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Home Dortmund

Wandeln vom Dunkel ins Licht

St. Reinoldi begann das neue Jahr mit einer "Stunde der Kirchenmusik"

von Wir in Dortmund (PS)
vor 2 Jahren
in Dortmund, Kunst & Kultur
Lesezeit: 3 Minuten
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Gemeinsam gestalteten (v. l.) Berndt Hufnagl, Christian Drengk und Daniel Hufnagl ein festliches Neujahrskonzert für Posaune, Orgel und Trompete. (Fotos: Wir in Dortmund)

Gemeinsam gestalteten (v. l.) Berndt Hufnagl, Christian Drengk und Daniel Hufnagl ein festliches Neujahrskonzert für Posaune, Orgel und Trompete. (Fotos: Wir in Dortmund)

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“Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.” Mit diesem Hesse-Zitat leitete Kantor Christian Drengk das “Festliche Neujahrskonzert” ein, das am Mittwoch in der Reihe “Stunde der Kirchenmusik” in St. Reinoldi stattfand: “Heute kommen Sie in den Genuss einer zauberhaften Perspektive”. Tatsächlich waren die Kirchenbänke auseinandergerückt worden, um dazwischen Stühle für das Publikum zu platzieren, das so freie Sicht auf die Orgel erhielt. Auf diese Weise in die Lage versetzt, die Orgel nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen, konnten die Menschen, die an diesem Mittwochabend in die Reinoldikirche gekommen waren, auch die Brüder Daniel und Berndt Hufnagl mit Augen und Ohren verfolgen, die für die Trompeten- und Posaunenmusik verantwortlich zeichneten und sich neben dem Organisten postiert hatten.

Zwischen hohen Bergen und tiefen Tälern
Schon die Auswahl der Instrumente verwies auf den “Glanz von Weihnachten”, der laut Drengk noch nicht ganz verglüht war und der sich auch von Seiten der Weihnachtsbäume – heute im Rücken der Zuhörenden – manifestierte. Zu dritt ließen Orgel, Trompete und Posaune auf Georg Friedrich Händel zurückgreifend die Königin von Saba förmlich das Kirchenschiff hinaufschreiten.

An diese Feierlichkeit knüpften Orgel und Posaune mit einer gewissen Schwere des Jahresendes nach Gottfried Finger an, aus der jedoch schon bald die Posaune hinaushüpfte, um in Zuversicht ein neues Jahr zu beginnen. Einander wechselseitig antwortend griffen beide Musiker die Themen der jeweils anderen Stimme auf, wiederholten sie und gaben ihnen ihre ganz eigene Farbe. Mit Fröhlichkeit und Kraft ging auch die Trompete ans Werk, als sie sich gemeinsam mit der Orgel John Stanleys “Trumpet Voluntary” widmete. Doch selbst die Trompete geht nicht immer nur obenauf, muss ebenfalls durch beschattete Täler, aus denen sie jedoch bald wieder mit vollem Elan emporsteigt. So war es die Auswahl der Stücke und ihre Reihenfolge, die eine Wanderung über Berge und durch Tiefen beschrieb, der Wanderer in beständiger Zwiesprache mit der Landschaft: ein Dialog zwischen Blechbläser und Orgel.

 

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Ein Spiel unter Geschwistern
Als die Orgel mit Johann Sebastians Bach Sinfonia aus dem Weihnachtsoratorium zum ersten Mal ohne Posaune oder Trompete antritt, geht sie in ein Wechselspiel mit ihrer kleinen Schwester, die sich in der Reinoldikirche im vorderen Teil des Kirchenschiffes befindet. So stand dem rauchigen Klang der kleinen die Klarheit der großen Orgel gegenüber und das Bild der Geschwister im gemeinsamen Spiel, bekannt durch das Brüderpaar an den Blechbläsern, wiederholte sich. Doch auch Trompete und Orgel spielten miteinander, als Heinrich Stölzels Concerto in D die Kirche erfüllte. Tatsächlich aber waren es eher die dunklen Töne, die die Lider im Publikum sich schließen ließen und zu denen vereinzelte Körper zurückhaltend mitwippten. Mit einem fröhlichen Gruß an das neue Jahr fuhren Posaune und Orgel mit einer Sonate in D-Dur von Johann Christian Pepusch fort, der sie jedoch erneut in tiefe Tiefen folgten, bevor sie ans Tageslicht emporhüpften.

Sein Finale fand das Konzert mit Bachs “Großer Herr, o starker König, Max Regers “Wie schön leuchtet der Morgenstern” und “Große Fantasie” von Jan Koetsier, die die gebündelte Kraft aller drei Instrumente durch das Kirchenschiff trugen. Die Zuhörenden jedoch hielten die Musiker mit ihrem Applaus auf dem Plateau vor der Orgel, sodass diese mit “Maria durch ein Dornwald ging” und einem “Andachts-Jodler” aus der Heimat der Hufnagls, der jeder erwarteten Banalität entbehrte, die eine Stunde rissen, die für die “Stunde der Kirchenmusik” vorgesehen war – dem weiteren Applaus zufolge sehr zur Freude des Publikums.

In der Reihe “Stunde der Kirchenmusik” sind für das laufende Halbjahr folgende weitere Konzerte geplant:

14.02., 18 Uhr: Musikalischer Aschermittwoch Einstimmige Musik von Meistern der Mehrstimmigkeit, Ludwig Frankmar, Barock-Cello
27.03., 18 Uhr: Der Kreuzweg Symphonische Dichtung von Marcel Dupré nach Texten von Paul Claudel, Harald Schweiger (Lesung), Jonathan Reimann (Ausdruckstanz), Christian Drengk (Orgel)
24.04., 18 Uhr: Highlights der klassischen Gitarrenliteratur Musik von Barrios, Bach, Albéniz, Carlos Navarro (Konzertgitarre)
15.05., 18 Uhr: “Sommerpsalm” Werke von Åhlén, de Klerk, Chilcott, Gjeilo u. a., Vokalensemble “Sei colori”
19.06., 18 Uhr: Orgel trifft Klavier außerdem Werke für Orgel zu vier Händen und vier Füßen, Annette und Christian Drengk (Orgel/Klavier)

 

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