Der TV Hörde durfte in der vergangenen Saison in die zweithöchste Spielklasse Deutschlands nachrücken, die Sparda 2. Liga Pro. Von Anfang an war der Aufenthalt dort aber auf Zeit angelegt: Schon früh in der Saison stellte der Verein klar, dass es im Anschluss unabhängig vom sportlichen Abschneiden wieder zurückgehen würde – in die dritthöchste Spielklasse, die 2. Bundesliga Nord. Die Spielerinnen Isabelle Rosmus und Anna Böhm ordnen im Gespräch ein, was dieses Jahr dem Verein gebracht hat, und blicken voraus auf den spannenden Neuaufbau in der neuen alten Liga.
Der Rückblick: Lehrreich, aber auch teuer
Sportlich reichte es gegen die finanzstärkeren Teams der Liga, die sich ausländische Profispielerinnen leisten konnten, selten zu einem Sieg – viele Partien gingen knapp in engen Sätzen verloren. Am Tabellenende stand der TV Hörde dennoch nicht, und für Isabelle Rosmus überwiegt im Rückblick klar der Lerneffekt: „Gelernt haben wir auf jeden Fall viel. Vor allem mit Niederlagen umzugehen – das hatten wir vorher so noch nicht erlebt.“ Bemerkenswert sei gewesen, wie stabil die Stimmung im Team trotz der sportlichen Rückschläge geblieben ist: „Ich glaube, man kann fast sagen, es gab nicht einmal negative Stimmung. Die Mannschaft hat das gut verkraftet, obwohl nicht alles so lief, wie man es sich erhofft hatte.“
Die eigentliche Belastungsprobe lag aber abseits des Feldes: in den langen und kostspieligen Auswärtsfahrten quer durchs Land, bis zu viermal Richtung München. „Es war immer am teuersten, wenn wir einen Reisebus nehmen mussten. Mit der Bahn ist es meistens sogar günstiger nur nicht immer möglich“, erklärt Rosmus. Diese finanzielle Realität war letztlich der Grund, warum der Verein an seiner Entscheidung festhielt, nach dieser einen Saison wieder eine Liga tiefer anzutreten.
Der Umbruch: Neue Gesichter, vertraute Konstanten
Mit dem Wechsel in die 2. Bundesliga Nord verändert sich auch der Kader spürbar. Sieben Spielerinnen hat der TV Hörde verloren, darunter langjährige Leistungsträgerinnen – bekanntester Abgang ist die 19-jährige Emma, die für ein Studium in die USA gewechselt ist. Sechs Neuzugänge rücken nach, im Schnitt ca. 22 Jahre alt und damit deutlich jünger als der bisherige Mannschaftsschnitt. Drei von ihnen bringen bereits Erfahrung aus der Sparda 2. Liga Pro mit, eine weitere stammt erstmals seit Jahren wieder aus der eigenen Jugendabteilung. „Da sind wir besonders Stolz drauf, die Durchlässigkeit aus der eigenen Jugend hat in den vergangen Jahren nicht so gut funktioniert“, meint Böhm.
„Ich finde, dass unsere Neuzugänge total gut zu uns passen. Sie haben sich eigentlich reibungslos integriert, da gab es bislang überhaupt keine Reibereien“, sagt Anna Böhm. Erleichtert habe die Integration, dass man sich über den regionalen Volleyball zum Teil ohnehin schon kannte. Zusätzlich Auftrieb bringen zwei Rückkehrerinnen: Eine Spielerin kommt nach über einem Jahr Pause wegen einer Knieverletzung zurück und ist mittlerweile wieder fest im Training integriert – „ich glaube, dass sie in dieser Saison zum ersten Mal wieder richtig auf dem Spielfeld stehen wird“, so Böhm. Eine zweite Spielerin kehrt nach der Geburt ihres Kindes ins Team zurück, ein genauer Termin dafür steht noch nicht fest.
Konstanz gibt es dagegen an der Seitenlinie. Dass Trainerin „Teee“ Slacanin-Williams geblieben ist, war für den Zusammenhalt im Team entscheidend: „Fast alle Spielerinnen haben vor der Saison gesagt, sie bleiben nur, wenn Teee bleibt“, berichtet Böhm. Auch das Trainerteam um sie herum hat sich inzwischen gefunden: Co-Trainer Jimmy, zuvor im Herrenbereich aktiv, gilt mittlerweile als Ruhepol neben der energiegeladenen Cheftrainerin, unterstützt an Spieltagen von Teees Ehemann Dajan. Unverändert bleibt zudem die Organisation der Übertragungen: Der Verein streamt die Spiele weiterhin selbst, kostenlos zu sehen bei Dyn.
Der Ausblick
Angesichts des personellen Umbruchs fällt die Zielsetzung für die neue Saison bewusst zurückhaltend aus: „obere Tabellenhälfte. Dadurch, dass es ein ziemlicher Umbruch ist, muss die Mannschaft erst spielerisch zusammenwachsen. Dass wir uns alle gut verstehen, ist das eine – aber jetzt müssen die Leute auch auf dem Feld zueinanderfinden“, sagt Rosmus. Wichtiger als das Ergebnis vom ersten Spieltag sei ohnehin die Entwicklung von Woche zu Woche – eine Haltung, die Trainerin Slacanin-Williams selbst vorlebt.
Besonders freut sich das Team auf das Duell mit dem „Lokal-Rivalinnen“ vom Sorpesee, sowie auf ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern bei einem Gastspiel in Düsseldorf. Auch die Auswärtsfahrt nach Berlin, verbunden mit einer Übernachtung, gilt schon jetzt als Höhepunkt im Terminkalender.

















