Die Bergmann Brauerei hat ihren Generationenwechsel offiziell abgeschlossen. Seit dem 15. April führen Carlo Raphael und Felix Moritz gemeinsam die Geschäfte des Dortmunder Unternehmens. Die Gründer Herbert Prigge und Thomas Raphael haben sich nach fast zwei Jahrzehnten aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, bleiben der Brauerei jedoch weiterhin als Gesellschafter erhalten.
Die Geschichte der heutigen Bergmann Brauerei begann bereits im Jahr 2007. Damals sicherten sich Thomas Raphael und Herbert Prigge die Rechte an der traditionsreichen Marke Bergmann, die es ursprünglich bis in die 1970er-Jahre in Dortmund gegeben hatte. Schritt für Schritt bauten sie die Brauerei neu auf und entwickelten daraus eine feste Größe in der Dortmunder Gastronomieszene. Mit dem Generationenwechsel übernehmen nun zwei Geschäftsführer, die beide schon seit Jahren eng mit dem Unternehmen verbunden sind.
Von den ersten Bierkisten bis zur Geschäftsführung
Für Carlo Raphael, Sohn von Mitgründer Thomas Raphael, begann die Verbindung zur Brauerei bereits lange vor seinem offiziellen Einstieg. „Ich bin eigentlich schon seit immer an der Seite der Bergmann Brauerei unterwegs gewesen“, erzählt der 32-Jährige. Als Jugendlicher half er dabei, Bierkisten mit Bergmann-Aufklebern zu bekleben, später verkaufte er im Kiosk am Hohen Wall Flaschenbier.
Während seines Studiums kümmerte er sich außerdem um den Ausbau der Social-Media-Kanäle der Brauerei. Beruflich schlug er zunächst einen anderen Weg ein: Wie sein Vater studierte Carlo Raphael Pharmazie und arbeitete anschließend zwei Jahre in der Pharmaindustrie. Der Wunsch, irgendwann fest bei Bergmann einzusteigen, blieb dennoch bestehen.
„Mein Vater hatte mir lange davon abgeraten. Er hat immer gesagt: ,Du bist doch Apotheker, mach das doch weiter.‘ 2024 wechselte Carlo Raphael schließlich vollständig in die Brauerei, zunächst als Projektleiter. Seit April gehört er offiziell zur Geschäftsführung.
Felix Moritz stieg dagegen Anfang 2020 in das Unternehmen ein – unmittelbar vor Beginn der Corona-Pandemie. Seine Aufgabe war der Aufbau des Gastronomievertriebs. „Das war jetzt kein Raketenstart“, sagt der 33-Jährige rückblickend mit einem Schmunzeln. Die Gastronomie stand damals zeitweise nahezu still. Trotzdem gelang es der Brauerei, ihre Präsenz in Dortmunder Kneipen, Bars und Veranstaltungsorten weiter auszubauen. 2023 wurde Moritz bereits Teil der Geschäftsführung und gehört zudem zu den Gesellschaftern des Unternehmens.
Wachstum trotz schwierigem Biermarkt
Während viele große Brauereien in Deutschland mit sinkendem Bierkonsum und schwierigen Marktbedingungen kämpfen, wächst die Bergmann Brauerei weiter. Für die beiden Geschäftsführer liegt das vor allem an der engen Verbindung zur Stadt.
„Mit unserer Marke können sich hier in Dortmund mittlerweile viele Menschen identifizieren“, sagt Carlo Raphael. Besonders die eigenen Standorte wie die Stehbierhalle auf Phoenix West, der Ausschank am Phoenix-See oder der Kiosk am Hohen Wall hätten dazu beigetragen. „Wir bieten Orte, wo Menschen zusammenkommen können und miteinander ins Gespräch kommen können.“
Auch Felix Moritz betont die klare lokale Ausrichtung der Marke. „Wir haben keine Fantasien, aus Bergmann eine nationale Marke zu machen. Die Marke passt gut nach Dortmund und Umgebung und ist hier authentisch.“ Nach Angaben der Geschäftsführung beschäftigt die Brauerei inzwischen mehr als 80 Mitarbeiter und erzielt einen mittleren siebenstelligen Jahresumsatz – bei weiterhin wachsender Tendenz.
Neue Standorte und alkoholfreie Biere geplant
Trotz des klaren Fokus auf Kontinuität gibt es bereits konkrete Pläne für die Zukunft. Besonders der Ausbau der eigenen Gastronomie spielt dabei eine wichtige Rolle. „Uns macht das wahnsinnig Spaß, uns auch gastronomisch zu betätigen“, erklärt Felix Moritz. Vor allem die südliche Innenstadt steht aktuell im Fokus möglicher Erweiterungen. Die Brauerei würde sich dort gerne mit einem weiteren Ausschankstandort ansiedeln. Auch beim Sortiment soll die Entwicklung weitergehen. Neben den zahlreichen bestehenden Biersorten arbeitet Bergmann derzeit an zusätzlichen alkoholfreien Varianten. Ein drittes alkoholfreies Bier befindet sich bereits in Planung. „Wir wollen zeigen, dass alkoholfreies Bier auch wirklich Spaß machen kann“, sagt Moritz.
„Hütet die Marke“
Einen Rat hätten Herbert Prigge und Thomas Raphael der neuen Geschäftsführung besonders mitgegeben: „Hütet die Marke Bergmann“, erzählt Carlo Raphael. Für die beiden bedeutet das vor allem, die Brauerei authentisch, bodenständig und nah an Dortmund weiterzuentwickeln. Respekt vor der Verantwortung haben beide Geschäftsführer durchaus. Angst jedoch nicht. „Die Dortmunder haben Spaß an diesem Projekt“, sagt Felix Moritz. „Wir kriegen ganz viel Zuspruch für das, was wir hier tun.“ Und obwohl die Bergmann Brauerei inzwischen fest zur Dortmunder Bierlandschaft gehört, sehen die beiden weiterhin großes Potenzial. „Vielleicht machen wir aktuell ein Prozent des Dortmunder Biermarkts aus“, schätzt Moritz. „Da haben wir noch ordentlich Möglichkeiten, unseren Fußabdruck in Dortmund zu vergrößern.“

















