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Home Dortmund

Steinzeit-Bauern siedelten vor 7000 Jahren am Dortmunder Flughafen

Archäologische Grabungen in Holzwickede

von Wir in Dortmund (SK)
vor 10 Monaten
in Dortmund
Lesezeit: 3 Minuten
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Luftbild der Grabungsfläche, Blick nach Norden. Oben sind die B1 und der Flughafen Dortmund zu sehen. Unten im Bild sind die Pfostengrundrisse der jungsteinzeitlichen Häuser zu erkennen.
(Foto: LQ Archäologie/C. Bariszlovich)

Luftbild der Grabungsfläche, Blick nach Norden. Oben sind die B1 und der Flughafen Dortmund zu sehen. Unten im Bild sind die Pfostengrundrisse der jungsteinzeitlichen Häuser zu erkennen. (Foto: LQ Archäologie/C. Bariszlovich)

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Seit über einem Jahr hat ein Archäologie-Team, begleitet vom  Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), die mehrere Hektar große Baufläche bei Holzwickede untersucht, auf der zukünftig der Gewerbepark Eco Port Süd am Dortmunder Flughafen stehen soll. Inzwischen ist klar: Vor fast 7.000 Jahren siedelten hier steinzeitliche Bauern.

In zwei Bereichen der großen Ausgrabungsfläche hat das Grabungsteam unter Leitung von Philipp Bockelbrink Hausgrundrisse einer frühen Bauerngesellschaft freigelegt:

“Im Norden konnten wir einen bereits bei der Voruntersuchung erkannten Grundriss weiter vervollständigen, und im Süden kamen in recht gleichmäßigen Abständen Reste von mindestens vier, vielleicht fünf weiteren Gebäuden zu Tage”, so der Archäologe. Möglicherweise, so schätzen die Fachleute, sind hier zwei räumlich getrennte Besiedlungsepisoden aus der Zeit vor fast 7.000 Jahren im Boden überliefert worden.

 

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Steinzeit-Bauern siedelten vor 7000 Jahren am Dortmunder Flughafen
Steinzeit-Bauern siedelten vor 7000 Jahren am Dortmunder Flughafen
Steinzeit-Bauern siedelten vor 7000 Jahren am Dortmunder Flughafen
Steinzeit-Bauern siedelten vor 7000 Jahren am Dortmunder Flughafen
Steinzeit-Bauern siedelten vor 7000 Jahren am Dortmunder Flughafen
Steinzeit-Bauern siedelten vor 7000 Jahren am Dortmunder Flughafen
Steinzeit-Bauern siedelten vor 7000 Jahren am Dortmunder Flughafen

Die Voruntersuchungen südlich der B1 erbrachten schon 2024 urgeschichtliche Befunde, daher hatte die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Unna bereits mit Ausgrabungen gerechnet. Dr. Petra Bergmann: “Nach spannenden Einblicken in die Vergangenheit freuen wir uns, dass nun die Fläche vom LWL für eine Bebauung freigegeben wurde. Mit dem Start der Erschließung des ECO PORT Süd schaffen wir die Grundlage für hochwertige Gewerbeflächen in einer Toplage.” Jetzt ist die Grabung abgeschlossen.

Rössener Kultur der Jungsteinzeit – am Hellweg bekannt
“Die Häuser sind typisch für das sogenannte Mittelneolithikum, also die mittlere Jungsteinzeit. Die Gebäudeart ist vor allem der Rössener Kultur zuzuordnen, die um 4.700 v. Chr. auch in Westfalen auf den ertragreichen Lössböden weit verbreitet war,” erklärt Prof. Dr. Michael Baales, Leiter der LWL-Archäologie für Westfalen in Olpe.

Die Rössener Kultur ist benannt nach einem Ortsteil von Leuna in Sachsen-Anhalt und war in Mitteleuropa die zweite weiträumig überlieferte jungsteinzeitliche Kulturgruppe, so der Experte für prähistorische Archäologie. Siedlungen der Rössener Kultur sind in Westfalen vor allem am Hellweg, also zwischen Sauerland und südlich der Ruhr, zu finden.

Bereits vor einigen Jahren sind bei Soest und Dortmund mehrere Siedlungsstellen mit Hausgrundrissen dieser Zeit entdeckt worden. Außerdem wurde in den 1950ern bei Bochum-Gerthe ein Hausgrundriss von 65 Metern Länge dokumentiert. Der Grundriss ist damit Überbleibsel einer der größten bekannten Holzbauten der Urgeschichte überhaupt.

“Da ist der weitgehend vollständige Grundriss aus Holzwickede mit knapp 30 Metern geradezu klein. In diesen Häusern lebten Mensch und Tier zumindest zeitweise in einer Hausgemeinschaft zusammen, und unter dem Dach lagerte das Getreide”, ordnet Baales ein.

Die Fachleute konnten im Boden nur noch die Gruben für die großen Holzpfosten der leicht gebogenen Seitenwände und weitere Gruben für kurze Pfostenreihen erkennen, die ebenfalls das Dach und einen Zwischenboden trugen. “Auf der geneigten Fläche, die von der B1 in Richtung der Emscher deutlich abfällt, hat der Bodenabtrag über viele Jahrhunderte nur diese tiefreichenden Pfostengruben überliefert”, erklärt Baales.

An derartigen Fundplätzen sind grundsätzlich viele größere Gruben zu erwarten, die mit reichlich Fundmaterial verfüllt sind. “Wir haben aber kaum Funde wie Keramikscherben, die wir dieser ersten Siedlungsphase auf der Grabungsfläche zuweisen können”, so Grabungsleiter Bockelbrink. Wurde die Siedlung schnell wieder aufgegeben? Allerdings überschneidet im Süden ein großer Grundriss die Reste eines älteren. Im Moment ist die Situation für die Archäologinnen und Archäologen noch rätselhaft.

Funde aus einer anderen Zeit
Neben den jungsteinzeitlichen Siedlungsresten haben auf der untersuchten Fläche auch mehrere kleine Pfostengrundrisse überdauert, die für das geschulte Auge typisch sind für Speicherbauten der Eisenzeit. Demnach haben hier wenige Jahrhunderte vor der Zeitenwende wieder Menschen gesiedelt. Davon zeugen Scherben von Keramikgefäßen, die das Team eindeutig zeitlich einordnen kann.

“Diese Grabung unterstreicht, wie lange am Hellweg bäuerliche Gesellschaften gesiedelt und ihre Spuren hinterlassen haben”, resümiert Baales. “Es ist wichtig, dass sich bei Bauvorhaben alle der Verantwortung um dieses kulturelle Erbe im Boden bewusst sind und an einem Strang ziehen, um diese Spuren für die Nachwelt zu sichern.”

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