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Home Gewinnspiele Anpfiff

Burghard Segler und der schwarzgelbe Wendepunkt

Vor 50 Jahren ließ der BVB endlich die Zweitklassigkeit wieder hinter sich

von Wir in Dortmund (LM)
vor 7 Monaten
in Anpfiff, Dortmund
Lesezeit: 5 Minuten
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Aus Dortmund zog er nie mehr weg. Burghard Segler, 50 Jahre nach dem Aufstiegscoup, im Garten seines Hauses.
(Foto: Wir in Dortmund)

Aus Dortmund zog er nie mehr weg. Burghard Segler, 50 Jahre nach dem Aufstiegscoup, im Garten seines Hauses. (Foto: Wir in Dortmund)

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Heutzutage ist vielleicht nicht mehr der Griff nach der Meisterschale, wohl aber die Champions-League das jährliche Maß der Dinge an der Strobelallee. Spitzenfußball in Dortmund: Offenbar Teil der serienmäßigen Ausstattung.

Das aber war bekanntermaßen nicht immer so, in den 1970ern hatte Schwarzgelb nach dem Abstieg gar den Weg durch die Fußball-Niederungen antreten müssen. Ziemlich genau vier Jahre dauerte es, bis die Borussia diesen Karriereknick korrigieren und ins Oberhaus zurückkehren konnte: Keineswegs im Hurra-Stil, sondern unter Aufbietung aller Kräfte. In diesem Jahr wird sich das schwarzgelbe Comeback zum 50. Mal jähren – Anlass genug also, um nochmal die Sichtweise eines direkt beteiligten einzuholen.

Burghard Segler heuerte im zweiten Nicht-Bundesliga-Jahr beim BVB an, von den auch damals schon „großen“ Münchner Bayern kommend. Dort schien ihm der Weg in die erste Riege verwehrt zu bleiben, weswegen der gebürtige Oberhausener vehement auf einen Wechsel zum persönlichen Lieblingsclub drängte: Ein Umstand, den ihm der nachtragende Udo Lattek noch Jahre später zutiefst übelnahm. An der Strobelallee mit ihrem erst im Bau befindlichen neuen Stadion startete der damals 22-Jährige als Mittelstürmer und wechselte später ins offensive Mittelfeld. Im Verein und bei den Fans nahm das Ansehen des spielstarken Kickers kontinuierlich zu, ausgerechnet in der Aufstiegssaison aber machte Segler eine verschleppte Verletzung das Leben schwer. Bei den beiden „Showdowns“ gegen den 1. FC Nürnberg hatte er daher die Rolle als „Joker“ inne.

 

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Burghard Segler und der schwarzgelbe Wendepunkt
Burghard Segler und der schwarzgelbe Wendepunkt

Redaktion: Herr Segler, wie groß war im Juni 1976 für einen BVB-Spieler eigentlich der Druck? Wie sehr wurde der Wiederaufstieg von der Borussia zwingend erwartet?

Burghard Segler: Wir hatten uns in dem Jahr ja enorm verstärkt, z. B. mit Ede Kasperski und Peter Geyer. Der Aufstieg wurde also vonseiten der sportlich Verantwortlichen fest fixiert. Trotzdem sind wir dann ziemlich schwach gestartet, denn wir waren zwar von den Namen her eine gute Mannschaft, aber nicht auf dem Platz. Dann wurde Otto Knefler beurlaubt, und der neue Mann – Horst Buhtz – hat, das muss man sagen, eine wunderbare Arbeit gemacht. Er hat uns als Team geformt und auf einen Relegationsplatz gebracht. Zwischendurch waren wir ja nur noch Fünfter gewesen. Da war die Stimmung nicht so gut, denn gerade nach dem Umzug ins neue Stadion war die Erwartungshaltung hoch.

Redaktion: Und wie war die Stimmung in der Stadt, unter den Fans? Weitgehend optimistisch?

Burghard Segler: Ich muss sagen, das war damals sehr ähnlich wie heute: Die Fans schätzten einfach, wenn man kämpft. Wenn man die Bereitschaft hatte, alles für den Erfolg zu tun. Und so war die Stimmung meistens gut. Schlechte Spiele gab es natürlich auch, da musste man dann mit Pfiffen rechnen – der Dortmunder Fan ist halt ein sehr ehrlicher Fan.

Redaktion: Wie dicht war man denn als BVB-Profi damals an den Leuten dran?

Burghard Segler: ich muss sagen, der Kontakt war eng. Ich wohnte ja damals noch in Berghofen und wurde oft angesprochen: Beim Einkaufen oder so. Man bekam also auch ständig Feedback, positives wie negatives: Man war näher dran am Fan und der Fan war näher dran an uns.

Redaktion: Welche Rolle spielte für den Verein bei der Rückkehr in die Erfolgsspur das damals frisch eröffnete Westfalenstadion?

Burghard Segler: Wenn die WM 1974 nicht gekommen wäre und das Stadion hier in Dortmund nicht, hätte der Verein meiner Meinung nach immer wieder Probleme bekommen. So konnte er sich konsolidieren, das Stadion war quasi der Sechser im Lotto.

Redaktion: Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem entscheidenden Match, dem 3:2 gegen den 1. FC Nürnberg?

Burghard Segler: Nürnberg war im Rückspiel ziemlich stark. Wir hatten auswärts zwar gewonnen, waren auch die klar bessere Mannschaft gewesen, aber plötzlich … der Hans Walitza hat zweimal gegen die Latte geköpft, und wären wir in Rückstand geraten, wäre es richtig eng geworden. Es stand also wirklich “Spitz auf Knopf“. Keiner hatte damit gerechnet, dass es nochmal so brisant werden würde, die Erleichterung war also unheimlich groß.

Redaktion: Und die Aufstiegsfeier ging dann in einer Kneipe am Dortmunder Wall über die Bühne? Lothar Huber erwähnte das mal im Gespräch …

Burghard Segler: Stimmt! Gebucht waren für die Feierlichkeiten die Rosenterrassen. Dort saß die Mannschaft allerdings ziemlich weit hinten, während vorne die Prominenz Reden hielt. Und wir waren als Team damals schon so gefestigt, dass wir aufgestanden und Richtung Stadt gezogen sind. Der Präsident, Heinz Günther, konnte das gar nicht fassen, und meinte, das könnten wir nicht machen. Wir kamen uns da aber so vor, als ob die anderen aufgestiegen wären und wir nicht. Also haben wir gesagt, wir können das doch machen. Und wir kannten ja einige Gastronomen, die im Stadion Stammgäste waren und bei denen wir quasi Trinken und Essen frei hatten. Außerdem war es ein herrlicher Sommertag, also sind wir los und haben in der City gefeiert. Es war dann eine wirklich schöne Aufstiegsfeier.

Redaktion: Auflaufen durften Sie zuvor aber erst nach einer guten Stunde. Wie kam das?

Burghard Segler: Mir sollte ein Überbein am rechten Fuß weggenommen werden, und als ich aus der Narkose aufgewacht bin, hatte ich unheimliche Schmerzen am Knöchel. Also habe ich nachgefragt, und der Arzt sagte: ‘Naja, da haben wir auch noch was weggemacht.‘ Und genau diese Narbe ist dann nicht verheilt, auch, weil ich zu früh wieder eingestiegen bin. Da hätte sich unser ‘Hofarzt‘ eigentlich gegen Otto Knefler durchsetzen müssen. Der war noch einer von der alten Garde und duldete keine Widerworte von den Spielern. Mein Fuß konnte also erst ausheilen, als der Trainer entlassen worden ist.

Redaktion: Ende 1979 haben sich ihr Weg und der des BVB ja wieder getrennt. Privat stand aber nie zur Debatte, der Stadt den Rücken zu kehren?

Burghard Segler: Stimmt, ich bin immer hiergeblieben. Ich hatte gute Angebote, auch von Bundesligisten, hätte nach Frankfurt oder Braunschweig gehen können, sogar zum HSV. Aber meine Frau wollte nicht mehr umziehen, und alleine dahin? Das wollte ich nicht. Überhaupt hatte ich mich schon als Kind immer nur für den BVB interessiert: Dortmund ist meine Stadt, und hier lebe ich.

Redaktion: Haben denn die Kontakte zu den Mitspielern von einst immer noch Bestand? Oder der Draht zum Verein?

Burghard Segler: Ich habe ja lange für die Traditionsmannschaft gespielt, das war die zweite Karriere, sage ich mal: Bis ich 53 war. Zur heutigen Traditionself mit Günter Kutowski usw. gibt es also noch ein bisschen Kontakt, z. B., wenn die ihre jährliche Nikolausfeier machen. Man sieht sich schon noch, so ist es nicht.
Derjenige, der sich häufiger um den Kontakt der alten Weggefährten gekümmert hat, war Manni Burgsmüller. Da haben wir uns dann beispielsweise auch mal in Dortmund mit Otto Rehhagel getroffen. Aber seit Mannis Tod ist das ein bisschen abgeflacht.

Redaktion: Wird Burghard Segler in der Öffentlichkeit heute noch erkannt und angesprochen?

Burghard Segler: Das gibt es noch. Manche trauen sich erst gar nicht zu fragen (lacht). Neulich, im Schwerter „Extrablatt“, hörte ich noch eine Frau zu ihrem Mann sagen: „Geh doch mal hin, frag ihn!“ Die Frauen sind da meistens mutiger als ihre Männer (lacht).Und ich hatte tatsächlich sogar noch eine Autogrammkarte dabei, da war er ganz selig. Jetzt sieht man sich da häufiger mal, wenn die BVB-Spiele laufen.

Redaktion: 2026 und 1976 – wieviele Fußball-Welten trennen die beiden Jahre eigentlich?

Burghard Segler: Wir waren damals Profi-Amateure. In der Vorbereitungsphase stand uns teilweise ein einziger Physiotherapeut zur Verfügung, und trainiert haben wir hin und wieder noch auf Asche. Da war dann die Rote Erde abgeschlossen und wir kamen nicht aufs Gelände, also ging es rüber zum Ascheplatz … inzwischen ist da ein Parkplatz.
Aber natürlich gehörte man aus Sicht der Fans auch noch mehr als heute dazu. So 300 bis 500 Leute sahen sich unser Training meistens an, viele davon Stammgäste. Die standen der Mannschaft sehr nahe, so dass für uns auch immer mal wieder eine Zusammenkunft oder ein Fest organisiert wurde. Nur aus privatem Engagement und Verbundenheit mit dem BVB heraus! Insofern: Ja, die Fußball-Welt hat sich schon sehr verändert.

Redaktion: Vielen Dank, Herr Segler, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben!

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