„Eine Firma schließt man nicht nebenbei.“ Dr. Andreas Bach hat seinen Abschied deshalb auch nicht nebenbei vorbereitet. Fünf bis sechs Jahre lang plante der Unternehmer seinen Ausstieg aus der Beratung. Zum Jahresende ist es nun soweit: Nach 28 Jahren beendet er seine Tätigkeit bei CE Consult.
Ganz verschwinden wird Bach aus dem Berufsleben allerdings nicht. Schon jetzt engagiert er sich ehrenamtlich beim ADFC Dortmund und möchte diese Arbeit auch künftig fortsetzen. Gleichzeitig soll mit dem Ende der Beratung mehr Zeit für das Privatleben bleiben.
Seinen vielleicht wichtigsten beruflichen Erfolg sieht Bach nicht in einer einzelnen Beratung, sondern in der Geschichte der Firma Curt Ebert. Als er das Unternehmen 1998 übernahm, befand es sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Rund 30 Beschäftigte arbeiteten damals dort. Bach ist überzeugt: Ohne seine Übernahme wäre das Unternehmen vermutlich nur noch kurze Zeit bestehen geblieben.
Die Geschichte des Unternehmens reicht bis ins Jahr 1920 zurück. Curt Ebert gründete damals zunächst eine Handelsagentur für Industriesiebe und Drahtgewebe. In den 1930er-Jahren begann die eigene Produktion, später wurde der Standort nach Dortmund-Brackel verlegt. Die Verbindung zu Brackel besteht bis heute.
Unter Bach entwickelte sich das Unternehmen weiter. Die unterschiedlichen Geschäftsbereiche wurden im Laufe der Jahre eigenständig. Die Siebtechnik wurde 2008 ausgegliedert, 2016 übernahmen ehemalige Mitarbeitende den Bereich Zaun und Tor und führten ihn als eigenes Unternehmen weiter. Heute bestehen die Unternehmen unter dem Namen Curt Ebert unabhängig voneinander fort.
Dass die Arbeitsplätze dabei erhalten geblieben sind, macht Bach besonders stolz.
Auch seine eigene Beratung entstand aus dieser Geschichte heraus. Im Jahr 2000 wurde CE Consult gegründet. Bach beriet vor allem Industrieunternehmen sowie Betriebsräte und Gewerkschaften und war dabei weit über Dortmund hinaus unterwegs. Sein Beratungsgebiet reichte unter anderem ins Sauerland, den Märkischen Kreis und das Münsterland. Die Beratung war auf Industrieunternehmen spezialisiert und spielte deshalb in Dortmund selbst nur eine kleinere Rolle.
Im Mittelpunkt seiner Arbeit standen die Beschäftigten. Bach wollte nicht, dass externe Beraterinnen und Berater in ein Unternehmen kommen und einfach fertige Lösungen über die Köpfe der Belegschaft hinweg entwickeln. Stattdessen setzte er auf sogenannte Ideenwerkstätten, in denen die Beschäftigten ihr eigenes Wissen und ihre Erfahrungen einbringen konnten.
„Das Know-how der Beschäftigten macht 80 Prozent aus. Externe Berater können vielleicht 20 Prozent beitragen“, sagt Bach.
Diese Haltung zieht sich durch seine gesamte berufliche Geschichte. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Situationen seien die Menschen im Unternehmen diejenigen, die die Probleme und Möglichkeiten häufig am besten kennen. Für junge Unternehmerinnen und Unternehmer hat Bach deshalb einen einfachen Rat: nicht vorschnell aufgeben und die eigenen Beschäftigten aktiv einbeziehen.
Wie entscheidend diese Haltung sein kann, erlebte er unter anderem bei der Begleitung einer Großinsolvenz eines Automobilzulieferers. Rund 1.600 Arbeitsplätze standen damals auf dem Spiel. Gemeinsam mit den Beteiligten gelang es, einen Investor zu finden und das Unternehmen zumindest zu großen Teilen zu retten. Für Bach war es die größte einzelne Herausforderung seiner Beratungslaufbahn. Die Verhandlungen mit möglichen Investoren seien teilweise äußerst nervenaufreibend gewesen, erinnert sich Bach.
Sein Berufsleben bestand aber nicht nur aus wirtschaftlichen Erfolgen. 2007 wurde ein Betrugsfall innerhalb des Unternehmens aufgedeckt. Ein Mitarbeiter hatte gemeinsam mit einem Lieferanten über Jahre hinweg durch fingierte Rechnungen Schaden verursacht. Besonders bitter war für Bach, dass das Unternehmen ohnehin wirtschaftlich unter Druck stand. Der Fall wurde öffentlich vor Gericht verhandelt. Bach entschied sich bewusst dafür, auch mit dem Vorgang transparent umzugehen.
Unternehmer zu sein, war für ihn dennoch immer eine bewusste Entscheidung. Bereits während seiner Schulzeit betrieb Bach eine eigene Druckerei, später ein Café. Nach rund zehn Jahren als Angestellter wurde ihm klar, dass er selbst entscheiden und Verantwortung übernehmen wollte.
„Ich wollte Entscheidungen selbst treffen und auch die Verantwortung dafür übernehmen.“
Diese Freiheit hatte allerdings ihren Preis. Als Selbstständiger gebe es eben nicht automatisch mehrere Wochen Urlaub am Stück. Man wache morgens auf und habe schon wieder eine Idee oder etwas, das erledigt werden müsse. Nach fast drei Jahrzehnten soll sich dieses Verhältnis nun verändern.
Auch wenn Bach beruflich weit über Dortmund hinaus tätig war, ist ihm die Verbindung zu Brackel wichtig geblieben. Betriebsfeste wurden beispielsweise auch für Menschen aus der Nachbarschaft geöffnet. Gerade der Bereich Zaun und Tor habe durch seine Produkte auch eine direkte Verbindung zu Privatkundinnen und Privatkunden und damit zum Stadtteil.
Ganz ohne Aufgaben wird es Bach nach dem Jahresende ohnehin nicht geben. Seit mehreren Jahren engagiert er sich beim ADFC Dortmund, seit sechs Jahren als Schatzmeister. Der Verein ist in dieser Zeit deutlich gewachsen. Rund 2.500 Mitglieder zählt der ADFC Dortmund inzwischen, etwa 1.000 mehr als zu Beginn seiner Amtszeit.
Künftig möchte Bach einen Teil der gewonnenen Zeit allerdings bewusst für sich selbst nutzen. Nach Jahrzehnten der Verantwortung für Unternehmen und Beschäftigte sei es nun auch an der Zeit, nicht jede freie Minute wieder mit Arbeit zu füllen.
Wie er sein Berufsleben in drei Worten zusammenfassen würde? Die Antwort kommt schnell:
„Dreimal selbstständig.“
Und woran sollen sich die Menschen später erinnern, wenn sie auf sein berufliches Wirken zurückblicken? Auch darauf hat Bach eine klare Antwort:
„An die gute Zusammenarbeit mit meinen Beschäftigten.“
Vielleicht passt genau dieser Satz am besten zu einem Berufsleben, in dem es für ihn nie ausschließlich um Bilanzen, Unternehmensstrukturen oder Beratungskonzepte ging, sondern immer auch um die Menschen, die hinter einem Unternehmen stehen.

















