Dortmunds Fan-Seele leidet. Hörte man sich beim Heimspiel gegen Bremen im Umfeld des Stadions, an S-Bahn-Haltestellen und in den Stadtbahnen ein bisschen um, bestätigte sich vor allem zweierlei: Wie sehr der BVB in der Lage ist, Menschen jedweden Alters von nah und fern zusammenzubringen. Und wie sehr diese Fans aktuell nicht nur in ihrer grundsätzlichen Begeisterung, sondern auch im aktuellen Frust verbunden sind.
Alexander, Ben und Michael etwa pilgern zu den schwarzgelben Heimspielen jeweils aus Paderborn an die Strobelallee. Sicher, auch ihr Heimatort hat einen Profiverein, aber der stand als Herzensclub irgendwie noch nie wirklich zur Debatte. Höchstens mal der „Effzeh“, hat einer aus dem Trio doch rheinische Wurzeln. Der BVB leidet aus ihrer Sicht aktuell u. a. daran, dass Führungsspieler ihren eigenen Ansprüchen weit hinterherhinken. Auch der Faktor „Echte Liebe“ sei in der Vergangenheit bei Personalentscheidungen wohl etwas zu wichtig genommen worden.

In der Bahn zum Stadion hat der Zufall Borussen-Fan Eric direkt neben zwei Belgier geschoben und ein lebhaftes Gespräch in Gang gesetzt. Das Duo aus der Nähe von Antwerpen betritt nämlich heute tatsächlich zum allerersten Mal den Signal Iduna Park, während das Herz des Rotterdamers Eric schon seit vielen Jahren für Schwarzgelb schlägt. Sein Dauerticket indes hat er sich erst nach über einem Jahrzehnt auf der Warteliste sichern können – wahre Liebe eben! Die skurrilerweise ihren Anfang nahm, als das Heimteam des Holländers vor vielen Jahren den BVB im UEFA-Cup-Finale bezwang. Anschließend ließ Eric sich von seiner damaligen Dortmunder Freundin überreden, auch der Atmosphäre in der Gelben Wand mal eine Chance zu geben. Was Eric machte … und dauerhaft am BVB hängen blieb! An seiner Freundin übrigens auch. Ist er also heutzutage an der Strobelallee mit dabei, parkt sein Auto praktischerweise bei Schwager Jens. Bei der aktuellen Borussenanalyse schwankt der Edelfan zwischen Ärger und Ratlosigkeit. „Wenn Nationalspieler sich nicht mehr über zwei Meter den Ball zuspielen können, kann Nuri nichts dazu“, resümiert er, findet aber ähnlich wie das Paderborner Trio, die Borussia habe in der jüngeren Vergangenheit den Aspekt Romantik etwas überbetont: „Nur weil du ein guter Spieler warst, musst du nicht zwangsläufig auf anderen Gebieten gut sein.“ Um gleich noch ein Zitat aus der Abteilung Klartext anzuhängen: „Ich persönlich glaube, momentan braucht der Verein auf der Trainerbank eher ein – Entschuldigung! – ‚Arschloch‘!“
Im Gegensatz zu Klartext-Eric traut sich das Pärchen, das die unweit des Stadions samt Freundeskreis noch einen kleinen Bierstand-Stopp eingelegt hat, keine Analyse zu. Aus Nürnberg kommen die beiden – so weit, so ungewöhnlich! Der Trip ins schwarzgelbe Herz, stellt sich heraus, ist ihr erster: Aus Neugier, und weil ein Onkel aus Dortmund ihnen Tickets und Schals organisiert hat. Der Onkel ist es dann auch letztlich, der mit einer eigenen Einschätzung nicht zögert: Für ihn hat Schwarzgelb aktuell zum einen auf dem Rasen ein Mentalitätsproblem und präsentiert sich zum anderen auf Verwaltungsebene – Stichwort Transfermarkt – alles andere als souverän.
Wie gesagt: Die Fan-Seele leidet. Aber leise tut sie es nicht bzw. nicht mehr, denn das wäre nicht der BVB.
















