Annika Kamrau ist seit 2018 Herrin über Geister, Kürbisse und jede Menge erschrockene Besucher*innen. Gemeinsam mit ihrem Mann Sascha, ihrer Tochter Netti, Freundinnen und vielen Helfer*innen verwandelt sie in Dortmund-Wickede ihr Zuhause in das „Kleine Spukhaus“. Doch Annika und ihr Team können mehr als gruseln: Auch beim Flohmarkt und mit Spendenaktionen engagieren sie sich für ihren Stadtteil.
Annika, wer bist du und wer gehört eigentlich alles zum Kleinen Spukhaus?
Eigentlich machen wir das alle zusammen. Am Anfang war es vielleicht eher so, dass ich die Ideen hatte und gesagt habe: „Wir machen das!“ Mittlerweile müssen aber alle mitziehen. Ich habe eine Idee und dann ist einer für die Elektrik zuständig, jemand anderes baut mit oder kümmert sich um irgendwas anderes. Auch die anderen packen mittlerweile richtig gut mit an. Ohne Familie, Freund*innen und Helferinnen würde das alles gar nicht funktionieren.
Was fasziniert euch am Gruseln und wie wird aus einem ganz normalen Zuhause plötzlich ein Spukhaus?
Irgendwann im Juli oder August fängt es bei mir an zu kribbeln. Dann kann ich diesen ganzen Gute-Laune-Sommer-Scheiß nicht mehr sehen. Dann brauche ich Kürbisse, Herbst, Kakao und Tee. Das Thema steht meistens schon ein Jahr vorher fest. Irgendwann fange ich dann an, den Plan zu zeichnen: Was machen wir wo? Wie bauen wir es auf? Was brauchen wir? Und dann geht es los.
Selbst leicht zu erschrecken bin ich eigentlich nicht. Wir hatten mal ein paar Mädels hier, die versucht haben, mich zu erschrecken. Ich habe gesagt: Wenn ihr das schafft, gebe ich euch einen aus. Sie haben es nicht geschafft! Eine Geisterbahn finde ich eher lustig. Bei manchen Filmen zuckt man schon mal.
Ihr seid mitten in Wickede zu Hause. Was bedeutet euch der Stadtteil?
Wir sind schon sehr mit Wickede verbunden, weil wir viel für den Ort machen. Wir organisieren zum Beispiel ehrenamtlich den Flohmarkt am 1. Mai. Wir versuchen auch, dass die Spenden möglichst hier im Ort bleiben.
Der Flohmarkt ist tatsächlich aus einer Bierlaune heraus entstanden. Wir hatten damals eine richtig tolle Nachbarschaftsgemeinschaft. An schönen Sommerabenden standen wir teilweise jeden Abend gemeinsam im Garten. Die Kinder lagen bis spät abends auf der Picknickdecke, haben Pommes gegessen oder wir haben noch Pizza bestellt. Irgendwann kam das Gespräch auf all die Sachen, die nach einem Umzug noch im Keller standen. Und dann kam die Idee: „Wir müssten eigentlich mal einen Hofflohmarkt machen.“ Aus den ersten ungefähr 20 Ständen ist dann immer mehr geworden.
Was bedeutet euch diese Nachbarschaft?
Viel! Wir haben hier ganz unterschiedliche Menschen. Auch mit den älteren Menschen aus dem Wohngebiet haben wir viel Kontakt. Es gibt zum Beispiel einen Treffpunkt, an dem gemeinsam gefrühstückt, gebastelt, Bingo gespielt oder Sitzgymnastik gemacht wird.
Zu Halloween holen wir die älteren Leute sogar im Hellen zu uns rüber. Dann können sie sich alles anschauen und anschließend gibt es Kaffee und Kuchen. So ist das Spukhaus eben nicht nur etwas für Kinder und Jugendliche.
Bei euren Aktionen sammelt ihr auch Spenden. Was passiert dieses Jahr damit?
Dieses Jahr möchten wir Weihnachtsmomente verschenken. Gemeinsam mit dem Pflegedienst Pflug aus Wickede möchten wir Menschen zu Weihnachten eine Freude machen, die vielleicht alleine sind, wenig Geld haben oder sonst niemanden haben, der ihnen etwas schenkt.
Wir möchten ungefähr 60 schöne Geschenkboxen zusammenstellen – mit kleinen Geschenken, Weihnachtsplätzchen und einem persönlichen Weihnachtsgruß.
Und ganz wichtig: Das soll im Verborgenen passieren. Wir möchten niemanden stigmatisieren. Wir brauchen keine Fotos von einzelnen Übergaben.
Was war euer bisher schönster Moment im Kleinen Spukhaus?
Als wir 2021 nach der Corona-Pause wieder öffnen durften. Da habe ich heute noch Pipi in den Augen. Die Corona-Zeit war für alle hart. Wir hatten damals ein riesiges Hygienekonzept mit festen Terminen, QR-Codes und einer Süßigkeitenrutsche, damit Abstand gehalten werden konnte. Wir mussten wegen der Corona-Vorgaben immer wieder umplanen. Umso schöner war es, als wir unsere Türen schließlich wieder öffnen konnten.
Was macht euch jedes Jahr aufs Neue nervös?
Das Wetter! Regen ist gar nicht das Schlimmste. Aber Sturm ist wirklich problematisch. Unsere großen Aufbauten sind mehrere Meter hoch. Ab etwa 80 km/h müssen wir abbauen.
Letztes Jahr mussten wir deshalb kurzfristig alles wieder auseinandernehmen, obwohl wir eigentlich komplett fertig waren. Dann stehen plötzlich alle Freunde, Familie und Kollegen hier und packen mit an. Einer kommt nach der Arbeit, jemand anderes nach der Schule und dann wird gemeinsam wieder aufgebaut. Ohne diese Unterstützung würde das alles nicht funktionieren.
Wenn ihr Dortmund für einen Tag in ein riesiges Spukhaus verwandeln könntet: Welcher Ort müsste unbedingt dabei sein?
Am Flughafen könnte man richtig viel machen. Mit den Transportbändern und der ganzen Bewegung wäre das bestimmt spannend.

















