Seit 25 Jahren betreibt Nicole Laubert ihren Weinladen im Kaiserviertel – zunächst als Familienunternehmen unter dem Namen VinoVin, seit November als Teil der Jacques-Wein-Depot-Familie. Daneben engagiert sie sich ehrenamtlich seit fast 20 Jahren in der Werbegemeinschaft Kaiserviertel, deren erste Vorsitzende sie inzwischen seit knapp zehn Jahren ist. Wir haben mit ihr über das Viertel, das Ehrenamt und das Leben zwischen Wein und Brettspielen gesprochen.
Frau Laubert, Sie sind seit zehn Jahren erste Vorsitzende der Werbegemeinschaft. Wie sind Sie damals in das Amt hineingerutscht?
Ich war zuerst Kassiererin im Verein, und als Claudia Branz die Werbegemeinschaft vor knapp zehn Jahren verlassen hat, bin ich zur ersten Vorsitzenden gewählt worden. Nicht, weil ich mich so unheimlich engagiere – was ich natürlich tue – sondern eher nach dem Motto „macht ja sonst keiner”. Das ist heute oft so mit Ehrenämtern. Früher war es noch was Besonderes, in den Vorstand gewählt zu werden. Heute machen Frank Feldkamp, mein zweiter Vorsitzender, und ich ehrlich gesagt das, was sonst keiner machen will. Aber das wäre echt schade fürs Viertel.
Was macht das Kaiserviertel aus Ihrer Sicht so besonders?
Wir haben hier so ein tolles Viertel! Den Kaiserbrunnen mitten im Zentrum, das große Portal mit dem „Willkommen im Kaiserviertel”-Schriftzug, unser goldenes Nashorn. Man kann hier so schöne Sachen machen, aber man muss das auch ein bisschen pflegen. Wir haben zum Beispiel einen guten Draht zum Grünflächenamt – wenn alles über den Kopf wächst, rufen wir an, und dann wird das wieder fein gemacht. In der Adventszeit wickeln wir fast jeden Baum mit Weihnachtsbeleuchtung ein, das Portal wird festlich geschmückt. Wenn man dann in die Straße reinfährt, das macht schon viel aus.
Welche Veranstaltungen stehen im Jahresverlauf an?
Hier ist eigentlich immer etwas los. Im Herbst gibt eine Musikveranstaltung, bei der 12 bis 15 Einzelkünstler oder Bands durch die Gastronomien und Läden tingeln und überall 20 bis 30 Minuten spielen. Zu Weihnachten gibt es am Kaiserbrunnen das Adventssingen in Zusammenarbeit mit dem Projektraum Kaisern und anschließend ein Weihnachts-Jazz-Konzert im Glühweingarten von Bismarck, das Frank Scheele organisiert. In diesem Frühsommer wäre eigentlich ein DJ-Picknick geplant gewesen, das mussten wir aber schweren Herzens absagen – die Wetterprognose war einfach nicht stabil. Nichts ist blöder, als wenn der DJ dann bei 17 Grad und Nieselregen Musik macht.
Sie arbeiten eng mit anderen Initiativen im Viertel zusammen. Welche Rolle spielen die?
Eine ganz große. Der Projektraum Kaisern ist unfassbar engagiert – und das ja nicht fürs Gewerbe, sondern aus privater Initiative, weil sie dem Viertel etwas bieten möchten. Da habe ich echt Respekt vor. Auch der Kunst- und Kulturverein engagiert sich sehr, gerade für Frauenfiguren und generell für Kultur. Kultur fällt immer so ein bisschen hinten runter, das finde ich schade, daher ist es umso erfreulicher, wenn man da etwas unterstützen kann. Bei unseren eigenen Festen nehmen wir übrigens nur zwei Euro für ein Glas Wein, eine Currywurst oder Pommes – damit jeder teilnehmen kann. Das ist unser Beitrag zur Teilhabe. Und wir sammeln immer für die Tafel.
Wo zwickt es im Viertel? Gibt es Dinge, die Sie nerven?
Das Graffiti stört mich schon. Aber ich glaube, es gibt keinen Stadtteil in Dortmund, in dem das nicht Thema ist. Und dann dieser immerwährende Krieg zwischen Radfahrer und Auto. Bei uns ist das gerade ein aktuelles Thema, weil der Radweg ja kein Radweg mehr ist, die Piktogramme erinnern aber noch daran. Woanders leben die Leute einfach so nebeneinander, brauchen nicht einmal Schilder. Entweder man macht dem Fußgänger Platz oder dem Radfahrer. Hier gibt es nur zwei Lager, pro oder contra. Das ist schade.
Das Viertel scheint trotzdem beliebt zu sein. Wie sieht es mit Leerständen aus?
Wir haben hier wenig Leerstand, das finde ich auch sehr schön. Den Laden nebenan zum Beispiel – von außen sieht man gar nicht, dass der schon vermietet ist. Trotzdem fragen fünfmal pro Woche Leute nach. Eigentlich habe ich immer jemanden in der Pipeline. Aber manchmal gibt es einfach keinen passenden Leerstand.
Und wenn Sie mal nicht für den Weinladen oder die Werbegemeinschaft unterwegs sind – was machen Sie privat?
Ich bin verheiratet, wir wohnen mit unserem großen Hund in Brackel und sind viel im Feld unterwegs. Und wir spielen unheimlich gerne und viel. Eigentlich alles – von „Mensch ärgere dich nicht” über „Siedler von Catan” bis zu Hitster, da haben wir glaube ich schon die dritte Variation zu Hause. Auch Kniffeln gehört dazu. Wir treffen uns mit Freunden, und selbst wenn wir nur ein bisschen quatschen wollen, holen wir irgendwann doch ein Spiel raus.

















