köpfigen Beirates der Öffentlichkeit vor. Der Beirat setzt sich zusammen aus Vertreter*innen aus Wissenschaft und Kunst, dem Kulturausschuss, Integrationsrat und Migrant*innen verschiedener Generationen. Sie alle haben Ideen und Meinungen dazu, was das Denkmal aussagen und wie es aussehen könnte. All das soll einfließen in den Prozess, an dem möglichst auch viele Menschen der Stadtgesellschaft teilhaben sollen. Besonders steht aber die erste Generation im Mittelpunkt – jene Menschen, die aus Ländern gekommen sind, mit denen Deutschland Anwerbeabkommen geschlossen hat.

Hatice Sarikaya: „Ich bin stolz auf das, was ich in Dortmund erreicht habe.“
Wie zum Beispiel die 70-Jährige Hatice Sarikaya. Sie folgte Anfang der 70er-Jahre ihrem Ehemann aus der Türkei nach Dortmund. Er absolvierte auf der Zeche Hansa eine Ausbildung und arbeitete später als Dolmetscher. Beide zogen zwei Kinder in Dortmund groß. Hatice Sarikaya findet es sehr wichtig, an die ersten Gastarbeiter*innen zu erinnern, insbesondere vor dem Hintergrund der migrationsfeindlichen Tendenzen in der Gesellschaft. „Es darf nicht vergessen werden, was die erste Generation hier in der deutschen Wirtschaft geleistet hat“.

Sie selbst war neben der Erziehung der Kinder zunächst als Arbeiterin in einer Fabrik tätig. Dann holte sie ihren Abschluss nach und studierte Sozialarbeit. Das war nicht einfach, erinnert sie sich, es gab keine Sprachkurse, für jede Unterstützung musste sie erst kämpfen. Doch ihr Wille und ihre Anstrengungen zahlten sich aus. Sie hat Frauen von Gastarbeitern beraten und sie auf dem beruflichen Weg begleitet, Deutschkurse gegeben. „Ich wurde gebraucht. Ich bin stolz auf das, was ich in Dortmund erreicht habe.“ Nicht nur deshalb hat sie sich entschlossen, sich an dem Denkmalprojekt zu beteiligen: „Um diese aktuelle Fremdenfeindlichkeit zu stoppen, muss unsere Geschichte jungen Menschen erzählt werden.“

Auch Levent Arslan, Leiter des Keuning.hauses, gehört zur zweiten Generation. Er ist in Dortmund geboren, seine Mutter kam sechs Jahre nach seinem Vater nach Dortmund. „Wir haben hier sehr viel Solidarität erfahren, besonders von den deutschen Nachbarn, die selbst durch den Krieg entwurzelt waren. Von dieser Solidarität würde ich gerne erzählen.“

Die Geschichte soll im öffentlichen Raum sichtbar sein
„Es wird Zeit, dass diese Geschichte und die Geschichten dahinter sichtbar werden – im öffentlichen Raum, aber ebenso in Archiven, Büchern und Ausstellungen“, sagte Dr. Stefan Mühlhofer, Geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe der Stadt Dortmund. Er sieht die Diskussion um das Gastarbeiter*innen-Denkmal als Startpunkt der Erinnerungskultur, der mit dem Denkmal noch lange nicht abgeschlossen ist.

Bei der Auftaktveranstaltung wurden Ziele und Zeitplan für das Projekt vorgestellt. Dr. Jaques Heinrich Toussaint, Leiter der „Kunst im öffentlichen Raum“, koordiniert das Projekt. Der Beirat plant die internationale Ausschreibung für die Künstler*innen und wird die Jury bilden. Genau in einem Jahr, Ostern 2025, soll es eine Entscheidung geben. Bis dahin ist der Weg gespickt mit vielen Veranstaltungen, Erzählcafés und Ausstellungen, um möglichst viele Stimmen der Stadtgesellschaft „einzufangen“. Schließlich soll dieses Denkmal ein Zeichen der Anmerkung für alle werden, die herkamen, um zu arbeiten und manche, auch um zu bleiben.

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