Wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne. Was den geplanten Neubau der „Jungen Bühne“ in Dortmunds City betrifft, werden das ohne Frage so einige sein, und so luden Kommune und Stadttheater die Gewerbetreibenden des Umkreises am 20. November zu einer Infoveranstaltung an den Platz der alten Synagoge ein.
Hier gab es für die Anwesenden nicht nur einen Abriss dessen, „was bisher geschah“ – also den Genehmigungsprozess, den Architekturwettbewerb und die Modifikationen des siegreichen Entwurfs –, sondern vor allem detaillierte Auskunft darüber, womit die Öffentlichkeit rings um Dortmunds Städtische Bühnen ab dem Januar zu rechnen hat.
Deutlich spürbar war dabei in jeder Phase der Stolz der Beteiligten auf das, was am Hiltropwall in Kürze entstehen wird. Aus durchaus nachvollziehbarem Grunde: Ein solch sorgfältig konzipiertes Kinder- und Jugendtheater mit allen Kunstformen an einem Platz dürfte es, wie Theaterdirektor Tobias Ehinger andeutete, wohl wirklich weithin kein zweites Mal geben. 2018 vom Rat beschlossen, war 2022 der siegreiche Bauentwurf erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Warum anschließend nochmal nachgefeilt wurde und welch überraschende Aspekte öffentliche Bauprojekte in ihre Planungen einbeziehen müssen, wusste Daniel Buess, bei den städt. Bühnen Leiter der Sparte „Bauprojekte, Recht und Vergaben“, anschaulich zu beschreiben: So verabschiedete man sich bei der Stadt von der ursprünglichen Idee einer zwar optisch ansprechenden Glasfassade auch, weil es wohl insbesondere im Sommer zu herausfordernd geworden wäre, die Innentemperaturen in den Griff zu bekommen. Außerdem unterscheiden sich Bühnenhäuser in einem wesentlichen Punkt von den meisten anderen: Tageslichteinfall gilt es zu begrenzen. Der finalisierte Entwurf sieht nun also eine Front aus „patiniertem Kupfer“ vor, mit der sich der Neubau der „Jungen Bühne“ optisch am Opernhaus orientieren wird. Bei Nachhaltigkeitskriterien, unterstrich Daniel Buess, bewege man sich so sehr über dem Soll, dass man versuchen werde, entsprechende Fördergelder aus zu akquirieren. Gleiches gilt für die vorgesehene Barrierefreiheit: Ein Audiodiskriptionssystem für Gäste mit Sehbehinderung ist ebenso wie sechs Rollstuhl-Plätze fest eingeplant.
Eine verblüffende Ursache hat die geplante terrassenartige Bauweise des neuen Hauses, bei dem die oberen Stockwerke quasi ein Stück weit in Richtung Wall verschoben sind: So konnte man der Auflage des Denkmalschutzes, die Sichtachse vom Wall auf das Gesundheitshaus müsse unverändert bestehen bleiben, mit einem kleinen architektonischen Trick Genüge tun. Neben Fragen des Denkmalschutzes galt es naturgemäß auch Brandschutzfragen zu klären, außerdem behielt man Nachhaltigkeitsaspekte ebenso im Blick wie größtmögliche Barrierefreiheit. Und dann gibt’s da, tatsächlich als eigenständigen Posten, natürlich noch den „Rutschenplaner“ – ein Begriff, der genau das bedeutet, wonach er klingt. Hatte sich die Stadt doch in der Planungsphase auch bei den künftigen Nutzern, nämlich Dortmunds Nachwuchs, nach deren Gestaltungsideen erkundigt. Diese waren zumeist erfreulich konkret und beinhalteten für das immerhin drei Etagen hohe Foyer den Wunsch nach einer spektakulären Riesenrutsche. Die, soviel steht fest, wird’s jetzt tatsächlich geben, von echten Experten entwickelt werden und dazu beitragen, dass das komplette Haus als Ort mit Freizeitqualität wahrgenommen wird.
Welches sind also die anfangs erwähnten „Späne“? Zum einen, ganz buchstäblich, mehrere Bäume, die zwischen Neubau und Wall den Arbeiten zum Opfer fallen werden. Drei Platanen etwa haben nicht nur sehr große Baumkronen, sondern würden mit ihrem Wurzelwerk mittelfristig zudem ein Risiko für die zu installierende Sprinkleranlage darstellen. Auch sechs deutlich kleinere Kastanien am Straßenrand werden gefällt werden müssen, um u. a. Platz für Baufahrzeuge zu schaffen. Daniel Buess hob hervor, Ersatzpflanzungen seien fest vorgesehen, und nach Möglichkeit werde man das Platanenholz selbst verwenden und im Eingangsbereich verbauen.
Verkehrstechnisch verlangt der Bau der „Jungen Bühne“ zwar nicht durchgehend, aber über geraume Zeiträume den Dortmunder*innen ein bisschen was ab: So kann der Verkehr ab Januar 2026 zwar auf dem Wall trotz der unmittelbar angrenzend entstehenden zehn Meter tiefen Baugrube ungehindert weiterlaufen, die Hövelstraße allerdings wird aufgrund von Leitungsarbeiten bis zur Kuhstraße für etwa zwölf Wochen gesperrt, zum Parkhaus der Thier-Galerie sowie dem Prizeotel führt dann eine Umleitung über Hansa- und Kuhstraße.
Voraussichtlich im April 2026 ändert sich die Verkehrsführung noch einmal, die Verlegung von Fernwärmeleitungen macht dann eine längerfristige Vollsperrung der Kuhstraße zwischen Hövelstraße und Eisenmarkt nötig. Die Hövelstraße soll in den vorhergehenden Wochen zunächst für den abfließenden Verkehr, ab April dann komplett wieder freigegeben werden. Der Baustart des Gebäudes ist für Mitte des nächsten Jahres vorgesehen und soll bis 2030 abgeschlossen sein. Mit seinem Appell, die installierten zeitlichen Leitplanken nicht zu ernst zu nehmen, provozierte der Leiter der städt. Immobilienwirtschaft, Andreas Große-Holz, im Plenum sanften Spott. Was er damit meinte, war indes klar: Bei einem Großprojekt wie der „Jungen Bühne“ addieren sich zu den Unwägbarkeiten noch mögliche archäologische Funde, nicht bzw. fehlerhaft kartierte Verläufe von Leitungen, etwaige Blindgänger usw.: Einen Termin mit Brief und Siegel herauszugeben werden sich die zuständigen Stellen insofern hüten. Rund ein halbes Jahr zeitlicher Mehrbedarf als ursprünglich ins Auge gefasst komme zustande, weil man die Baustelle so eng wie möglich gefasst und Auswirkungen auf den Wallbereich so weitestgehend vermieden habe, erläuterte Große-Holz. Ganz ohne Schrammen wird’s aber wohl auch dort nicht laufen: Ein Stromverteilungsmasten etwa wird irgendwann vom Baustellenbereich auf die Mittelinsel des Hiltropwalls verlegt werden müssen, Verkehrseinschränkungen inklusive.
Innerhalb des Theaters werden spätestens ab dem 1. April des nächsten Jahres die Karten gänzlich neu gemischt, ist doch dann wegen wegfallender Fluchtwege am Platz kein Spielbetrieb mehr möglich. Das Schauspielhaus geht in der Folge quasi auf Wanderschaft und wird zunächst das Salzlager auf der Kokerei Hansa, ab 2027 dann das ehemalige C & A-Gebäude am Ostenhellweg bespielen.
Sind dann eines schönen Tages alle Pläne in die Tat umgesetzt, kann Dortmunds City ihren Besucher*innen eine regelrechte „Kulturinsel“ anbieten. „Ein starkes architektonisches und kulturelles Signal für die Zukunft“, ist auch Tobias Ehinger sich sicher.
Bis das erstrahlt, müssen allerdings noch einige Späne fliegen.

















