Am westlichen Ende des Phoenix-Sees erinnert inzwischen kaum noch etwas an die ehemalige Tull-Villa. Das historische Gebäude ist mittlerweile vollständig abgerissen, auf dem Gelände liegen nur noch Schuttreste und Trümmer. Damit verschwindet eines der letzten sichtbaren Zeugnisse der früheren Industriegeschichte rund um das ehemalige Hoesch-Gelände endgültig aus dem Stadtbild.
Noch vor wenigen Wochen hatten Bauzäune und erste Abrissarbeiten viele Spaziergänger neugierig gemacht. Inzwischen ist vom einst markanten Gebäude kaum noch etwas übrig. Besonders vom Bereich der Sparkassenakademie aus wird deutlich, wie leer die Fläche mittlerweile wirkt. Wo früher die alte Villa stand, befindet sich heute nur noch ein Trümmerfeld.
Gebäude mit Geschichte
Die sogenannte Tull-Villa wurde bereits 1893 errichtet und nach dem früheren Werksdirektor Ludwig Tull benannt. Das Gebäude gehörte einst zur Hermannshütte beziehungsweise später zum Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein sowie zum Hoesch-Hüttenwerk Phoenix-Ost. Mit ihrer Jugendstil-Architektur galt die Villa lange als Erinnerungsstück an die industrielle Vergangenheit Hördes. Nach dem Ende der Stahlproduktion stand das Gebäude allerdings viele Jahre leer und verfiel zunehmend. Immer wieder gab es Ideen für eine neue Nutzung. Unter anderem wurden eine Musikakademie und verschiedene Gastronomiekonzepte diskutiert. Auch der geplante Einzug der Gastronomiekette „Bar Celona“ scheiterte bereits vor Jahren.
Sanierung nicht mehr möglich
Im Laufe der Zeit verschlechterte sich die Bausubstanz massiv. Ein Baustopp infolge der Insolvenz eines früheren Eigentümers verschärfte die Schäden zusätzlich. Nach Angaben der Stadt Dortmund war eine wirtschaftliche Sanierung zuletzt nicht mehr realistisch. Zudem lief Anfang 2024 die letzte Baugenehmigung aus. Auch Forderungen nach einem Denkmalschutz blieben erfolglos. Die Stadt stellte mehrfach klar, dass die Villa offiziell kein Denkmal sei. Eigentümerin der Immobilie war zuletzt die Dortmunder Unternehmerfamilie Heinig. Das Gebäude gehörte zur BH Holding GmbH, dem Mutterkonzern des Discounters Tedi. Die Holding hatte die Villa bereits 2020 übernommen.
Vom Problemfall zum freien Grundstück
Mitte April 2026 begannen zunächst die Entkernungsarbeiten, kurz darauf folgte der eigentliche Abriss. Innerhalb weniger Wochen verschwand das Gebäude nahezu vollständig. Während rund um den künstlich angelegten See in den vergangenen Jahren zahlreiche hochwertige Wohn- und Geschäftsgebäude entstanden, blieb die Tull-Villa lange als verfallenes Relikt der alten Industriezeit zurück.

Über Jahre entwickelte sich die Villa damit zu einem der bekanntesten „Lost Places“ in Dortmund. Während rund um den Phoenix-See moderne Wohnhäuser, Restaurants und Bürogebäude entstanden, verfiel das historische Gebäude immer weiter – mitten in einer der begehrtesten Lagen der Stadt. Viele Spaziergänger blieben regelmäßig vor dem abgesperrten Gelände stehen, fotografierten die bröckelnde Fassade oder warfen neugierige Blicke durch beschädigte Fenster ins Innere der alten Villa. Zwischen Bauzäunen, Graffiti und überwucherter Fläche wirkte das Gebäude zuletzt wie aus einer anderen Zeit – und zugleich wie ein starker Kontrast zum modernen Image des Phoenix-Sees.
















