Zur insgesamt siebten Auflage des Hörder Forums durfte dessen Orga-Crew einen waschechten Bundespräsidenten-Kandidaten begrüßen. Bekannt allerdings ist der Politikwissenschaftler Dr. Christoph Butterwegge vor allem als einer der renommiertesten Armutsforscher des Landes, dessen Sichtweise naturgemäß nicht alle teilen, dessen Stimme aber immer wieder Gehör findet – und genau als solcher ordnete er Anfang April in Hörde aktuelle politische Entwicklungen und gesellschaftliche Gegebenheiten auf nationaler und europäischer Ebene ein.
Dabei fiel die Bewertung des 74-Jährigen eindeutig aus: Aus seiner Sicht ist der aktuellen, sich verschärfenden Situation nur durch mehr Initiative von staatlicher Seite beizukommen. Konkret benannte der Politikwissenschaftler drei Säulen: Eine sich z. B. in Form von höheren Mindestlöhnen oder einem Leiharbeits-Verbot manifestierende Re-Regulierung des Arbeitsmarkts, einer anderen Steuerpolitik inkl. stärkerer Belastung der hohen Einkommen sowie der Einführung einer Bürgergeldversicherung. Die Sorge vor einer Kapitalflucht ist aus Sicht Butterwegges im Übrigen nicht stichhaltig: Gerade ein funktionierender Sozialstaat sei die verlässlichste Grundlage für solides Wirtschaften.
Dass er den Einsatz bürgerschaftlicher Akteure im Kampf gegen Armut und deren Folgen sehr schätze, unterstrich der Politikwissenschaftler zudem ausdrücklich, mahnte aber auch: „Trotzdem muss es politische Lösungen geben.“
Zur Arbeit der erwähnten Initiativen und der herausfordernden Situation im Stadtbezirk schlug anschließend Petra Hampel vom Hörder Familienbüro den Bogen. Eine von ihnen, die Hörder „Kochpioniere“, hat mit ihrem Einsatz im Grunde genommen für eine Win/win-Situation gesorgt: Hat sich hier doch eigeninitiativ eine Gruppe Migrantinnen zusammengefunden, um einmal wöchentlich die Frauenübernachtungsstelle auf der Nortkirchenstraße zu bekochen. Ausgerechnet dieses Musterprojekt allerdings muss sich nach Auslaufen des Förderprogramms aktuell Sorgen um eine weitere Finanzierung machen.
Anschließend stellte sich die noch junge Initiative „FoodConnectRuhr“ den Gästen vor: Hier haben sich elf Frauen mit dem Ziel zusammengeschlossen, ein nachhaltiges regionales Ernährungssystem in der Region Dortmund zu etablieren. Erreichen möchte man dies nicht zuletzt durch faire Wertschöpfungsketten und den Aufbau cleverer Vernetzungen.
Auch der für alle Besucher:innen offene „Markt der Möglichkeiten“ zum Veranstaltungsende diente genau diesem Zweck: Wo möglich, Netzwerke zu schaffen und den engagierten Kräften im Stadtbezirk so ihre Arbeit im Kampf gegen soziale Ungerechtigkeiten zu erleichtern.

















