Mannschaftliche Umbrüche am Saisonende sind im Profifußball mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr. Der personelle Schnitt, den der BVB vor einem halben Jahr vollzog, ging allerdings besonders tief. In den meisten Fällen ging die Initiative von der Sportlichen Leitung der Borussen aus, ein paarmal aber strebte auch der betreffende Spieler – in Hoffnung auf den Karriere-Turbo – zu neuen Ufern. Eine Hoffnung, die sich naturgemäß mal mehr und mal weniger bewahrheitete. So ist es ehemals Schwarzgelben in ihrem neuen Job ergangen:
• Mats Hummels: Ganz zum Ende seiner Borussenzeit übertrieb der Mann mit den immerhin zweitmeisten BVB-Pflichtspielen der Clubgeschichte in Sachen „meinungsstarker Profi“ ein gutes Stückchen – und dürfte es den Verantwortlichen im Verein damit leichter gemacht haben, sich vom mittlerweile 36-Jährigen zu trennen. Das Wissen um Hummels fußballerische Qualitäten allerdings sorgte dafür, dass die Arbeitslosigkeit des Innenverteidigers gerade einmal ein paar Wochen währte.
Bis sich Hummels‘ Engagement bei AS Rom allerdings zu einer Erfolgsstory entwickelte, sollte es geraume Zeit dauern: Bis Ende November hatte der Ex-Borusse gerade einmal 157 Pflichtspiel-Minuten auf der Uhr – wettbewerbsübergreifend wohlgemerkt. Ein Eigentor beim Liga-Debüt machte den Fehlstart perfekt.
Nach dem römischen Trainerwechsel Mitte November allerdings drehte sich der Wind im Nu komplett. Coach Claudio Ranieri ist voll des Lobes über den Routinier, eine einjährige Verlängerung von Hummels‘ Vertrag scheint nur noch Formsache zu sein. Sicher kein Nachteil im modernen Fußball, dass – so wird gemunkelt – auch Club-Eigentümer Dan Friedkin inzwischen auf eine Weiterbeschäftigung drängt.

(Foto: IMAGO / Imagn Images)
• Marco Reus: Am 7. Dezember 2024 war das Unglaubliche vollbracht: Im Spätherbst seiner Karriere durfte Dortmunds langjähriger Käpt’n endlich, endlich seine erste Meisterschaft bejubeln: Soeben hatte sein neuer Verein LA Galaxy im Finale die Konkurrenz aus New York mit 2:1 besiegt. Auch jenseits von Titeln liest sich die Bestandsaufnahme des „Dortmunder Jungen“ auf der anderen Seite des Ozeans gut: Mit Ausnahme einer zweiwöchigen Verletzungspause kam Reus seit seinem Wechsel in jedem der Saisonspiele zum Einsatz. Über 90 Minuten hingegen musste der 35-Jährige, dessen Spiel sich bekanntlich immer ein gutes Stück über Antrittsschnelligkeit definierte, dabei insgesamt nur zweimal gehen: Das amerikanische Fußballabenteuer bleibt nun mal eine Karrierezugabe. Aber immerhin eine, die alle Beteiligten zufrieden stimmen dürfte.

(Archivfoto: Stephan Schütze / Wir in Dortmund)
• Jadon Sancho: Dem englischen Dribbelkünstler ging es bei seinem zweiten Engagement an der Strobelallee so, wie schon dem einen oder anderen vor ihm: Der Zauber vergangener Tage wollte sich – womöglich auch unter dem Druck der Erwartungen – nicht mehr so richtig einstellen. So sorgte Sanchos Rückkehr auf die Insel nach Ende der knapp halbjährigen Leihe hierzulande auch nicht für allzu große Verzweiflung. Vom Arbeitgeber ManU direkt an den FC Chelsea weiterverliehen, hat aber auch der gebürtige Londoner mittlerweile weitgehend die (Leistungs-)Kurve gekriegt und seinen Stammplatz im Grunde sicher.
Nach den Sternen greifen wiederum lässt sich derzeit mit dem FC Chelsea kaum. Und Sanchos letzter Einsatz im Nationaldress datiert nach wie vor vom Oktober 2021, seine persönliche Bilanz der Nach-BVB-Zeit ist also einstweilen eine durchwachsene.
• Niclas Füllkrug: Den Abschied von „Fülle“ haben etliche BVB-Anhänger aufrichtig bedauert, kann der Neuner doch eine Eigenschaft für sich in Anspruch nehmen, die im Profifußball mehr und mehr exotisch rüberkommt: Der Ex-Bremer ist einer der bodenständigen Typen im internationalen Fußball-Business. Zudem dürfte auch die Tatsache, dass der 31-Jährige keine Turbo-Karriere hinlegte, sondern erst vor gerade einmal gut zwei Jahren – nach einigen Umwegen und Rückschlägen – zum Nationalkicker wurde, die schwarzgelbe Fanbase für ihn eingenommen haben. Vom erhofften garantierten Stammplatz im Kader seines neuen Arbeitgebers West Ham United jedoch ist Füllkrug derzeit so weit entfernt wie schon lange nicht mehr, bleibt ihm doch seit Saisonbeginn das Verletzungspech treu: Kaum erstmals als Liga-Torschütze in Erscheinung getreten, liegt er auch schon wieder bis voraussichtlich April flach. Zu allem Überfluss kämpft sein Verein kämpft derweil auch noch ums sportliche Überleben. Ein Happy End von „Fülles“ englischem Abenteuer erscheint aktuell zumindest fraglich.

(Archivfoto: Stephan Schütze / Wir in Dortmund)
• Youssoufa Moukoko: Wie vergleichsweise still weite Teile der schwarzgelben Öffentlichkeit die Diskussion um das einstige „Nachwuchs-Juwel“ Moukoko aufnehmen, ist bemerkenswert. (Siehe Extra-Artikel.) Traut man da einfach seinen Ohren und Augen nicht? Oder schwingt auf Fan-Seite auch Resignation mit, wenn im Zusammenhang mit dem eigenen Herzensverein mittlerweile sogar Identitäten in Zweifel gezogen werden?
Das Ende dieser Geschichte wird man abwarten müssen. Fakt allerdings ist , dass der schwarzgelbe Mittelstürmer in seinen Leistungen im Laufe der letzten Jahre deutlich näher am Durchschnitt geblieben ist, als man es sich einst erhofft hatte. Der probate Plan B – also eine Ausleihe des Spielers in der Hoffnung auf jede Menge Spielpraxis in der Fremde – erfüllt sich beim OGC Nizza aber bislang überhaupt nicht. Kurzzeitig sah es anders aus, bereits Anfang Oktober brachte es der Borusse in neuer Umgebung auf zwei Tore und zwei Assists. Aktuell jedoch spielt Moukoko in den Planungen von Trainer Franck Haise offenkundig nur noch eine Nebenrolle und muss sich mit Kürzest-Einsätzen begnügen.
• Paris Brunner: Hell zu strahlen begann der Stern des gebürtigen Dortmunders bei der U17-WM vor etwas über einem Jahr spätestens, als er dem deutschen Team per Doppelpack den Weg ins Finale ebnete. Wie wichtig der Stürmer für eine Mannschaft sein kann, offenbarte er nur zweieinhalb Monate nach seiner zwischenzeitlichen Suspendierung bei den Schwarzgelben. Bei den im vergangenen Jahr anlaufenden Vertragsgesprächen dann unterstrichen der damals 17-Jährige und sein (Beraterstab?) offenbar ihr eher schwieriges Image und forcierten mangels Einsatzgarantie einen Club-Wechsel. Über Monaco landete Brunner schließlich per Leihe beim belgischen Erstligisten Cercle Brügge, wo er allerdings bislang über eine Rolle als Ergänzungsspieler nicht hinauskommt. Eine Torbeteiligung fehlt in seiner Bilanz bisher und die öffentliche Kritik wurde zuletzt merklich lauter. Rund läuft’s hingegen weiterhin im Nationaldress: In der U19-EM-Qualifikation traf der Lütgendortmunder zuletzt in drei Spielen viermal.

















