Der Verein wird sich hüten, noch zusätzlich in die Glut zu pusten, und die Öffentlichkeit hält sich derzeit – womöglich aus Ratlosigkeit? – alles in allem bemerkenswert zurück Das Potential zum echten Aufreger aber hat die „Akte Youssoufa Moukoko“ trotzdem allemal. Weil halt all das zur Disposition steht, was den BVB-Spieler im Laufe der letzten Jahre zu einem Rekordjäger und einer Sportsensation gemacht hat.
In Zweifel stehen seit einer ProSieben-Investigativ-Reportage von Mitte Dezember sowohl Familienzugehörigkeit als auch Alter des Kameruners. Wobei letzteres schon seit einiger Zeit Material für die brodelnde Gerüchteküche abwarf. Das Fernsehjournalisten-Trio hinter der TV-Dokumentation veröffentlichte nun Videoaufnahmen und eine eidesstattliche Versicherung von jenem Mann, der gemäß existierender Geburtsurkunde der Vater des BVB-Kickers ist. Der aber hat nun offenbar zu Protokoll gegeben, die leibliche Vaterschaft sei ein Schwindel. Auch hat Joseph Moukoko nach eigener Aussage für seinen vorgeblichen Sohn eine falsche Geburtsurkunde ausstellen lassen und ihn so vier Jahre jünger gemacht.
Gegen Borussia Dortmunds Führungsriege erhebt Moukoko sen. schwere Vorwürfe und behauptet, sie sei von Beginn an in den Schwindel eingeweiht gewesen. Ziemlich harter Tobak, dem Borussia Dortmund mit einem Statement begegnete, in dem es u. a. heißt: „Die leiblichen Eltern und die Geburtsdaten ergeben sich im Falle von Youssoufa Moukoko aus amtlichen Ausweisdokumenten und Geburtsurkunden, die von einer deutschen Behörde ausgestellt worden sind“. Der Spieler wie auch die ausgewiesenen Eltern hätten in der Vergangenheit eidesstattlich versichert, dass die vorliegenden Dokumente der Wahrheit entsprächen.
In mit dem Thema befassten Internet-Foren wird in diesem Zusammenhang insbesondere ein Gegenargument immer wieder ins Feld geführt: Warum hätte eine BVB-Spitze mit Wissen um den beschriebenen „Fake“ in ein vermeintliches Nachwuchsjuwel denn derartig viel Zeit, Geld und Hoffnung investieren sollen? In der Tat eine berechtigte Frage.
Doch selbst wenn die Vorwürfe gegen die BVB-Verantwortlichen fadenscheinig daherkommen, dürfte der verursachte Schaden der „Affäre Moukoko“ in mehrfacher Hinsicht länger nachwirken: Weil sie das Misstrauen der Öffentlichkeit gegenüber als Wunderkicker beworbenen Fußballern ganz schön anheizen könnte. Und weil sie den Beteiligten offenlegt, wie sperrangelweit dem Betrug bei manchen Transfers Tür und Tor geöffnet ist. Rassismus-Shitstorms wie gegen DAZN-Moderator Stefan Galler, der während einer Live-Übertragung Moukokos Alter mit einem Fragezeichen versah, gehen allerdings trotzdem komplett am Thema vorbei. Immerhin steht ja tatsächlich die Behauptung im Raum, hier sei an grundsätzliche Daten nach Lust und Laune geschraubt worden.
An der Fan-Basis ist Youssoufa Moukoko derweil trotzdem kaum mal ein Thema. Letztlich u. a. wohl auch, weil er momentan eben vom BVB-Radar verschwunden ist. Und vor allem natürlich – wie auf Nachfrage etliche Fans am ersten Heimspieltag des Jahres unterstrichen – weil es aktuell leider zu viele andere Themen gebe, um welche sich die schwarzgelbe Welt Gedanken machen müsse.












