Blickt man in den Rückspiegel des Lebens, sind es oft die leicht peinlichen Skurrilitäten, die besonders viel Freude machen: absurde Mode, gewagte Frisuren – und beim Fußball all die schrägen Fan-Devotionalien vergangener Jahrzehnte. Mannschaftsposter, Stickeralben oder alte Eintrittskarten lösen heute zuverlässig nostalgische Gefühle aus.
Sascha Kurzrock hat mit genau solchen Erinnerungsstücken ein ganzes Buch gefüllt. „Der Zauber des heiligen Rasens“ bietet auf rund 130 großformatigen Seiten reichlich Gelegenheit zum Schmunzeln, Erinnern und Kopfschütteln. Der Autor erzählt dabei auch von seiner eigenen Fußball-Begeisterung, die den Nordhessen einst zum 1. FC Köln führte. Zu sehen gibt es aber ein viel größeres Spektrum – von Fähnchen und Plastikwimpeln über Trikots und Banner bis zu Spielplänen und Stofftieren. Kurzrock, im bürgerlichen Leben Lehrer, schreibt unterhaltsam und selbstironisch und verbindet seine Sammlung mit Fußball- und Zeitgeschichte. So erfährt man nebenbei, dass Alan Ball als erster prominenter Kicker in nicht-schwarzen Schuhen auflief oder Kevin Keegan einst als Comic-Held „Super Kevin“ fürs Energiesparen warb. Auch der Dortmunder Bergmann-Verlag (siehe Seite 24) und seine Pionierarbeit bei Klebebildchen finden Erwähnung. Ein zwölfseitiger Extra-Teil widmet sich zudem der Fußball-Sammelkultur in der DDR.
Am Ende betrauert Kurzrock zwar das Verschwinden einer Fußballwelt ohne kommerziellen Overkill, spart aber auch deren Schattenseiten nicht aus. Sein Fazit: „Was aber vollkommen unmöglich sein wird: Dass noch einmal so liebevoll geiler Schrott produziert wird wie früher.“ Eben! Eine kurzweilige Nostalgie-Tour mit jeder Menge gutem schlechten Geschmack.
Der Zauber des heiligen Rasens, Sascha Kurzrock, Arete-Verlag, 18,00 €.

















