Rockabillys sehen manchmal verdammt gut aus. Da wäre zum Beispiel Sven aus Welver nahe Soest. Gerade mal 20 Jahre alt, ist er der Jüngste an diesem Abend beim Rock’n’Roll-Treff an der Rennbahn. Lässig und ein wenig spöttisch lacht er in die Kamera, streicht sich dabei die dunkelblonden, halblangen Haare aus der Stirn. Sven sieht damit aus wie Elvis 1956, nur ein bisschen braver: adrett, wie frisch gebügelt, Anzug, Weste und Krawatte. Keine Sneaker, sondern Lederschuhe, natürlich frisch geputzt.
Musik und Mode – alles Retro, alles stilecht 50s. Darum dreht es sich in dieser Szene: Tellerrock mit Petticoat bei den Rockabellas, 501 und Tolle bei den Rockabillys – oder wahlweise auch Geheimratsecken. Halbstark sind die allerwenigsten. Bei den Marilyns und Elvissen, den Betty Pages und James Deans, die hier Rock’n’Roll, Jive und Doo-Wop tanzen, bleibt die Rebellion rein äußerlich. Nostalgie prägt diese nette Szene, und gerade in unsichereren Zeiten schwingt spürbar eine Sehnsucht nach der vermeintlich heilen und gleichzeitig aufregenden Welt der 50er Jahre mit.
Beim adretten Sven ist es vor allem das historische Interesse, das ihn hierher zieht – Geschichte studiert er an der Uni, daneben auch Kunstgeschichte. An einem der Stände des kleinen Trödelmarkts am Rand des Treffs stöbert er nach dem letzten fehlenden Accessoire für sein perfektes 50s-Outfit. Eine Krawattennadel vielleicht? Auf der Tanzfläche würde sie gut aussehen. Der Jive-Kurs fällt heute leider aus, doch in einem Monat geht es wieder rund beim Rockabilly-Treff in Wambel.

















