Mit zunehmender Professionalisierung benötigt die Mädchenabteilung des BVB einen Nachwuchskoordinator in Vollzeit. Nachdem Thomas Sulewski seit der Gründung der Frauenmannschaft als Cheftrainer fungierte und gleichzeitig Koordinierungsaufgaben übernahm, sind beide Funktionen nun nicht mehr miteinander vereinbar. Unter anderem aus diesem Grund hat neben dem Platz nun Markus Högner übernommen. Als langjähriger Coach der SGS Essen trainiert er nun erstmalig eine Regionalliga-Mannschaft, um mit ihr gemeinsam das Projekt Bundesliga anzupacken.
Hallo Herr Högner. Die wichtigste Frage zuerst: Warum haben Sie sich für den Wechsel zum BVB entschieden?
Ich hatte letztes Jahr im September so einen Impuls, wo ich gedacht habe: Okay, noch mal was anderes. Dann kam der Kontakt mit dem BVB zustande, die Gespräche waren gut und ich war begeistert. Von daher habe ich mich dafür entschieden und die ersten Wochen geben mir tatsächlich recht. Es macht mir sehr viel Spaß, wir haben ein gutes Team und jetzt freue ich mich, wenn es losgeht mit der Meisterschaft.

Sie haben ja nicht nur eine Mannschaft übernommen, sondern auch ein Trainerteam. Wie läuft denn bislang die Zusammenarbeit?
Sehr gut. Wir hatten ja auch schon im Frühling den einen oder anderen Kontakt. Da habe ich direkt gemerkt, die Jungs beziehungsweise auch Josi [Torwarttrainerin Josephine Plehn, Anm. d. Red.], die ich ja als Spielerin noch von der SGS kenne, liegen auf einer Wellenlänge, auch mit Bene [Trainingswissenschaftler Benedikt Terschluse, Anm. d. Red.]. Das sind sehr engagierte Trainer, die auch ein gutes Fachwissen haben. Ich sage tatsächlich: Das sind Trainertalente. Und es passt auch menschlich, von der ersten Sekunde an.
Die Saison beginnt gleich mit den Zweitvertretungen von Leverkusen und Köln. Wie gut ist die Mannschaft auf die dicken Bretter vorbereitet?
Die zweiten Mannschaften sind immer relativ schwer einzuschätzen. Man weiß nie, wer von oben runterkommt, aber aus der Erfahrung weiß ich schon, dass gerade Leverkusen in den letzten Jahren immer eine sehr gute Mannschaft gestellt hat. Die haben sehr ehrgeizige Spielerinnen, die irgendwann in der Bundesliga aufschlagen möchten. Deswegen werden sie alles geben, vor allen Dingen gegen eine Mannschaft wie unsere, die das klare Ziel hat aufzusteigen. Die Atmosphäre werden die Spielerinnen natürlich genießen und da werden mehr Zuschauer sein als bei den anderen Spielen in der Regionalliga. Wir bereiten uns akribisch auf jedes Spiel vor, aber gerade bei diesen Gegnern müssen wir wirklich an unsere Leistungsgrenze gehen.

Sie haben es schon angesprochen: Das Ziel heißt Aufstieg. Wie wollen Sie das erreichen?
Erst einmal müssen wir dafür sorgen, dass wir eine gute Basis haben, dass die Abläufe stimmen, dass wir im Spielaufbau klare Prinzipien haben, damit die Spielerinnen immer genau wissen, was zu tun ist. Und natürlich sage ich immer: Fitness ist auch eine Basis. Daran haben wir in der Vorbereitung viel gearbeitet. Ich bin ein Freund davon, die Basics gut umzusetzen. Wenn man die einfachen Dinge gut bis sehr gut beherrscht, hat man ein gutes Fundament, um erfolgreich zu sein.
Darüber hinaus haben wir natürlich am Teamspirit gearbeitet. Die Mannschaft wächst zusammen. Wir sind viele Stunden zusammen, gerade dann, wenn wir zweimal am Tag trainieren. Auch das Funktionsgebäude hilft dabei. Die Mädels essen gemeinsam zum Mittag. Das Trainingslager war gerade für das Teambuilding ein Höhepunkt.
Wie gehen Sie denn persönlich an das Training heran?
Ich glaube, als Trainer musst du mehrere Dinge beherrschen. Man muss eine Mannschaft mal pushen, man muss aber auch mal einfühlsam sein – im Endeffekt auch ein guter Psychologe. Ich glaube, du benötigst als Trainer auch eine gute Menschenkenntnis, um aus einer Gruppe eine Mannschaft zu formen. Ich habe eine gewisse Lebenserfahrung, ich habe eine Familie, ich habe Kinder, ich habe aber natürlich auch schon eine lange Trainer-Erfahrung und die Dinge sind immer wieder ähnlich gelagert. Klar, man hat mit unterschiedlichen Charakteren zu tun, aber da habe ich eine gewisse Erfahrung und die kommt mir zugute, auch in Situationen, in denen es nicht so läuft. Auf diese Weise kann man Ruhe bewahren.
Ich habe eben gesagt, dass wir einen klaren Plan haben, dass die Spielerinnen wissen, was wir tatsächlich wollen. Aber das erarbeiten wir auch gemeinsam mit den Spielerinnen. Ich frage auch immer: Kommt ihr damit klar? Ich möchte nachher nicht, dass die eine oder andere Spielerin sagt: Du hast es uns nicht erklärt. Von daher immer eine klare Kommunikation, klare Leitlinien, klare Leitplanken für die Spielerinnen und damit, glaube ich, bin ich auch die letzten Jahre ganz gut gefahren.

Sie haben sich im Trainerteam für Paula Reimann als Kapitänin entschieden. Welche Qualitäten muss sie für diese Rolle mitbringen?
Leader-Erfahrung und gute Kommunikation. Sie ist der verlängerte Arm des Trainers, sie ist sensibel für Stimmungen im Team. Zwangsläufig gibt es immer auch Gruppen im Team, du hast jüngere Spielerinnen, du hast erfahrene Spielerinnen, aber die Kapitänin sollte eine Person sein, die verbindend ist und natürlich auch verbindend zwischen Mannschaft und Trainerteam.
Gibt es bestimmte Learnings aus Essen, die Sie mitbringen?
Wenn du so lange Trainer in der Frauenbundesliga bist, dann entwickelst du dich ja auch als Trainer. Taktisch, aber auch, was das Mannschaftsgefüge betrifft. Als Leader voranzugehen und die Dinge zu berücksichtigen, die ich gerade beschrieben habe und die ich im Laufe meiner Karriere gelernt habe, kann ich hier zu 100 Prozent einsetzen.
Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben.

















