In Hörde sind am 10. November zehn neue Stolpersteine verlegt worden. Die kleinen Messingtafeln im Gehweg erinnern an Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt, verschleppt oder ermordet wurden. Organisiert wurde die Verlegung im Auftrag des Künstlers Gunter Demnig vom Jugendring Dortmund gemeinsam mit dem Friedhofsamt. Rund 100 Schülerinnen und Schüler sowie zahlreiche Lehrkräfte und Gäste nahmen an den Gedenkstationen teil.
Ein Schwerpunkt lag an der Beukenbergstraße, wo fünf Steine für die Familie Grüneberg gesetzt wurden. Deren Lebenswege sind eng mit der Verfolgung jüdischer Familien während des Nationalsozialismus verknüpft. Angehörige wie Ruth Prinz, die Großnichte von Hugo Grüneberg, waren vor Ort und erinnerten an die Geschichte ihrer Familie, von der insgesamt 67 Mitglieder ermordet wurden. Ihre Worte machten deutlich, wie wichtig das Erinnern für die Nachkommen ist:
„Es ist sehr bewegend für mich, zu wissen, dass hier Verwandte, der Onkel meines Vaters, von dem er öfter mal erzählt hat, gelebt hat und der Cousin, die Cousinen meines Vaters, die hier gelebt haben und dass heute der Familie gedacht wird, das ist bewegend für mich. (…)Mein Vater hat das Konzentrationslager Auschwitz überlebt, er hat etwas erzählt, aber hat nicht sehr viel erzählt von seinen Erlebnissen. Alles, was ich wusste, war eben, dass seine Eltern, sein Bruder seine jüngste Schwester in den Konzentrationslagern ermordet wurden und er mit schlimmen Erlebnissen überlebt hat.“
Rechercheprojekt verbindet Dortmund und Zwolle
Die umfassenden Recherchen zur Familie Grüneberg stammen aus dem deutsch-niederländischen Projekt „Following Traces“, einer Kooperation des Karl-Schiller-Berufskollegs, des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks sowie einer Partnerschule in Zwolle. Schülergruppen beider Länder hatten in Archiven geforscht und die Biografien zusammengetragen. Vertreterinnen und Vertreter des Projekts waren ebenfalls bei der Verlegung anwesend und trugen Ergebnisse ihrer Arbeit vor.
Auch das Goethe-Gymnasium beteiligte sich mit rund 60 Jugendlichen. Für die Schule hat die Erinnerung an ehemalige Schülerinnen einen besonderen Stellenwert – auch Edith Grüneberg hatte dort einst gelernt. Mit Texten und Liedern begleiteten die Schülerinnen und Schüler die Gedenkfeiern.
Weitere Stolpersteine wurden anschließend in der Bahnhofstraße für Mitglieder der Familie Schwabe sowie an der Seekante für Grete Speier gesetzt. Alle diese Menschen wurden 1942 mit einem Deportationszug vom Dortmunder Südbahnhof ins besetzte Polen verschleppt. Niemand aus diesem Transport überlebte.
Mit den neuen Stolpersteinen wächst das dezentrale Erinnerungsmal weiter und hält das Gedenken an die Opfer wach – sichtbar im Alltag, direkt vor den Häusern, in denen sie lebten.
















