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Home Gewinnspiele Anpfiff

Die Koenens und ihr ambitioniertes Gästetrio

Am Lenneweg gibt seit zehn Jahren der Fußball den Rhythmus vor

von Wir in Dortmund (LM)
vor 8 Monaten
in Anpfiff, Aplerbeck, Dortmund
Lesezeit: 5 Minuten
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Etwa zwei Jahre noch werden Lenni (links) und Levin zu Gast bei den Koenens sein.
(Foto: Wir in Dortmund)

Etwa zwei Jahre noch werden Lenni (links) und Levin zu Gast bei den Koenens sein. (Foto: Wir in Dortmund)

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Aktuell passt ein Interview beim Ehepaar Koenen gut in den Tag, denn im Sommer ist auch der Wochenplan „der Jungs“ ein bisschen weniger durchgetaktet. Die erwähnten Jungs bewohnen ein Stockwerk höher drei nebeneinanderliegende Zimmer und geben im Reiheneigenheim am Rande der Aplerbecker Mark den Tagesrhythmus vor. Und Freizeit hin oder her, ohne Frage wird man sich auch heute Abend wieder gemeinsam am Küchentisch versammeln und in einem Briefing durchsprechen, wer morgen wann wo zu sein hat. Das Gästetrio der Koenens nämlich hat ebenso große Ambitionen wie Pflichten, und für das eine wie das andere braucht es nun mal Disziplin.

Seinen allerersten BVB-Youngster nahm das Ehepaar vor mittlerweile elf Jahren auf – und leistete damit seinerzeit echte Pionierarbeit, waren die schwarzgelben Nachwuchsspieler zuvor doch grundsätzlich im Jugendhaus des Vereins untergekommen. Dann aber erweiterte die Borussia ihr System und suchte nach Gastfamilien. Und landete fast folgerichtig relativ zügig bei den Koenens, die nicht nur beide seit langer Zeit treue Dauerkarteninhaber sind, sondern als Bereitschaftsfamilie für das Jugendamt der Stadt Dortmund darüber hinaus langjährige Expertise vorzuweisen hatten und bereits über die notwendigen Zimmer verfügten. Schnell wurden das Ehepaar und der Fußballverein sich handelseinig, und das Haus am Lenneweg begann, im Takt des Clubs zu ticken: Erst einmal mit nur einem schwarzgelben Untermieter; nach geglücktem Stapellauf nahm Familie Koenen dann aber zunächst zwei und schließlich drei BVB-Youngster parallel auf.

Bei ihrem Einzug gehören die Fußballtalente zumeist zur U15 des Clubs – und werden im Nu in die Familie integriert. Zum Start in den Tag findet man sich zu fünft am Frühstückstisch ein, unmittelbar danach endet der gemeinsame Weg abhängig von den jeweiligen Stundenplänen aber oftmals schon. Und da die Aplerbecker Mark, ihre Busverbindungen betreffend, nicht unbedingt ein Hotspot ist, springt Peter Koenen in den allermeisten Fällen als Kurier ein. Von der Schule zurück gibt’s Mittagessen, um 16.30 Uhr geht’s ab zum Training im Hohenbuschei. Um 20 Uhr dann wird das sportliche Dreigestirn an gleicher Stelle wieder eingesammelt. Nach dem Abendessen steht der Plan für den Folgetag, das Wochenende gestaltet der aktuelle Spielplan. „Und im Keller“, lacht Lydia Koenen, „liegt ein Berg von Wäsche.“

Vieles sei durchaus so, als habe man drei eigene Kinder zu Hause, resümiert Frau Koenen. In Wirklichkeit sind die leiblichen Kinder der Koenens seit Jahrzehnten aus dem Hause – für ihre BVB-Jungs allerdings nimmt das Ehepaar auch die schulischen Elternabende wahr, schließlich stammen die schwarzgelben Nachwuchskräfte aus allen Teilen der Republik und leben in Aplerbeck oft fern ihres eigentlichen Elternhauses. „Wobei“, stellt Lydia Koenen klar, „zur Familie der Jungs immer enger Kontakt besteht, und auch Opa, Oma und Geschwister dürfen also immer auf einen Kaffee vorbeikommen.“ Zudem fangen die Strukturen im Verein viel auf. „Wir haben einen ständigen Ansprechpartner beim BVB, den wir buchstäblich Tag und Nacht anrufen könnten“, fühlt sie sich von Seiten der Borussia ausgesprochen gut betreut. Geht es um Grundsätzliches, unterstützt die Borussia mit Fortbildungen zu Themen wie Sportpsychologie oder Ernährung von Jugendlichen. So hat Peter Koenen einen Trick aus seiner Hospitanz beim BVB-Koch mitgenommen: Gemüse lässt sich hervorragend in einer gut gewürzten Bolognese verstecken.

Auch das direkte Umfeld lässt sie und ihren Mann mit ihrer Aufgabe nicht allein, wie Frau Koenen versichert: „Vor Ort an der Schule gibt es zwei Kontaktlehrer, die sich um die Fußballer kümmern.“ Das macht flexible Regelungen wie aktuell beispielsweise einen um eine Woche verschobenen Ferienbeginn möglich, aber keineswegs den berühmten „Schlendrian“. Zumal das Umfeld der BVB-Youngster im Falle des Falles die ultimative Sanktion im Ärmel hätte: „Die schlimmste Drohung“, schmunzelt Peter Koenen, „wäre natürlich: ‚Wenn sich deine Zensuren nicht verbessern, kriegst du drei Wochen lang keinen Ball.‘“
Hat denn im sehr strukturierten Alltag der fünfköpfigen Wahl-Familie vom Lenneweg Freizeit – hier wie dort – derzeit überhaupt noch einen Platz? Ach, ein bisschen schon, stellt Lydia Koenen klar. Und dann seien „die Jungs“ eben ganz normale 16-Jährige, die shoppen gehen, eine Runde im Kletterwald buchen oder Mountainbike fahren. Und die bei alldem nicht gerade riesigen Wert auf gemeinsame Unternehmungen mit der älteren Generation legen.
Die wiederum setzt sich – im Falle von Peter Koenen – gerne selbst mal aufs Mountainbike, wenn der Kalender es zulässt. Eine willkommene Abwechslung zum Gastpapa-Taxi, das nach einem Dreivierteljahr bereits 18.000 Kilometer auf der Uhr hat. Und dann gibt’s da noch den Montagabend, an dem das Ehepaar tatsächlich mal das Element wechselt und gemeinsam für die DLRG Schwimmunterricht gibt. Mit Ruhe und Tatenlosigkeit muss man den Koenens nun mal gar nicht kommen: „Unsere Kinder waren aus dem Haus und dann war das Haus leer“, fasst die ehemalige Jugendamtsmitarbeiterin ihre Motivation zusammen. „Ich konnte das nicht haben, ich brauche Leben in der Bude.“ Zumal, ergänzt ihr Mann, der Kontakt zur Jugend auch dafür sorge, dass man selbst im Geiste jung bleibe.

Zum Leben in der Bude tragen aktuell auch immer wieder die Elternpaare der drei Gastkinder bei, wenn sie sich etwa zum gemeinsamen Grillabend in der Aplerbecker Mark einfinden. Und wenn die Enkelkinder der Koenens mal wieder auf einen Besuch vorbeischauen, rutschen die drei BVB-Jungs so ein bisschen in die Rolle von älteren Geschwistern – allerdings halt welchen, die beim Lieblingsclub ein und aus gehen!

Die beiden 67-Jährigen gehen, das merkt man zu jeder Zeit, in ihrer Aufgabe als Gasteltern – oder „Beherbungsunternehmen“, wie es im Amtsdeutsch heißt – ganz und gar auf. Am herausforderndsten, überlegt Peter Koenen, werde ihr Alltag daher aber wahrscheinlich immer dann, wenn es gelte, einen der Schützlinge mental wieder in die Spur zu bringen. Weil sich etwa beim MRT herausgestellt habe, dass er für geraume Zeit nicht mehr vor den Ball treten könne. Oder wenn die sportliche Entwicklung ins Stocken gerate und sich einer der Jungs plötzlich als Bankdrücker wiederfinde. „Logisch natürlich, dass wir aber trotzdem nie eine Trainer-Entscheidung in Frage stellen“, ergänzt Peter Koenen. Zumal man von den Schwarzgelben durchaus ins Boot geholt werde und z. B. erst neulich die aktuellen sportlichen Konzepte im Rahmen eines Info-Abends nachvollziehbar gemacht worden seien. Das Aplerbecker Ehepaar sieht seine Rolle also vielmehr darin, im Krisenfall eine verlässliche Anlaufstelle zu bieten und „seine“ Jugendlichen ggf. aufzufangen.

Gelingt dies, ist die Freude selbstverständlich umso größer. Und geht einer der Fußballer anschließend seinen erfolgreichen Weg, können die Koenens ihre Freude und ihren Stolz darüber nicht verhehlen. Obwohl es auch zum Lauf der Dinge gehört, zu den meisten ehemaligen „Untermietern“ auf lange Sicht den Kontakt zu verlieren, wie Lydia Koenen zurückblickt. „Ein Weilchen melden sich viele aber schon noch und besuchen uns auch“, schiebt sie nach.

In rund zwei Jahren aber wird all dies zu einem Ende kommen, wenn sich die Koenens in die Betreuungs-Rente verabschieden: Annähernd unglaublich, wenn man sich aktuell ein Weilchen mit ihnen unterhält. Wie könnte es denn danach weitergehen? Für diese noch anstehende Lebensphase allerdings haben die beiden bereits erstaunlich konkrete Pläne, kam doch eine ihrer Leidenschaften bislang noch gar nicht zur Sprache: Das Reisen nämlich. Und zu Trips in ferne Länder konnten die Koenens im zurückliegenden Jahrzehnt schließlich immer nur über Weihnachten und Neujahr aufbrechen. An entsprechenden Ideen wiederum herrscht kein Mangel, weswegen die beiden ausgesprochen zuversichtlich nach vorne blicken. Auch wenn’s selbstverständlich eine große Umstellung sein wird, wenn das Haus am Lenneweg irgendwann nicht mehr im schwarzgelben Rhythmus schwingt.     

 

 

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