Selbst im über 60-jährigen Frank Mill meinte man noch ohne weiteres den Straßenfußballer von einst erkennen zu können, den gerissenen Bolzplatz-Kicker, der sich um seine Gegenspieler herumtrickste. Ein Modellathlet war der Stürmer bekanntlich nie gewesen, und auch seine Laufbereitschaft bewegte sich mitunter in übersichtlichen Grenzen. Stattdessen griff bei Mill, aus tiefster Überzeugung und schon in jungen Jahren angeeignet, das „Prinzip Schlitzohr“, welches er wie kaum ein anderer zum Markenzeichen verfeinerte. Zu seinen besten Zeiten dürfte der gebürtige Essener damit bei seinen Gegenspielern eine echte Reizfigur gewesen sein, mussten die sich doch nicht nur mit Fränkies spielerischen, sondern auch mit seinen verbalen Finten auseinandersetzen. Kurz, bevor der Ball in den Strafraum flog, ließ man sich als Abwehrspieler allerdings vom berüchtigten Trash-Talk des Stürmers besser nicht aus der Ruhe bringen.
Als authentischer Typ mit Ecken und Kanten hatte Mill während seiner Karriere bei all seinen Arbeitgebern von RW Essen über Borussia Mönchengladbach bis hin zum BVB die Fans hinter sich. Im Herzen des Stürmers wiederum spielte nach dessen Karriereende 1996 – wie er auch Anfang 2024 im Gespräch mit unserer Redaktion noch einmal unterstrich – die Dortmunder Borussia immer die sportliche Hauptrolle: Ein Faktum, das auch in Mills Engagement für die Traditionself seinen Ausdruck fand.
Apropos BVB: Eine seiner allerbesten Leistungen (nicht nur) im schwarzgelben Dress hob Fränkie sich für das Pokalfinale 1989 auf. Zwar wurde der inoffizielle Titel des „Helden von Berlin“ anschließend seinem Sturmpartner verliehen, doch auch Mills Anteil an diesem ersten Titelgewinn der Borussia nach mehr als zwei Jahrzehnten Durststrecke war immens.
Ob Max Merkel über ihn denn nun wirklich einmal gesagt hat „Der geht nach dir in eine Drehtür und kommt vor dir ‘raus“, verliert sich im Dunkeln. Im Falle des Falles aber hätte der einstige österreichische Kultcoach damit den Nagel perfekt auf den Kopf getroffen.
Am 5. August nun ist der Instinktfußballer, die Pokallegende, das Schlitzohr, der Weltmeister (!) Frank Mill mit nur 67 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Den Beileidsbekundungen des BVB, etlicher Journalisten und zahlreicher schwarzgelber Anhänger*innen schließt sich auch unsere Redaktion an.

















