„Wir können jetzt den größten Scheiß machen. Und wenn einer sagt, da gehe ich nicht mehr hin – tja…“ Denn nun ist es endgültig vorbei und wie das Urteil der Gäste im Wohnzimmer Live im Piepenstock ausfiel, ist für Kulturwirt Marco Rudolph zumindest aus ökonomischer Perspektive unerheblich. Er orientiert sich nun neu und sein Kulturort hat die Türen nach dem samstäglichen Abschiedskonzert geschlossen.
Wenn ein Kulturort zu teuer wird
„Meine Freundin“ hieß eines der ersten Lieder, die Marco Rudolph und Guido Schlösser als „Systemlieferant“ am Samstag auf die Bühne brachten. Und genau dem, was die Liebste im Song kritisiert, begegnet Rudolph mit seiner Entscheidung, das Wohnzimmer im Piepenstock aufzugeben. Denn nun antwortet er auf die Frage „Willst du denn von Luft und Liebe leben?“ mit einem klaren Nein. Die Warmmiete der Lokalität an der Schildstraße hatte sich zuletzt verdoppelt und Rudolph bezahlte schließlich mehr für sein Projekt als er einnahm. Zwar dankte er seiner Frau für ihre Bereitschaft, ihn mit ihrer Erwerbstätigkeit zu unterstützen, will ihr aber nicht mehr zumuten, ihn auszuhalten.
„Auf meiner Party habt ihr euch verliebt, Marco!“, rief beim Abschiedskonzert ein Gast in Richtung Bühne und tat damit, was man bei Abschieden gelegentlich tut: Er schaute zurück auf die gemeinsame Zeit und auf das, was in Erinnerung bleiben soll. Melancholie kam dabei jedoch nicht auf. Stattdessen freute man sich auf das, was nun kommen wird.
Fortsetzung folgt
„Wenn du Lust hast: Wir brauchen dich“, lud Helmer Lennertz den Kulturwirt vor einigen Monaten ein, in die Programmplanung für den Berghofer Steigerturm einzusteigen. Von Beginn an hatte Lennertz das Wohnzimmer begleitet, hatte die Tontechnik aufgebaut, bei Konzerten für den passenden Sound gesorgt. Gleichzeitig kümmerte er sich um die Konzertplanung bei Unsere Mitte Steigerturm e. V. Sobald der momentane Umbau des Steigerturms abgeschlossen ist, soll das Musikprogramm laut Lennertz an der Berghofer Schulstraße weitergehen und „da ist Marco ein wichtiger Teil“.
Auch Rudolphs „Systemlieferant“-Kompagnon Schlösser blickt vor allem nach vorn: „Wir wollen weitermachen, das Duo ist ja nicht an den Ort hier gebunden.“ Dennoch findet er es „schade“, dass an der Schildstraße nun Schluss ist: „Das war ja auch mein Wohnzimmer.“ Doch für die Räumlichkeiten gibt es erste Pläne aus Vermieterinnenhand, die ein Musiker-Team durchaus mit einschließen könnten.

















