Mit der Schließung des „Stifts Krug“ an der Overgünne verliert Dortmund-Benninghofen nicht nur seine letzte klassische Eckkneipe, sondern auch ein Stück gelebter Stadtteilgeschichte. Öffentliche Chroniken oder detaillierte Dokumente zur Entstehung des Gebäudes sind zwar kaum vorhanden, dennoch ist die Gaststätte eng mit der Industrie-, Brauerei- und Alltagsgeschichte des Dortmunder Südens verbunden.
Ursprung des Namens: Die Hörder Brautradition
Der Name „Stifts Krug“ geht auf die ehemalige Stiftsbrauerei zurück, die 1867 von Eduard Frantzen in Hörde gegründet wurde. Damals entstanden zahlreiche Gaststätten, die eng mit den örtlichen Brauereien verbunden waren. Kneipen wie der „Stifts Krug“ oder das „Stifts-Eck“ galten als typische Viertels- und Arbeiterkneipen, in denen überwiegend das bekannte „Stifts Pils“ ausgeschenkt wurde.
Die Brauerei selbst trug ihren Namen wiederum in Anlehnung an das historische Hörder Clarissenkloster. Dieses wurde in den Jahren 1583 und 1584 in ein freiweltliches Frauenstift umgewandelt. So reicht die Namensgeschichte der Kneipe indirekt mehrere Jahrhunderte zurück.
Treffpunkt der „Malocher“
Mit der Industrialisierung entwickelte sich Hörde im 19. Jahrhundert rasant. Vor allem durch das nahegelegene Eisenwerk von Hermann Diedrich Piepenstock auf Phoenix-West wuchs die Bevölkerung in Hörde und Benninghofen stark an. Viele Arbeiterfamilien zogen in die Umgebung, das Viertel wurde zunehmend vom Leben der Stahl- und Bergbauarbeiter geprägt.
Gaststätten wie der „Stifts Krug“ übernahmen dabei eine wichtige soziale Funktion. Sie galten über Jahrzehnte als „verlängertes Wohnzimmer“ der sogenannten Malocher. Nach der Schicht traf man sich dort auf ein Feierabendbier, sprach über die Arbeit, den Alltag oder den Fußball. Gleichzeitig waren solche Kneipen zentrale Treffpunkte im Viertel, an denen Neuigkeiten und Geschichten weitergegeben wurden.
Letzte klassische Eckkneipe in Benninghofen
In den vergangenen Jahren stand der „Stifts Krug“ zunehmend symbolisch für den Wandel im Dortmunder Süden. Während sich rund um den Phoenix-See moderne Wohn- und Geschäftsviertel entwickelten, blieb die kleine Kneipe an der Overgünne nahezu unverändert.
Die jahrzehntealte Holz-Inneneinrichtung, der klassische Kneipencharakter und die vertraute Atmosphäre machten den „Stifts Krug“ für viele Gäste zu einem nostalgischen Rückzugsort. Gleichzeitig galt die Gaststätte als letzte verbliebene Eckkneipe im traditionellen Stil in Benninghofen.
Abriss beendet ein Stück Stadtteilgeschichte
Mit dem geplanten Abriss des Gebäudes endet nun auch dieses Kapitel der Benninghofer Gastronomiegeschichte. Auf dem Grundstück soll moderne Wohnbebauung entstehen. Wann genau der Abriss erfolgt bzw. der start des Neubaus beginnt ist noch offen. Zum 30. Juni verließ der bisherige Wirt und Pächter das Gebäude.

















