“Hier geht es wirklich nur um Kinder mit ihren Familien”, musste Bezirksbürgermeister Nils Berning im Rahmen der “Stunde der offenen Tür” in der Geflüchtetenunterkunft Weiße Taube am Dienstagnachmittag mehrfach betonen, einer “Stand-by-Einrichtung”, “die wir jetzt – leider, muss ich sagen – reaktivieren müssen”. Wiederholt stellte sich die Frage danach, wer denn hier einziehen solle, denn die Angst vor Konfliktpotenzial innerhalb der Einrichtung in der Nachbarschaft ist groß. So sorgten sich die Menschen, die zu der Veranstaltung in dem ehemaligen Seniorenheim erschienen waren, vor allem in Anbetracht alleinreisender Männer. Dass in den Statuten ausschließlich die Anzahl der Menschen von 170, die an der Weißen Taube unterkommen können, geregelt ist und man sich bezüglich der Zielgruppe auf die Aussagen der Beteiligten verlassen musste, sorgte besonders bei einem Besucher für wenig Entspannung. Und das stellte für die Menschen nicht den einzigen Knackpunkt dar.
“Autark wie in einer Wohnung”
Doch das Versprechen, dass an der Weißen Taube ausschließlich Familien mit Kindern unterkommen werden, steht und die Wahl der Einrichtung passe zu den Familien, wie Holger Wiedemann vom zentralen Wohnraummanagement der Stadt ausführte: “Sie können hier autark wie in einer Wohnung leben.” So ist jedes Zimmer mit einem eigenen Bad ausgestattet und die Gemeinschaftsküchen ermöglichen eine selbständige Verpflegung. Auch je fünf Waschmaschinen und Trockner stehen zur Verfügung, ebenso wie ein Kühlschrank für jedes Zimmer.
Rund 30 bis 35 Menschen wöchentlich sollen nun in den kommenden Wochen “peu à peu” hier unterkommen, so Wiedemann. Ob perspektivisch tatsächlich das volle Kontingent von 170 Plätzen ausgeschöpft werde, hänge von der Zusammensetzung der Familien ab.
“Die Schulen in unserem Bezirk sind voll”
Dass mit großer Wahrscheinlichkeit auch Schulkinder kommen werden, bereitete den Menschen aus der Nachbarschaft Sorgen – die Bezirksbürgermeister Berning gut nachvollziehen kann: “Die Grundschulen und die weiterführenden Schulen in unserem Bezirk sind voll.” Tatsächlich aber, beruhigte Sozialarbeiterin Elaine Yousef, die demnächst an der Weißen Taube tätig sein wird, hielten sich die Familien erfahrungsgemäß nur wenige Monate in der Einrichtung auf, bevor sie sich auf die Stadt verteilten. Auf diese Weise würden auch die Schulen rund um eine Geflüchtetenunterkunft für Familien nicht überlastet.
“Für Familien ist diese Anlage Weltklasse”
Jüngere Kinder finden in der Übergangseinrichtung ein Spielzimmer vor und neben einem großen Aufenthaltsraum, in dem beispielsweise Kinderbertreuung, Nähkurse, Fahrradwerkstätten oder Feiern stattfinden könnten, gibt es auch einen Raum für Sprachkurse, wie Stadtmitarbeiter Wiedemann ausführt: “An Räumlichkeiten soll es hier im Gebäude nicht scheitern.” Sieben Quadratmeter seien für jede geflüchtete Person vorgeschrieben, “aber wir machen das auf jeden Fall großzügiger”.
“Dahinter steht der Schutzgedanke”
Durch ihre Ausstattung mit einem Aufzug und einem Park unmittelbar hinter dem Gebäude sei “diese Anlage Weltklasse” für Familien, so Wiedemann. Jedoch soll das Gelände weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben, solange alles nach Plan läuft. Der Zugang von dem Areal aus in den Wald ist allerdings gesperrt, wie Prof. Dr. Ümit Kosan vom Verbund der sozial-kulturellen Migrantenvereine in Dortmund (VMDO), der die Einrichtung betreiben soll, die Frage einer Besucherin bestätigte: “Dahinter steht der Schutzgedanke, damit die Gefahrenlagen minimiert bis beseitigt werden können.” Konkret bezog er sich auf die geflüchteten Kinder, die nicht unkontrolliert in den Wald laufen sollen.
“Natürlich begrüßen wir Ihre Unterstützung sehr herzlich”
Mit seinen Ausführungen zur bereits bestehenden Absperrung reagierte Prof. Dr. Kosan auch auf die Sorge, dass sich mitten in Kirchhörde eine “Sicherheitszone” entwickeln könne. Vielmehr handele es sich trotz des Sicherheitsdienstes, der rund um die Uhr vor Ort sei, vor allem um einen “Ort, wo Menschen leben”, die sich über den Kontakt zur Nachbarschaft integrieren könnten: “Natürlich begrüßen wir Ihre Unterstützung sehr herzlich.” Für alle, die sich mit Sprachkursen, Freizeitangeboten oder auf andere Weise engagieren wollten, hatte der VMDO zur “Stunde der offenen Tür” eine Liste ausgelegt.
Aber auch in Zukunft sei der VMDO “hier jederzeit greifbar und sprechbar”, betonte Bezirksbürgermeister Berning, der sich jedoch auch selbst und seinen Stellvertreter Volker Schultebraucks als Ansprechpartner für engagierte Menschen anbot. Aus der Vergangenheit wisse er, mit welchem Herzblut sich die Menschen im Stadtbezirk für Hilfsbedürftige einsetzten: “Das finde ich klasse, erhalten Sie sich das bitte!” In der Tat meldete sich bereits im Rahmen der “Stunde der offenen Tür” ein Nachbar mit der Frage: “Wie kann man denn unterstützen? Wie kann man sich einbringen?” Schon ab Montag können die Engagierten an der Weißen Taube aktiv werden, denn dann sollen die ersten Familien einziehen.

















