Mit bundesweit geschlossenen Apotheken und rund 25.000 Demonstrierenden in mehreren Großstädten hat die Branche ein deutliches Zeichen gesetzt. In Berlin, Düsseldorf, Hannover und München gingen Apothekerinnen und Apotheker gemeinsam mit ihren Teams auf die Straße, um auf die wirtschaftlich angespannte Lage aufmerksam zu machen.
Auch aus Dortmund beteiligten sich Apotheken an den Protesten. So war unter anderem die Protklus Apotheke bei der Kundgebung in Düsseldorf vertreten und setzte gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen ein sichtbares Zeichen für bessere Rahmenbedingungen.
Protest gegen jahrelangen Honorarstillstand
Ausgerufen wurde der Protesttag von der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Deren Präsident Thomas Preis machte bei der Kundgebung in Düsseldorf deutlich, wie ernst die Situation ist: „Apotheken gibt es nicht zum Nulltarif. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass die Apotheken seit Jahren unterfinanziert sind.“
Preis warnte zugleich vor den Folgen: „Für die Menschen in Stadt und Land verlängern sich mit jeder geschlossenen Apotheke die Wege zur nächsten heilberuflich geführten Apotheke.“ Seine Forderung richtet sich klar an die Politik: „Wir fordern deshalb die Bundesregierung auf, das Apothekenhonorar endlich zu erhöhen.“ Mit Blick auf die Bundesregierung appellierte er: „Frau Bundesgesundheitsministerin, handeln Sie jetzt! […] Der Honorarstillstand muss endlich ein Ende haben.“
Die Beteiligung am Protesttag war hoch. Allein in Düsseldorf kamen rund 10.000 Menschen zusammen, bundesweit summierten sich die Teilnehmerzahlen auf etwa 25.000. Unterstützt wurde die Aktion auch durch eine Online-Petition, die laut ABDA bereits fast 100.000 Unterschriften erreicht hat.
Deutlicher Rückgang auch in Dortmund
Wie sich die Entwicklung konkret vor Ort auswirkt, schildert der Inhaber der Patroklus Apotheke in Hombruch Dr. Felix Tenbieg,. „Viele Apotheken stehen unter enormem Druck. Immer mehr schließen, bundesweit ist der niedrigste Stand an Apotheken seit fast 50 Jahren erreicht“, erklärt er. Auch Dortmund sei betroffen: „Gab es vor 20 Jahren noch 158 Apotheken, sind es jetzt noch 109 – ein Rückgang von 31 Prozent.“
Als Hauptursache nennt Tenbieg wirtschaftliche Faktoren. „Seit 2013 gab es keine Honoraranpassung für die Apotheken vor Ort, während die Kosten in allen Bereichen gestiegen sind. Das kann auf Dauer nicht gutgehen.“ Zwar gebe es eine gewisse Beteiligung an Preissteigerungen, diese reiche jedoch nicht aus, um die gestiegenen Kosten aufzufangen.
Versorgung vor Ort gerät unter Druck
Mit jeder Schließung verschlechtere sich die Versorgungslage, so Tenbieg weiter: „Die Menschen benötigen im Krankheitsfall eine Apotheke vor Ort, idealerweise in Pantoffelnähe.“ Gerade im Nacht- und Notdienst würden längere Wege zunehmend zum Problem.
Hinzu kommen steigende Anforderungen im Alltag. Bürokratie, Lieferengpässe und Personalkosten binden Ressourcen. „Dokumentationspflichten und die Suche nach den richtigen Abgaberichtlinien […] machen schlicht und einfach Arbeit – Zeit, die wir lieber für die Beratung und Betreuung von Patienten nutzen würden“, sagt Tenbieg.
Dabei leisten Apotheken weit mehr als die reine Medikamentenabgabe. Sie sichern die Versorgung an 365 Tagen im Jahr, organisieren Botendienste und stehen auch nachts bereit. „Nachts um drei liefert kein Paketbote das Durchfallmedikament für das Kleinkind“, so Tenbieg.
Forderung nach schneller politischer Lösung
Sowohl auf Bundes- als auch auf lokaler Ebene ist die Forderung eindeutig: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müssen verbessert werden. Im Koalitionsvertrag seien entsprechende Maßnahmen bereits vorgesehen, etwa zur finanziellen Stärkung und zum Bürokratieabbau.
Doch die Zeit drängt. „Diese Maßnahmen müssen jetzt zügig auf den Weg gebracht werden, sonst kommen sie für viele Vor-Ort-Apotheken zu spät“, warnt Tenbieg. Neben der medizinischen Versorgung gehe es dabei auch um soziale Strukturen im Stadtteil. Apotheken seien mehr als reine Ausgabestellen für Medikamente. „Sie sind ein wichtiger sozialer Anlaufpunkt für Fragen, Gespräche und persönliche Kontakte“, betont der Dortmunder Apotheker.

















