Ist es ein Park? Ist es ein Friedhof? Das kommt wahrscheinlich drauf an wen man fragt. „Die Freunde des Ostparks/Ostenfriedhofs“ waren sich da scheinbar auch nicht so sicher, wie es der Name der Bürgerinitiative vermuten lässt. Und kann es nicht eigentlich beides sein? Darum soll es in einem Dialog Ende Februar gehen, zu der die Initiative einlädt.
Historische Grabmäler, Naturschutzgebiet, alte Bäume – eine Symbiose aus Historie der Stadt und Erholungsort. Der Ostfriedhof ist mehr als eine Ruhestätte, da sind sich Heike Wulf und Susanne Meyer sicher, als unsere Redaktion sich mit den beiden zu einem Rundgang auf dem Ostfriedhof trifft. Die Damen kennen sich aus dem Verein Kunst und Kultur im Kaiserviertel e. V., dessen Verbund die Bürgerinitiative angehört, und sehen der intensiven Nutzung des Friedhofs mit Sorge entgegen. „Früher wurde der Ort wie ein Park genutzt“, erklärt Heike Wulf „hier wurden Kindergeburtstage gefeiert und auf der Wiese gelegen und gelesen”, erinnern sich die beiden Dortmunderinnen. Heute macht ihnen Sorge, dass die intensivere Nutzung mit Beisetzungen den Charakter des Ortes gefährden könnte.
Der Friedhof mit einer langen Geschichte
Lange Zeit war der zweitälteste Friedhof Dortmunds faktisch ein Park, da keine neuen Beisetzungen stattfanden. Gerade auch weil im dichtbesiedelten Kaiserstraßenviertel die alternativen Grünflächen fehlten und es auch immer noch tun, begrüßten die Anwohner*innen den Gedanken. Auch heute wird der Ostfriedhof als Laufstrecke für Jogger und Spaziergänger genutzt und von Eltern um ihren Kindern das Fahrrad fahren beizubringen.
Seit in den späten 90ern die Fläche dann wieder offiziell als Friedhof freigegeben wurde – auch um Bestattungen im Umfeld des Hospiz am Ostpark zu ermöglichen, steigen die Zahlen der jährlichen Bestattungen stetig.
Der 1876 eröffnete Friedhof gilt als bedeutendes Zeugnis der Stadtgeschichte, mit zahlreichen kunsthistorisch wertvollen Grabmalen und Skulpturen. Mehrfach betonen Wulf und Meyer, dass viele der dort bestatteten Persönlichkeiten Dortmund geprägt haben – darunter bekannte Künstler und Architekten. Gleichzeitig seien in den vergangenen Jahren Gräber beschädigt oder sogar gestohlen worden.
Vieles ist baufällig
2018 kam es zu Diebstählen von Metall- und Bronzefiguren, die eingeschmolzen wurden und teils unwiederbringliche Unikate waren. Auch einzelne Grabsteine oder Kunstwerke verschwanden spurlos. Die Verwahrlosung zeigt sich an vielen Gräbern, einige sind eingezäunt, einige einfach verschwunden. Das Grab des Bildhauers Bernhard Höttger ist nicht wiederzuerkennen und es fehlen, außer einem kleinen Podest, jegliche Hinweise, dass dort jemals ein Grab gewesen ist.
Aus diesem Engagement heraus gründeten die Beteiligten zunächst die „Freunde des Ostparks“, um Fördermittel beantragen und politisch mehr Gehör finden zu können. Ein erster Antrag vor einigen Jahren wurde von der Bezirksvertretung Innenstadt Ost abgelehnt. Darin forderte die Initiative, dass Freiflächen auf dem Ostfriedhof für Bürger*innen erhalten bleiben und gleichzeitig keine neuen Gräber in den historischen Teil integriert werden.

Die beiden Frauen betonen, nicht gegen eine Nutzung als Ruhestätte und Raum für Angehörige zum Trauern zu sein, sondern einfach ein klares zukunftsfähiges Konzept zu wünschen. „Es gibt gefährdete Denkmäler, die teilweise aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammen und niemand fühlt sich so richtig verantwortlich”[…] „Es gibt auch keinen transparenten Belegungsplan”, kritisiert Wulf. Viele unterschiedliche Ämter seien zuständig, ohne, dass eine klare Koordination erkennbar sei.

Initiative lädt zum Dialog ein
Die Initiative fordert daher eine öffentliche Diskussion und ein Gesamtkonzept, das verschiedene Interessen miteinander in Einklang bringt: den Wunsch nach wohnortnahen Bestattungen, die Nutzung als Grün- und Erholungsfläche sowie den Schutz des denkmalgeschützten historischen Bestands. Es gehe nicht darum, neue Gräber grundsätzlich zu verhindern, sondern Freiflächen zu erhalten und den besonderen Charakter des Ortes zu sichern. So soll am 27. Februar diskutiert werden. Ab 18 Uhr laden sie in die Kaiserstraße 75 zum Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern des Umweltdezernats und der Denkmalbehörde, der Kultur, Kunst im Öffentlichen Raum und Friedhöfe sowie den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt ein.

















