Da kann sich der Reporter das Schmunzeln nicht verkneifen: Gut 25 Rad- und Rollerfahrer*innen düsen achtlos an dem neuen Fahrradfahr-Verbotsschild vorbei, während ich mich als Reporter mühe, ebenjenes fotografisch in Szene zu setzen. Sind die Radler im Kaiserviertel etwa alle aufsässig? Wohl kaum. Erst seit kurzem darf man nicht mehr radfahren auf dem Radweg an der Kaiserstraße, das an sich ist ja schon ungewöhnlich – und der Mensch ist halt Gewohnheitstier. Nur: Warum steht da überhaupt auf einmal dieses Schild?
Zunächst zum besseren Verständnis: Vor Tagen noch war die Situation auf der Kaiserstraße die folgende: Fußgänger und Zweiradfahrer teilten sich den breiten Bürgersteig auf der rechten Seite, dem in Richtung City also. In der Gegenrichtung gibt es keinen separaten Radweg. Räder, Roller und Autos schlängeln sich auf der schmalen Einbahnstraße in Richtung Osten, vorbei an Geschäften, Cafés und Restaurants. Soweit die Lage bis vor ein paar Tagen. Kommen wir zurück ins Hier und Jetzt und auf den (stadteinwärts gesehen) rechten, breiten Bürgersteig der Kaiserstraße, auf dem man sich nunmehr ausschließlich per Pedes fortbewegen darf.
Durch den Wegfall des Radwegs auf dem Bürgersteig ist die Kaiserstraße einseitig quasi zur Fußgängerzone geworden. In einer Beschlussvorlage der Bezirksvertretung Innenstadt Ost wird von „sicherheitsrelevanten Konflikten zwischen Rad- und Fußverkehr“ gesprochen. Das sei u. a. von der Polizei überprüft worden und habe sich bestätigt. Auf gut deutsch: Offensichtlich haben Radfahrer nicht genügend Rücksicht genommen auf Fußgänger – und manchmal vielleicht auch andersrum. So sehen es auch die User eines lokalen sozialen Netzwerks und reden sich seit Tagen die Köpfe heiß bei diesem Thema.
Zurück zum neuen Fahrradverbotsschild am östlichen Ende der Kaiserstraße. Endlich bemerkt es jemand – und befolgt es auch: Eine Mutter und zwei Kinder biegen auf ihren Rädern artig ab nach links in Richtung Arndtstraße. Für ortsunkundige Leser: Die Arndtstraße läuft parallel zur Kaiserstraße, hier ist Radeln ausdrücklich erlaubt. Wer nun zu einem Laden oder Café oder sonstwohin will an der kaiserlichen Einkaufsmeile, muss von der Arndtstraße wieder runter, nach rechts abbiegen diesmal, um auf einer der Querstraßen zu landen, die dann in die Kaiserstraße münden. Dies nur zur Ihrer groben Orientierung. Haben Sie‘s kapiert?
Ist diese Geschichte am Ende vielleicht ein Schildbürgerstreich? Tja, das ist schwierig. Ein Reporter soll neutral berichten, heißt es, aber auch: Er sollte Haltung zeigen. Wie komm ich da bloß raus aus dieser Nummer? Am besten steig ich mit meinem Foto auf mein Rad. Erst mal durchatmen auf dem Rückweg in die Redaktion. ‚Stopp! So nicht!‘, zeigt mir das Verbotsschild an vor meiner Nase. ,Du musst Dich jetzt entscheiden: Schieben – oder einmal um den Pudding!‘

















