Indra Bläsing gewinnt mit ihrem Gastrokonzept den Dortmunder Geschmackstalente-Wettbewerb und verwirklicht dieses nun mitten in Hombruch. Die verheiratete Dortmunderin und Mutter eines siebenjährigen Sohnes arbeitete jahrelang in der recht eintönigen Versicherungsbranche. Nun beginnt für sie ein neues Kapitel. Selbst bezeichnet sich Bläsing als eine Frau, die Farbe, Spaß und gute Laune um sich herum brauche. Genau diesen Spirit bringt die 35-Jährige nun mit ihrem Kreativcafé „Studio.in“ in den Hombrucher Ortskern.
Der Weg in die Selbständigkeit
Die Idee eines eigenen Cafés trug Bläsing lange mit sich herum, wohl wissend, dass hinter der romantischen Vorstellung viel Arbeit steckt. „Realistisch betrachtet ist das ein Haufen Arbeit. Ganz viel passiert im Hintergrund“, sagt sie. Mit Mitte 30 und ordentlich Tatendrang entschied sich Bläsing dann, ein Konzept zu entwerfen. Zufällig stieß sie dabei auf eine Kleinanzeige für das Ladenlokal an der Tannenstraße 1 in Hombruch. Über eine Freundin kam Bläsing dann zur Wirtschaftsförderung und besuchte ein Seminar eines Dortmunder Gründerzentrums. Dort machte die Leiterin sie auf den Wettbewerb „Geschmackstalente“ aufmerksam, und Bläsing bewarb sich. Die Zeit im Wettbewerb beschreibt sie rückblickend als Bereicherung, die weit über die Preisverleihung hinausging. „Das war so eine tolle Zeit und so eine super Bereicherung, einfach die Kontakte zu knüpfen und auch schon Leute aus der bestehenden Gastroszene kennenzulernen, sich da auszutauschen“, sagt sie. Besonders die Reaktionen aus der Szene hätten ihr Mut gemacht: „Diese Positivität einfach von den Menschen, dass alle so gesagt haben: Boah, cool, dass du dich das traust und dass du das machst, und wenn du Hilfe brauchst, dann sag Bescheid.“
Von zehn Kandidatinnen und Kandidaten, die es ins Finale schafften und ihr Konzept vor einer zehnköpfigen Jury pitchen mussten, ging Bläsing überraschend als Siegerin hervor. „Ich habe null damit gerechnet“, sagt sie. „Einen Businessplan musste ich sowieso schreiben, aber dann alles Schritt für Schritt mit jemandem zu machen, der das tagtäglich tut, war schon super hilfreich.“ Über zwei Monate trafen sich die Kandidatinnen und Kandidaten montags in wechselnden, bereits bestehenden Gastrobetrieben und erhielten kompakte Schulungen, etwa zu Personalplanung oder Kostenkalkulation. Besonders die betriebswirtschaftlichen Auswertungen bestärkten sie: „Es war mega, als wir die ganzen Auswertungen gemacht haben und Berechnungen gemacht haben. Dann kommt halt hinten raus: Das, was ich mir ausgedacht habe, das macht auch Sinn. Ich kann damit auch etwas Geld verdienen.“ Für Bläsing war das mehr als eine Zahl auf dem Papier – es war die Bestätigung, dass ihr Vorhaben kein bloßes „Hirngespinst“ ist. Der Sieg brachte zusätzlich eine Förderung von 15.000 Euro.
Konzept & Angebot
„Vielleicht habe ich auch einfach mit dem Konzept den Zahn der Zeit getroffen, dass die Leute wieder mehr rausgehen wollen, was zusammen machen wollen – einfach auch mal abschalten wollen vom Doomscrolling und Social Media.“ Konkret geplant sind neben dem klassischen Cafébetrieb mit stetig wechselnden Kreativangeboten auch kleine Workshop-Gruppen außerhalb der regulären Öffnungszeiten mit zehn bis zwölf Teilnehmenden, die bereits Ende September starten sollen. Fest stehen ein Acryl-Malworkshop mit Strukturpaste auf Leinwand, eine Schmuckwerkstatt mit Polymer-Knete, die im Ofen gehärtet wird und mit Gold- und Silberelementen zu Ohrringen verarbeitet werden kann, sowie ein Linoldruck-Workshop, bei dem Motive in Gummimatten geschnitzt und anschließend wie mit einem Drucker auf Papier oder Stoff übertragen werden.
Weitere Ideen für die Zeit nach dem Start gibt es bereits: Kinderangebote, eine Vater-Kind-Bastelaktion rund um den Muttertag und Kindergeburtstagsfeiern im Studio.in. Auch ein „After-Work-Creative-Club“ schwebt Bläsing vor – ein Ort, an dem man sich einfach einen Sitzplatz bucht, das eigene Strickzeug mitbringt oder vor Ort vorhandenes Material nutzt, statt allein zu Hause auf dem Sofa zu sitzen. So sehr das Konzept aktuell vor allem Frauen anspricht, betont Bläsing ausdrücklich ihre Offenheit für andere Zielgruppen: „Ich weiß, ich spreche eher die Frauen an, dieses ganze Bastelthema. Ich bin aber offen auch dafür, wenn mein Mann kommt und sagt: Ich habe die Idee. Fände ich auch mega cool.“

















