Hörde besitzt eine vielfältige Kunstszene. Wie groß sie tatsächlich ist, wurde Künstlerin Linn Schiffmann allerdings erst bewusst, als sie vor einigen Jahren selbst stärker in das kulturelle Leben des Stadtteils eintauchte. Die aus Aplerbeck stammende Künstlerin und Autorin hat nun 22 Kunstschaffende aus Hörde und der Umgebung in einem einzigartigen Buchprojekt porträtiert.
Über den Kulturladen in die Hörder Kunstszene
„Ich wusste überhaupt nicht, dass es hier so viele Künstlerinnen und Künstler gibt“, erzählt Schiffmann. Etwa seit 2022 sei sie zunehmend mit der Hörder Kulturszene in Kontakt gekommen. Eine wichtige Anlaufstelle war dabei der Kulturladen, in dem zunächst eine Bekannte von ihr ausstellte. Später engagierte sich Schiffmann selbst im Verein „KulturQuartier Hörde“. Über die Vereinsarbeit, Ausstellungen, Vernissagen und die ehemalige Galerie Friedrich 7 lernte sie immer mehr Kunstschaffende aus dem Stadtteil kennen. Dabei entstand die Idee, einige dieser Menschen und ihre Arbeiten ausführlicher vorzustellen. Schiffmann wollte zeigen, „wie vielfältig das Ganze ist, wie cool die Leute sind und wie offen“.
Interviews und Kunst miteinander verbunden
Ein klassisches Interviewbuch sollte es jedoch nicht werden. Schiffmann wollte auch selbst künstlerisch tätig sein. So entstand die Idee, die Gespräche mit eigens gestalteten Porträts zu verbinden. Mit allen Beteiligten führte sie ausführliche Interviews – meist in deren Ateliers oder Wohnungen. Anschließend fotografierte sie die Künstlerinnen und Künstler. Für die Porträts kombinierte sie diese Aufnahmen mit Fotografien aus Hörde.
Die Stadtansichten wurden ausgedruckt und anschließend von Schiffmann übermalt. Dabei ließ sie Teile der Fotografien bewusst sichtbar. So entstanden Bilder, in denen die porträtierten Menschen mit bekannten Orten aus Hörde verschmelzen. „Im Prinzip wird die Stadt durch die Künstlerinnen und Künstler erst bunt“, beschreibt Schiffmann die Idee hinter den Arbeiten.
Für ein fertiges Porträt benötigte Schiffmann häufig einen ganzen Tag. Hinzu kam die Zeit für die Fotografien in Hörde. Mehrfach war sie mit dem Fahrrad im Stadtteil unterwegs, um geeignete Perspektiven und Lichtverhältnisse zu finden.
Persönliche Gespräche statt glatter Antworten
Viele der im Buch vorgestellten Kunstschaffenden kannte Schiffmann bereits persönlich. Nur wenige lernte sie erst durch das Projekt kennen. Diese Vertrautheit habe die Interviews deutlich erleichtert. Die Gespräche zeichnete sie mit dem Handy auf und ließ die Beteiligten zunächst möglichst frei erzählen. „Viele hätten dabei irgendwann vergessen, dass das Gespräch aufgenommen wurde.“
Genau diese natürliche Atmosphäre wollte Schiffmann bewahren. Die Interviews wurden deshalb weitgehend in ihrer ursprünglichen Form übernommen. Zwar durften alle Beteiligten ihre Aussagen vor der Veröffentlichung noch einmal prüfen, doch manche nachträglich überarbeiteten Antworten erschienen Schiffmann zu glatt oder zu verkopft. Besonders wichtig waren ihr die kleinen, persönlichen Aussagen.
„Das war dann genau nicht mehr das, was ich wollte“, sagt Schiffmann. Das Buch solle schließlich nicht nur die Kunst, sondern auch die Menschen dahinter zeigen.
Sechs bis acht Seiten pro Person
Jeder porträtierten Person sind im Buch etwa sechs bis acht Seiten gewidmet. Neben dem Interview und dem von Schiffmann gestalteten Porträt sind dort auch verschiedene Werkbeispiele zu sehen. Inhaltlich konzentriert sich das Buch auf bildende Kunst. Vertreten sind unter anderem Malerei, Fotografie und Collagen. Auch Tätowierkunst hätte nach Schiffmanns Verständnis grundsätzlich in das Konzept gepasst. Ein ursprünglich vorgesehenes Tattoo-Studio war allerdings bereits vor Abschluss des Projekts aus Hörde in die Innenstadt gezogen.
Daran zeige sich auch, dass das Buch nur eine Momentaufnahme sein könne. Bereits während der Entstehung seien einzelne Beteiligte umgezogen oder hätten Veränderungen in ihrem Leben angekündigt.
„Die Leute kommen und gehen. Das macht eine Kunstszene schließlich auch aus“, sagt Schiffmann.
Auch bei Künstlern, die Schiffmann schon länger kannte, erfuhr sie während der Gespräche noch viel Neues. Besonders beeindruckt habe sie ein mehr als einstündiges Interview, das sich stark um philosophische Fragen drehte.
„Dabei ging es etwa darum, warum Menschen Kunst machen und ob Künstlerinnen und Künstler eine besondere gesellschaftliche Aufgabe besitzen.“ erzählt Schiffmann. Das Gespräch habe sie dazu gebracht, auch die eigene Arbeit noch einmal anders zu betrachten.
Gerade diese Geschichten seien für Schiffmann besonders interessant. Ein Kunstwerk könne man betrachten und spontan schön oder weniger schön finden. Kenne man jedoch den Menschen und die Geschichte dahinter, verändere sich häufig auch der Blick auf das Werk.
Förderung durch das Hörder Bezirksmarketing
Ursprünglich wollte Schiffmann das Projekt vor allem auf den Hörder Postleitzahlenbereich 44263 begrenzen. Eine Förderung durch das Bezirksmarketing ermöglichte es ihr jedoch, den Blick auf den gesamten Stadtbezirk Hörde auszuweiten. Am Ende wurden 22 Künstlerinnen und Künstler aufgenommen.
Positive Reaktionen der Künstler
Fast alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler haben das fertige Buch inzwischen gesehen. Die Reaktionen seien durchweg positiv gewesen, berichtet Schiffmann.
Entstanden ist eine persönliche Bestandsaufnahme der Hörder Kunstszene, die nicht nur Werke zeigt, sondern vor allem die Menschen sichtbar macht, die hinter ihnen stehen.
Das Buch ist erhältlich über die ISBN 978-3-6963-8487-6 und kostet 25,00€
















