Dortmund: Die Stadt, in der sogar Kirchen nach Fußballclubs benannt werden! Okay, das ist geringfügig übertrieben – die „BVB-Gründerkirche“ allerdings gibt’s tatsächlich, und ihren Namen verdankt sie bekanntlich nicht einfach nur allgemeiner Fußballbegeisterung, sondern ihrer besonderen Rolle als einer der Geburtsstätten der Borussia.
Seit dem vergangenen Jahr nun wird an der Flurstraße in Dortmunds Norden fleißig investiert und umgebaut. Wandeln soll sich die in die Jahre gekommene Dreifaltigkeitskirche dabei in Kooperation von BVB und dem Erzbistum Paderborn in ein soziales und kulturelles Zentrum, das seine Wurzeln als Glaubensort pflegt und gleichzeitig auch sichtbar in schwarzgelber Tradition steht. Ende 2026, hoffen die Macher des Projekts, kann das Kirchenschiff in See stechen, aber bereits in den vergangenen zwölf Monaten sind die Aktivitäten vor Ort nach und nach hochgefahren worden.
Das funktioniert, weil auch im Übergangsquartier – dem „Wel-come-Zelt“ im Garten neben der Kirche schon einiges möglich ist. So haben sich etwa das „Café Kumm rin!“ oder die „NordstadtSessions“ als Formate in der Zwischenzeit sehr gut etabliert. Was das Café betrifft, ist der Ansatz ganz klassisch: Es gibt Kaffee, Kuchen und nette Gespräche. Besonderheit allerdings: Die einzelnen Termine – jeweils mittwochs von 15 Uhr bis 17.30 Uhr – werden jeweils von Vereinen und Organisationen gestaltet, die sich um Torte & Co. kümmern sowie die Menschen aus ihrem Umfeld an die Flustraße locken. Da das Café aber grundsätzlich allen offensteht, hoffen die Initiatoren auf eine von Woche zu Woche buntere Gästemischung. Das Hoeschparkbüdchen der Caritas etwa ging ebenso schon vor Anker wie das Leopold-Hoesch-Berufskolleg oder „Africa Positive“.
Im Falle der NordstadtSessions hat die „Machbarschaft Borsig11“ organisatorisch „den Hut auf“. Die bringen im Welcome-Zelt Kreative aller Art von Musikern über Tänzern bis hin zu Poetry-Slammern auf die Bühne, welche im optimalen Falle selbst Kinder des Quartiers oder der Umgebung sind. Und die sich, freitags ab 19 Uhr, inzwischen mitunter über eine dreistellige Anzahl an Zuschauern freuen dürfen.
Da die BVB-Gründerkirche ein Ort sein will, an dem Menschen und Institutionen sich vernetzen – und auf diese Weise Nachbarschaft wieder zu pflegen lernen – stellt die Pfarrei ihre Infrastruktur auch schon jetzt immer wieder für Einzelprojekte mit Partnern zur Verfügung. Da organisierte etwa die Oesterholz-Grundschule unter dem Motto „2. Halbzeiten“ Workshops über Diskriminierung und wirksame Gegenmittel wie etwa Zivilcourage und Teambuilding. Und das „Studio41“ der nahen Lydia-Gemeinde lud junge Menschen der Nordstadt zu einem Tag unter der Überschrift „Herzblut – wofür brennst du?“ ein und ließ u. a. einen Fußballer aus seinem Alltag erzählen.
Noch, so bestätigt Projektleiterin Kira Niehues, befinde man sich in der Test- und Ausprobier-Phase und habe durchaus auch schon dazu gelernt. Wenn dann aber erstmal der Kirchenumbau abgeschlossen sei, habe man natürlich zeitlich und räumlich ein ungleich größeres Potential. Im Gespräch mit der Heizungsbaufirma z. B. habe man deswegen auch betont, dass die Kirche sieben Tage die Woche auf Temperatur gehalten werden müsse: Man möchte eben zu einem Netzwerkknotenpunkt werden, an dem jede Menge los ist.
„Vielleicht“, überlegt die Projektreferentin, „geht es dann nicht in jedem Fall bei uns, aber wir hoffen, immer unterstützen und immer einen Weg finden zu können. An uns herantreten kann man also immer – wenn Ideen aus dem Quartier kommen, wollen wir die hören!“

















