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Nach Jahrtausenden unter der Wiese: Archäologie-Team entdecket bedeutende Siedlungsstelle auf Uni-Gelände

von Wir in Dortmund (SK)
vor 4 Wochen
in Dortmund, CityWest, Hombruch
Lesezeit: 4 Minuten
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(v. l.) Jan Rosbeck (Stadtarchäologe), Rebecca Mehmen (Fachstudentin RUB Bochum) und Martha zur-Schaepers (Grabungsleitung) zeigen einen ausgegrabenen Pferdekopf.
(© Stadt Dortmund / Roland Gorecki)

(v. l.) Jan Rosbeck (Stadtarchäologe), Rebecca Mehmen (Fachstudentin RUB Bochum) und Martha zur-Schaepers (Grabungsleitung) zeigen einen ausgegrabenen Pferdekopf. (© Stadt Dortmund / Roland Gorecki)

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Auf einer Wiese an der Emil-Figge-Straße an der Technischen Universität Dortmund haben Ausgrabungen die Spuren einer alten Siedlung zutage gebracht. An dieser Stelle soll eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage entstehen, die demnächst Strom für die Universität produziert.

 

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Nach Jahrtausenden unter der Wiese: Archäologie-Team entdecket bedeutende Siedlungsstelle auf Uni-Gelände
Nach Jahrtausenden unter der Wiese: Archäologie-Team entdecket bedeutende Siedlungsstelle auf Uni-Gelände
Nach Jahrtausenden unter der Wiese: Archäologie-Team entdecket bedeutende Siedlungsstelle auf Uni-Gelände
Nach Jahrtausenden unter der Wiese: Archäologie-Team entdecket bedeutende Siedlungsstelle auf Uni-Gelände
Nach Jahrtausenden unter der Wiese: Archäologie-Team entdecket bedeutende Siedlungsstelle auf Uni-Gelände

Die Voruntersuchungen für die Arbeiten auf der Wiese begannen Anfang des Jahres und waren Teil einer Auflage der Stadt Dortmund. In den vergangenen 50 Jahren hatte es bereits verschiedene Einzelfunde in der Nähe gegeben, darunter Steinwerkzeuge und Keramikfunde aus dem Neolithikum, der Eisenzeit, der römischen Kaiserzeit und dem Mittelalter. Die Archäolog*innen schlossen daher auf eine hohe und langfristige Nutzung des Areals als Siedlungsgebiet.

Mit sogenannten Suchschnitten wurden mit dem Bagger systematisch Grabungsschnitte angelegt. Diese Methode ermöglicht es Archäologen, zu beurteilen, ob Bodendenkmäler vorhanden sind. Außerdem gewinnen sie so einen Überblick über die Größe einer möglichen Fundstelle, die Befundkonzentrationen und die Schichtabfolge im Boden. Schon bei den ersten Suchschnitten wurde das archäologische Team der beauftragten Grabungsfirma EggensteinExca fündig, so dass die Untersuchungsfläche erweitert wurde.

Archäologisch bedeutsame Strukturen ans Licht gebracht
Bei den Ausgrabungen, die nach den Suchschnitten angestoßen wurden, kamen mehrere archäologisch bedeutsame Strukturen zum Vorschein: Zum einen typische Siedlungsbefunde, zum Beispiel kleine Grabenstrukturen oder Pfostenüberreste, die auf Gebäudegrundrisse schließen lassen. Das bisherige Highlight ist jedoch der Fund eines Grubenhauses. Grubenhäuser sind eingetiefte Gebäude, deren Grundrisse sich durch eine deutliche Verfärbung im Boden abzeichnen. Sie stehen vor allem für handwerkliche Tätigkeiten und können wichtige Informationen über Siedlungsstruktur, Wirtschaftsweise und zeitliche Einordnung liefern.

Die geborgenen Keramikscherben stuft das archäologische Team zunächst nur grob als vorgeschichtlich ein. Die Scherben weisen keine charakteristischen Formen, Verzierungen oder Macharten auf. Das macht eine klare Zuweisung zu einer bestimmten Epoche schwierig. Diese Art Keramik wurde oft über mehrere Jahrhunderte hinweg nach ähnlichen Herstellungstechniken gefertigt. Licht ins Dunkel könnten Holzkohlefragmente aus archäologischen Befunden bringen, da diese mittels Radiokarbon-Datierung (14C) eine präzisere zeitliche Einordnung ermöglichen.

Eine besondere Entdeckung machten die Archäolog*innen vor Ort in Form eines fast kompletten Skeletts eines Tieres – vermutlich ein Pferd oder ein Esel. Aufgrund der guten Knochenerhaltung wird von einem eher jüngeren Datum ausgegangen. Genauere Untersuchungen sollen noch Gewissheit liefern.

Ein Standort mit langer Besiedlungsgeschichte
Das Areal an der Emil-Figge-Straße zeugt davon, dass es dort über eine lange Zeit kontinuierlich ausgedehnte Siedlungen gab. Neben den aktuellen Befunden sind aus der unmittelbaren Umgebung weitere archäologische Funde bekannt, die von einer intensiven Nutzung dieses Raumes über Jahrtausende hinweg zeugen. Lesefunde und verschiedene in den letzten Jahrzehnten festgestellte Befunde zeigen ein Spektrum von der Jungsteinzeit über die Eisenzeit bis hin zur römischen Kaiserzeit und dem Mittelalter. Bislang waren diese Funde jedoch eher isolierte Schlaglichter der Geschichte. Mit der jetzt erfassten Siedlungsstelle erhalten die Fachleute erstmals einen größeren zusammenhängenden Ausschnitt aus dieser Siedlungskammer und damit eine Gelegenheit, die Kontinuität der Besiedlung an diesem Ort besser untersuchen zu können.

Standortfaktoren einer vorgeschichtlichen Siedlung
Das Gelände an der Emil-Figge-Straße bot Menschen der Vorgeschichte ideale Bedingungen für eine dauerhafte Besiedlung. „Der Standort war gerade dazu prädestiniert, um sich hier niederzulassen“, erklärt Jan Rosbeck von der Unteren Denkmalbehörde. „Zum einen verfügt die Fläche über äußerst fruchtbare Lössböden, wie sie überall am Nordhang des Dortmunder Rückens beziehungsweise hier an den Stockumer Höhen vorzufinden sind. Dies lieferte den Siedlern ideale Bedingungen für Ackerbau und Viehzucht. Zum anderen liegt das Areal in unmittelbarer Nähe zu Quellen und wasserstauenden Schichten, die für eine vorgeschichtliche Siedlung von essenzieller Bedeutung waren.“

Hinzu kommt die Lage an der seit Jahrtausenden existierenden West-Ost-Handelsroute, dem Hellweg. Diese Route verläuft entlang der fruchtbaren Lössböden der Hellwegzone, einem Bereich, der bereits in der Jungsteinzeit landwirtschaftlich genutzt wurde. Es ist davon auszugehen, dass in dieser dichtbesiedelten Zone erste Handelswege entstanden, die sich im weiteren Verlauf zum historischen Hellweg entwickelten. Die A40 folgt heute weitgehend dem Verlauf dieses alten Handelsweges.

Unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen Behörde, Bauherr und Grabungsfirma
Die Untere Denkmalbehörde der Stadt Dortmund unterstreicht die gute Zusammenarbeit mit der Grabungsfirma EggensteinExca und mit der Technischen Universität Dortmund. Nur durch das enge Zusammenspiel von Bauherrin, Fachfirma und Behörde konnten die Befunde fachgerecht dokumentiert und gesichert werden, ohne dass sich dadurch der Baubeginn verzögerte. Wie Stadtarchäologe Tobias Zacharias betont, ist die frühzeitige Abstimmung zwischen Bauherrn und der Unteren Denkmalbehörde besonders wichtig: „Voruntersuchungen sind oft der einzige Weg, um vorgeschichtliche Siedlungen für die Nachwelt zu sichern. Umso wichtiger ist es, dass Bauherrn und Denkmalbehörde frühzeitig miteinander ins Gespräch kommen. Das schafft Planungssicherheit für alle Beteiligten und ermöglicht uns, archäologische Funde sachgerecht zu dokumentieren.”

Neue Freiflächen-PV-Anlage liefert künftig Strom für TU Dortmund
Nach dem Abschluss der Ausgrabungen können die Arbeiten für die Photovoltaikanlage der TU Dortmund weitergehen. Die Anlage soll rund 5 Prozent des Eigenbedarfs an Strom decken. Auf der 14.000 Quadratmeter großen Freifläche werden rund 3.650 Solarmodule errichtet. Die Anlage wird eine Leistung von rund 1,60 MWp (Megawatt-Peak) haben. Gemäß einer Machbarkeitsstudie werden sich die Kosten für die Anlage in weniger als sechs Jahren amortisieren. Mit der PV-Anlage leistet die TU Dortmund einen Beitrag zur Energiewende. Die Universität treibt zudem den Ausbau von PV-Anlagen auf geeigneten Dächern der Hochschulgebäude voran, installiert derzeit eine Holzpellet-Anlage und plant weiterhin eine Windkraftanlage.

Wissenschaftliche Aufbereitung schließt eine Forschungslücke
Mit den Ausgrabungen vor Ort sind die archäologischen Untersuchungen noch nicht abgeschlossen. Die wissenschaftliche Aufarbeitung des Fundmaterials könnte genaueren Aufschluss darüber geben, welche wirtschaftlichen oder handwerklichen Aktivitäten an diesem Ort stattgefunden haben und wie die Siedlungsstruktur ausgesehen haben könnte. Denn bislang waren menschliche Aktivitäten in diesem Bereich lediglich durch isolierte Funde und Befunde belegt.

Mit der nun erstmals im Zusammenhang erfassten Siedlungsstelle gelingt es, einen geschlossenen Ausschnitt dieser Mikroregion innerhalb der Hellwegzone zu rekonstruieren. Die Befunde bilden damit einen herausragenden Erstnachweis für vorgeschichtliche Siedlung an diesem Standort und schließen eine Forschungslücke zu Siedlungsplätzen in der Hellwegzone. Die neuen Erkenntnisse tragen wesentlich zum Verständnis der vor- und frühgeschichtlichen Besiedlung entlang des Hellwegs bei. Der Fall zeigt zudem, wie die Arbeit der Unteren Denkmalbehörde es ermöglicht, Bauprojekte umzusetzen und gleichzeitig das kulturelle Erbe zu schützen und zu sichern.

 

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