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Home Dortmund

Nea Schmidt wird Stadtbeschreiberin 2027: Literarisch nach den Spuren des Bergbaus graben

von Wir in Dortmund (SK)
vor 4 Wochen
in Dortmund
Lesezeit: 3 Minuten
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Nea Schmidt willDortmund als neue Stadtbeschreiberin erkunden.
(© Nea Schmidt)

Nea Schmidt willDortmund als neue Stadtbeschreiberin erkunden. (© Nea Schmidt)

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Ab Mai 2027 erkundet Nea Schmidt Dortmund als neue Stadtbeschreiberin. Die Autorin will sich literarisch mit Bergbau, Transformation und den Spuren der Vergangenheit und ihrer Familiengeschichte beschäftigen – und fragen, wie Geschichte bis heute nachwirkt.

Wenn Nea Schmidt im Mai 2027 ihr halbes Jahr als Stadtbeschreiberin in Dortmund beginnt, bringt die gebürtige Leipzigerin eine besondere Perspektive mit: Sie will tief in die Geschichte der Stadt eintauchen und zugleich untersuchen, was davon in der Gegenwart weiterwirkt. Im Zentrum steht der Bergbau – als Geschichte von Arbeit und Ausbeutung, von Natur und Menschen, aber auch als Teil ihrer eigenen Familiengeschichte.

Jury überzeugte die Tiefe der Auseinandersetzung mit Bergbau
„Durch ihre tiefe Auseinandersetzung mit Dortmund in der Transformation und als Ort in verschiedenen Zeitebenen will sie sich essayistisch der Mine, dem Bergbau nähern und literarisch nach Vergangenem graben“, begründet die Jury ihre Entscheidung. Sie überzeugte insbesondere der Ansatz, „wie die Geschichte der Stadt ihre Gegenwart mitschreibt“. Schmidt interessiert sich dabei für das, was erzählt wurde – und für das, was fehlt. Sie möchte „dem Unerzählten nachgehen, Leerräume erforschen und so Brücken zwischen den Zeiten schlagen“, heißt es in der Jurybegründung. Dabei richtet sie den Blick auch auf die verschiedenen Formen von Ausbeutung: auf die Natur ebenso wie auf die Arbeiter*innen. Die Jury hebt besonders die Verbindung von Inhalt und Form hervor: „In Nea Schmidts Texten finden Inhalt und Form filigran, fast zärtlich, zusammen.“

Persönliche Spurensuche trifft Stadtgesellschaft
Der Zugang zum Bergbau ist für die Autorin nicht nur ein literarisches Thema. Die Familie ihres Vaters stammt aus dem Ruhrgebiet, Groß- und Urgroßvater arbeiteten im Bergbau. Diese familiäre Verbindung ist ein Ausgangspunkt für ihre Recherche, zugleich will Schmidt über die eigene Geschichte hinausgehen. Sie sucht den Austausch mit Dortmunder*innen, Autor*innen und Kulturschaffenden. „Ich freue mich sehr auf die Zeit in Dortmund und über die Gelegenheit, dort zu schreiben, mit der Stadt und ihren Bewohner*innen zu interagieren und durch den Austausch hoffentlich etwas zur (Zugänglichkeit der) Literaturszene beitragen zu können“, sagt Nea Schmidt.

Übergabe im Mai 2027 – Lesung schon im Oktober
Noch bis Oktober 2026 ist Clara Cosima Wolff als Stadtbeschreiberin in Dortmund aktiv. Ihre Nachfolgerin Nea Schmidt kommt im Mai 2027 und wird dann für sechs Monate in Dortmund leben und schreiben. Das Stipendium der Stadt Dortmund gibt Autor*innen seit 2020 Raum, sich literarisch mit den Veränderungen der Stadt auseinanderzusetzen und mit der Stadtgesellschaft sowie der regionalen Literaturszene ins Gespräch zu kommen.

Eine erste Begegnung mit Nea Schmidt gibt es allerdings schon früher: Am 1. Oktober 2026 liest sie auf Einladung der aktuellen Stadtbeschreiberin Clara Cosima Wolff um 19:30 Uhr im Literaturhaus Dortmund, Neuer Graben 78. Dort stellt sie ihre Texte vor – zusammen mit Liv Thastum und Clara Cosima Wolf. Weitere Informationen auf den Seiten des Literaturhaus Dortmund.

Hintergrund zu Nea Schmidt: Von Lyrik bis Essay und Hörspiel
Nea Schmidt wurde 1995 in Leipzig geboren und absolvierte zunächst ein Studium Individuale an der Leuphana Universität Lüneburg, anschließend studierte sie Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2026 schloss sie ihr Masterstudium „Sprachkunst“ an der Universität für angewandte Kunst in Wien ab. Schreibaufenthalte führten sie unter anderem nach Jerusalem, New York und Augsburg; 2026 arbeitet sie außerdem am Literarischen Colloquium Berlin und im Künstlerhaus Edenkoben. Im November 2025 gewann Schmidt den Hauptpreis des 33. Open Mike in der Kategorie Lyrik. Ihr Lyrikdebüt „Sprechen in Flechten“ erschien im März 2026 bei kookbooks. Weitere Veröffentlichungen folgen: Der Essayband „Von den Sinnen“ erscheint voraussichtlich im Oktober 2026 im März Verlag, der erste Zyklus des Hybridtexts „Teig“ voraussichtlich 2027.

Schmidt arbeitet zudem als Übersetzerin und Hörspielautorin und ist Teil des Lyrikkollektivs „fährten“. Ihre Texte wurden unter anderem in den Literaturzeitschriften Edit, Manuskripte, Literatur und Kritik und Perspektive veröffentlicht.

Hintergrund des Stadtbeschreiber*innen-Stipendiums
Das Stadtbeschreiber*innen-Stipendium der Stadt Dortmund gibt es seit 2020. Für jeweils sechs Monate lädt es Autor*innen ein, Dortmund als literarischen Ort zu entdecken und die Veränderungen der Stadt zu begleiten. Im Mittelpunkt stehen Transformationsprozesse, neue Formen des urbanen Lebens sowie gesellschaftliche und kulturelle Umbrüche. Die Stipendiat*innen leben und arbeiten in Dortmund, suchen den Austausch mit der Stadtgesellschaft und der regionalen Literaturszene und entwickeln daraus eigene literarische Arbeiten. Das Stipendium wird vom Kulturbüro Dortmund in Kooperation mit dem Literaturhaus Dortmund organisiert.

dortmund.de/stadtbeschreiber

 

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