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Home Dortmund

Von einer drachenreitenden Organistin oder der “Taylor Swift der klassischen Musik”

von Wir in Dortmund (PS)
vor 2 Jahren
in Dortmund, Kunst & Kultur
Lesezeit: 3 Minuten
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Anna Lapwood nahm das Publikum mit in die Bildwelten, die sich ihr beim Spielen eröffnen. (Fotos: Wir in Dortmund)

Anna Lapwood nahm das Publikum mit in die Bildwelten, die sich ihr beim Spielen eröffnen. (Fotos: Wir in Dortmund)

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Gegen 19 Uhr ging am Sonntag in der Reinoldikirche die Sonne auf. Mit ihrer ersten Bearbeitung eines Musikstückes für die Orgel ließ Organistin Anna Lapwood nach einer Zeit der Dämmerung den Sonntagmorgen heraufziehen, das Meer mit dem Publikum ein- und ausatmen, wie sie selbst sagte. Mit “Moonlight” und “Storm” machte sie die “Four Sea Interludes” aus der Oper “Peter Grimes” von Benjamin Britten perfekt und startete damit die Dortmunder Beteiligung am Orgelfestival Ruhr 2024.

Andrang weiter über die Erwartungen hinaus
Insgesamt rund 1.000 Menschen waren im vergangenen Jahr in die Kirchen des Ruhrgebiets geströmt, um den 13 Konzerten des Festivals zu lauschen. Nun brach Anna Lapwood einen Rekord, indem sie allein für ihren Auftritt 500 Zuhörende in die Reinoldikirche lockte. Auf etwa 120 Menschen hatte Kantor Christian Drengk die Musikerin eingestimmt, begeistert ob dieser hohen Zahl, wie Lapwood dem mehr als viermal so großen Publikum erzählte.

Tatsächlich hatte sich bereits eine halbe Stunde vor Beginn eine Schlange bis vor das Kinderkarussell am Ostenhellweg gebildet, sodass der Einlass das Konzert um eine Viertelstunde verzögerte. Doch Kantor Drengk bat die bereits Sitzenden um Verständnis, dass man alle Interessierten an diesem Abend teilhaben lassen wolle, und schließlich, nach schnellem Stühleaufstellen hinter den vollbesetzten Bankreihen, konnten alle Lapwood-Fans und solche, die es an diesem Abend werden sollten, im Kirchenraum Platz nehmen. “Die Künstlerin würde sagen: Finally”, vermutete Drengk.

Filmmusik von “Interstellar” bis “Drachenzähmen leicht gemacht”
Tatsächlich entschied sich Lapwood nach einer Begrüßung auf Deutsch, die sie nach eigenen Angaben im Vorfeld mit sehr viel Mühe geübt hatte, ihr Publikum auf Englisch mitzunehmen in die tiefen Bildwelten, die sich ihr selbst jedes Mal erschließen, wenn sie die Stücke spielt, die sie für diesen Abend ausgesucht hatte. So ist es für die Musikerin die “amazing kind of ambiguity” zwischen Angst und Vorfreude vor dem Raketenstart in Christopher Nolans Spielfilm “Interstellar”, die “Cornfield Chase” von Hans Zimmer so spannend macht. Die Klänge begleiten ein Team aus Raumfahrenden in ihrer Gefühlswelt bis zum Start, an dem alles still wird – aber nur kurz, denn schon bald dürfen die Astronaut:innen die Erde von oben bewundern.

Den Anfang machte die Organistin jedoch mit einem Stück, von dem sie sich im Vorfeld unsicher war, ob sie es überhaupt ins Programm nehmen sollte. Doch beim Üben an der Mühleisen-Orgel fiel schon bald die Entscheidung, wie sie erzählt: “The moment I played it I was like: Oh, I have to play it here!” Und ja, einige Glockenklänge waren eingeplant gewesen, für ihr Spiel von “The Bells of Notre Dame”, doch “some of them just happened to go off at exactly the right time”, vom Turm der Reinoldikirche.

Dass Anna Lapwood ihr Konzert mit Filmmusik spickt – “The Bells of Notre Dame” stammt aus dem Disneyfilm “The Hunchback of Notre Dame” – entspricht ihrem Programm, mit dem sie in den vergangenen Jahren in den sozialen Medien bekannt geworden ist. So beendete die “Taylor Swift der klassischen Musik”, wie die Organistin gern genannt wird, diesen Abend mit einer Zugabe, einem “test drive” auf dem Drachen Ohnezahn aus dem DreamWorks-Film “Drachenzähmen leicht gemacht”. Zum ersten Mal spielte sie dieses Lied vor Publikum, flog zum ersten Mal mit Hicks durch einen Kirchenraum. Aber fliegen – das merkte deutlich, wer diesen Sonntagabend in der Reinoldikirche verbrachte – kann Anna Lapwood bereits.

 

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Von einer drachenreitenden Organistin oder der "Taylor Swift der klassischen Musik"
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5. Kantor Christian Drengk bat das Publikum um Geduld, bis alle Interessierten eingelassen waren.

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7. Für ihre deutschsprachige Begrüßung benötigte Anna Lapwood eine Gedankenstütze.

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Klassische Orgelmusik von “Litanies” bis “Ave Maria”
Ihre ersten Flugversuche machte die Musikerin bereits als Kind, am Klavier, als sie sich selbst beim Singen von “Litanies (JA 119)” aus vollem Hals begleitete. Auf das Singen verzichtete sie in der Reinoldikirche, aber auf Jehan Alains Orgelstück musste das Publikum dennoch nicht verzichten.

Schon früh in ihrem Leben flog die junge Musikerin mit der Harfe weiter durch die Musik und entdeckte dabei bereits die “Four Sea Interludes”, die sie als eines der klassischen Stücke mit nach Dortmund gebracht hatte. Es folgte die “Prélude et Fugue sur le nom d’Alain, op. 7”, Lapwoods “all time favourite piece of organ music”. Auch dem Schauplatz huldigte die Organistin mit der “Médiation sur le premier Prélude de J. S. Bach ‘Ave Maria'” in einer eigenen Bearbeitung.

Standing Ovations im gesamten Kirchenraum schließlich trugen Anna Lapwood hinaus, die – so plötzlich, wie es fliegenden Wesen eigen ist – mit einem Mal verschwunden war.


Das zweite Dortmunder Konzert im Rahmen des Orgelfestivals Ruhr 2024 findet am 11. August in der Reinoldikirche statt. Unter dem Titel “Sonne, Mond und Sterne” spielt Christian Drengk Werke von Senfter, Aubertin, Dallier, Reger und anderen.

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