An der „Gesamtschule im Süden“ ist es die „erste richtige Anmeldung“, die Familien vom 26. Januar bis zum 1. Februar vornehmen können, formuliert Schulleiterin Henrike Nolte: „Jetzt werden wir tatsächlich das erste Mal an dem gemessen, was wir geleistet haben.“ Im vergangenen Jahr mussten die Familien auf einen Internetauftritt vertrauen, denn die „Gesamtschule im Süden“ hat sich erst zum laufenden Schuljahr gegründet.
Die „Schülerströme“ zu Dortmunds Gesamtschulen
Seit dem Sommer teilt sich die neue Gesamtschule ein Gebäude mit der Johann-Gutenberg-Realschule, die nach und nach „abgewickelt“ werden soll, so Nolte. Der fünfte Jahrgang bildet nun die gesamte Schüler:innenschaft der „Gesamtschule im Süden“, während die Realschule bereits über keinen fünften Jahrgang mehr verfügt. Ab dem Sommer 2028 sollen am Lieberfeld – natürlich neben der benachbarten Grundschule – dann nur noch Gesamtschüler:innen unterrichtet werden.
Momentan besuchen 107 Kinder die „Gesamtschule im Süden“ – von 108, die dort Platz finden. Der Schüler, der die Schule inzwischen wieder verlassen hat, ist für Schulleiterin Nolte ein gutes Beispiel für ein einschlägiges Problem Dortmunder Kinder und Jugendlicher, die eine Gesamtschule besuchen. Überall in der Stadt seien „Schülerströme von einem Ort in Dortmund zu einem anderen“ zu beobachten, weil die Gesamtschuldichte nicht ausreiche. Von daher begrüßt die Schulleiterin die Planungen, eine weitere Gesamtschule in Eving zu gründen, „damit sie nicht so viel unnütze Zeit im Bus verbringen“. Auch den betreffenden Schüler überforderte die lange Fahrtzeit von seinem Wohnort Höchsten aus, weshalb er inzwischen eine Schule in Schwerte besucht.
Der Wert „lebenspraktischer“ Lerninhalte
Dass Eltern sich trotz weiter Wege für die Gesamtschule entscheiden, kann Nolte nachvollziehen. „Das Tolle an der Gesamtschule“ ist für die Schulleiterin, „dass sich die Kinder wirklich noch entwickeln können“. Sie selbst sei als Kind „todesschüchtern“ gewesen, sodass damals niemand geglaubt habe, dass sie einmal am Goethe-Gymnasium ihr Abitur machen würde. Dennoch glaubt die ehemalige Schulleiterin der Fine-Frau-Grundschule: „Für einige Kinder ist einfach die Hauptschule die bessere Wahl“, weil dort mehr Raum für „lebenspraktische Dinge“ zur Verfügung stehe. Dementsprechend hoffe sie nicht, dass die Befürchtungen, Hördes Hauptschule werde unter der Gründung einer Gesamtschule aufgrund zurückgehender Nachfrage leiden, Wirklichkeit werde: „Die Konrad von der Mark macht richtig gute Arbeit!“
Die Berufsorientierung will Nolte jedoch auch am Lieberfeld verstärkt in den Blick nehmen: „Da muss der Arbeitsmarkt bekannter gemacht werden. Was gibt es denn überhaupt?“ Aus Sicht der Schulleiterin kann dieses Thema „nicht früh genug angebahnt werden“. Noch einen Schritt weiter geht sie, wenn sie an die Schüler:innen mit Beeinträchtigung denkt. Für beide Seiten sieht sie es durchaus als Chance, im Sekretariat oder beim Hausmeister Arbeitsplätze zu schaffen, die diese jungen Menschen ausfüllen könnten.

Die Schulgemeinschaft als demokratisches und freudebringendes Ziel
Zu solch demokratischen Haltungen möchte Nolte auch die Kinder erziehen, ihnen sowohl ihre Möglichkeiten als auch ihre Pflichten aufzeigen und den „Respekt voreinander“ im Schulleben verankern: „Wir leben hier einfach eine Gemeinschaft.“ Ein Klassenrat ist bereits installiert und eine Schüler:innenvertretung angebahnt. Auch der Kontakt zur Koordinierungsstelle „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist hergestellt.
Weitere Initiativen des momentan aus 17 Menschen bestehenden Personals heißt Nolte herzlich willkommen und zeigt sich erfreut: „Die Kollegen haben ein anscheinend unerschöpfliches Repertoire an Ideen.“ Ein Schulgarten, sportliche Aktionen, ein Sportevent mit der benachbarten Lieberfeld-Grundschule sowie ein Medienscouts-Projekt, eventuell ebenfalls als Kooperation mit der Grundschule, sind bereits auf den Tisch gekommen. Eine Informatik-AG, die ein Vater leiten will, ist angebahnt.
Besonders hebt die Schulleiterin die Kooperation mit der TU Dortmund hervor. Gemeinsam mit der Uni will die Schule jedem Kind eine gegebenenfalls „digital gesteuerte Diagnostik“ anbieten, die ihm aufzeigen soll: „Wo sind meine Stärken und Schwächen?“ Dabei legt Nolte großen Wert auf die Frage: „Was bringen unsere Schüler denn mit?“ Mit Förder- und Forderkursen will die Schule zunächst im Bereich der Lesekompetenz auf die Diagnoseergebnisse reagieren. Das ist besonders gut durch die dichte Personaldecke möglich, die den Kindern aktuell ein „Team Teaching“ bietet, das heißt, Unterricht bei zwei Lehrkräften pro Unterrichtsstunde.

Neubau mit Mensa in Planung
Nach und nach soll sich so eine völlig neue Schule entwickeln, die auf neue Ideen und Möglichkeiten reagieren kann, gerade weil sie nicht in Traditionen verankert ist. Aber auch auf räumliches Wachstum ist die „Gesamtschule im Süden“ angewiesen, wird sie doch spätestens ab dem Jahr 2029 mehr Schüler:innen unterrichten als zuvor die Realschule, denn eine Gesamtschule ist bekanntlich eine Schulform mit Oberstufe. Doch die Mensa, in der das für Gesamtschulen verpflichtende Mittagessen angeboten wird, ist bereits jetzt zu klein. Über einen Neubau wird man also früher oder später nicht herumkommen. Erste Gespräche habe sie mit der städtischen Immobilienwirtschaft bereits geführt, berichtet Nolte, und „sie begeben sich jetzt in die Planungsphase“. Für die Schule heißt es an dieser Stelle also abwarten. Tee trinken wird aber wohl nicht nötig sein, hat sie doch bis dahin eine Menge anderer Projekte auf dem Zettel.

















