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Home Dortmund

„Es ist immer eine Überraschungstüte“

Wie Ergotherapie an der LWL-Klinik Dortmund Demenzkranken hilft

von Wir in Dortmund (SK)
vor 3 Wochen
in Dortmund, Aplerbeck
Lesezeit: 3 Minuten
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Die Ergotherapeutinnen (v. l.) Denise Becker, Bernadette Klabes und Venita Prause (hier mit Hund Manfred) arbeiten gern auf der Station P2 der LWL-Klinik Dortmund.
(Foto: LWL / Philipp Stenger)

Die Ergotherapeutinnen (v. l.) Denise Becker, Bernadette Klabes und Venita Prause (hier mit Hund Manfred) arbeiten gern auf der Station P2 der LWL-Klinik Dortmund. (Foto: LWL / Philipp Stenger)

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Sie ist die Therapieform mit 1000 Gesichtern und kommt auch an der Klinik Dortmund des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zum Einsatz: die Ergotherapie. Bei der Ergotherapie geht es kurz gesagt um das Aktiv-Werden bzw. Aktivieren von Patientinnen und Patienten – und das kann ganz verschiedene Formen haben.

Die Ergotherapeutinnen Bernadette Klabes, Denise Becker und Venita Prause arbeiten auf der Station P2 der LWL-Klinik Dortmund. Die P2 gehört zum Bereich Gerontopsychiatrie. Auf der Station werden Menschen mit Demenz behandelt. Die drei Ergotherapeutinnen haben ganz unterschiedliche Ansätze, mit diesen Menschen zu arbeiten. Doch alle Ansätze haben den gleichen Kern: „Die Ergotherapie ist betätigungsorientiert“, fasst es Venita Prause zusammen.

Musik, Spiele und Biografie
„Der Herr da vorne kann richtig gut Songs von den Rolling Stones singen“, sagt Denise Becker fröhlich. Gemeinsames Singen und Musikhören könne einen positiven Effekt auf die Patientinnen und Patienten haben. „Das kann sie beruhigen, aktivieren oder emotional erreichen, selbst wenn Sprache kaum noch möglich ist“, sagt die Ergotherapeutin. Mit dabei hat Denise Becker Karten, auf denen Fotos der jeweiligen Musikerinnen und Musiker zu sehen sind. So könne die Therapeutin mit den Leuten ins Gespräch kommen, Erinnerungen wecken und zum Austausch anregen. Auch Spiele wie Stadt-Land-Fluss können zum Aktiv-Werden anregen. Ein weiterer Teil sei die Biografiearbeit, erklärt die Ergotherapeutin. Das bedeute, dass sie sich mit den Menschen über ihre Lebensgeschichte unterhalte und auf diese Weise Erinnerungen wecke.

Ton, Socken und Sinne
Bernadette Klabes mag es visuell und haptisch. Sie bietet Betätigungen an, die das Erkennen sowie das Fühlen und Anfassen in den Fokus stellen. Auch ihr Ansatz ist vielseitig: Die Patientinnen und Patienten fertigen mit ihr beispielsweise Blumen aus Ton an oder können in einer Kiste mit bunten Socken nesteln und diese sortieren. Um Aufgaben zu erstellen, die zu den jeweiligen Fähigkeiten der Patientinnen und Patienten passen, überlegt die Ergotherapeutin genau, aus welchen Arbeitsschritten eine Aufgabe besteht und welche dieser Schritte für welche Personen besonders gut geeignet sind. „Das können auch kleine Teilschritte oder sich wiederholende Handgriffe sein wie zum Beispiel, etwas mit Wolle zu umwickeln“, berichtet die Therapeutin. Wichtig sei, dass der sprichwörtliche rote Faden der Handlung erkannt werde. Klabes wie auch ihre Kolleginnen achten besonders auf der P2 auf das Non-Verbale, also Mimik, Gestik, Körperhaltung etc., da Gespräche mit demenziell erkrankten Menschen nicht immer möglich seien. „Sprache ist nur ein Weg der Verständigung“, sagt Klabes.

Manfred, Kalli und Streicheleinheiten
„Tiere schaffen emotional noch mal einen ganz anderen Zugang“, weiß Venita Prause. Die Ergotherapeutin kommt häufig mit tierischer Begleitung. Zwei Hunde trainiert sie dafür: den erfahrenen Manfred, der bereits seit zwei Jahren als Therapiehund zertifiziert ist, und den noch lernenden Kalli. „Kalli ist noch in Ausbildung“, sagt Prause schmunzelnd. Manfred komme bei den Patientinnen und Patienten sehr gut an. Der sechseinhalb Jahre alte Mops hat wegen eines Tumors nur noch drei Beine, was aber weder ihn noch die Patientinnen und Patienten zu stören scheint. Streicheln, spielen und beobachten – auch das könne zur Aktivierung beitragen. „Die Patientinnen und Patienten können so zudem einen wertvollen Rollenwechsel erleben – von der Rolle des ‚zu Pflegenden‘ hin zu der Rolle der Versorgerin oder des Versorgers“, berichtet die Ergotherapeutin.

Die drei Frauen arbeiten gern als Ergotherapeutinnen und fühlen sich auch auf der P2 sehr wohl. Bei der Arbeit sei viel Flexibilität gefragt, jedoch könne man mit gezielten Aufgaben die Stimmung der Patientinnen und Patienten schnell positiv beeinflussen. „Es ist immer eine Überraschungstüte“, sagt Denise Becker mit einem Lachen. Doch anders wollen es die drei auch gar nicht haben.

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