Die AWO-Kita an der Tetschener Straße in Dortmund-Hombruch steht vor dem Aus. Der Träger plant, die zweigruppige Einrichtung bis zum Sommer 2027 schrittweise zu schließen. Für viele Familien kommt die Entscheidung überraschend – und trifft sie tief.
Als die Nachricht bei einer kurzfristig einberufenen Elternversammlung bekanntgegeben wurde, sei die Stimmung im Raum sofort gekippt, berichten mehrere Eltern. Mit einer endgültigen Schließung habe niemand gerechnet. Noch Tage später liege „ein Knoten im Magen“.
Die Einrichtung betreut derzeit 45 Kinder. Neue Kinder werden bereits nicht mehr aufgenommen. 15 Kinder verlassen die Kita regulär im Sommer 2026, weitere 21 im Jahr 2027. Für die verbleibenden neun Kinder sollen frühzeitig Alternativen gefunden werden. Der Träger spricht von einem „geordneten Prozess“ und verweist auf Wechselmöglichkeiten in umliegende Einrichtungen.
„Mama, ich liebe alles!“
Wie sehr die Kita für die Kinder mehr ist als ein Betreuungsort, zeigen ihre eigenen Worte. Hanna (5) aus der Raupengruppe sagt auf die Frage, was sie an der Kita mag: „Mama, ich liebe alles!“ Ihre dreijährige Schwester Isabelle stimmt ein: „Mama, ich auch! Ich liebe das Bällebad und das kleine Dreirad draußen und alle Fahrzeuge.“ Und als es um die Erzieherinnen geht, stellt sie klar: „Mensch, Mama, ich habe doch gesagt, ich liebe alles hier, auch die Erzieherinnen.“
Sophia (3) plant gedanklich schon ihr nächstes Geburtstagsfest: „Wenn ich bald vier Jahre alt werde, dann feier ich ein grooooooßes Fest und lade alle meine Freunde ein!“ Auf die Nachfrage, wen sie einladen wolle, antwortet sie: „Na, die ganze Kita! Die Bienen und die Raupen!“
Luise (5) zählt auf, was für sie dazugehört: „Ich finde es schön in der Kita! Tina und Dina und Conny spielen immer Uno mit mir! Und es gibt so viele Puppen. Ich mag die Puppenecke.“ Besonders in Erinnerung bleiben ihr die Feste: „Sommerfeste und solche Sachen. Und Sankt Martin. Da gibt es immer Brezeln und die ganze Kita geht spazieren und wir haben Milly und Molly gesungen. Und wir feiern auch Karneval!“
Gleichzeitig wird deutlich, wie schwer die Situation für Kinder zu greifen ist. Luise erzählt: „Und die Kita soll bald einstürzen im nächsten Sommer, weil wir nicht so viel Geld für die Kita haben.“ Auf die Frage ihres Vaters, ob sie traurig sei, wenn es die Kita nicht mehr gebe, antwortet sie leise: „Ja.“
Bei einem Gespräch über die Zukunft der Einrichtung sollen ältere Kinder spontan vorgeschlagen haben: „Dann sammeln wir eine Millionen Euro und retten die Kita!“
Eltern sehen wachsende Belastung
Für viele Familien bedeutet die geplante Schließung nicht nur emotionale Unsicherheit, sondern auch organisatorische Herausforderungen. Geschwisterkinder wären unterschiedlich betroffen, Eingewöhnungen müssten parallel gemeistert werden, gewachsene Strukturen gingen verloren. Der ohnehin angespannte Kampf um Kitaplätze in Dortmund verschärft die Sorgen zusätzlich.
Hinzu kommt, was eine Mutter als „unsichtbare Care-Arbeit“ beschreibt: Gespräche führen, neue Plätze suchen, Anträge stellen, Termine koordinieren. „Das explodiert gerade“, sagt sie.
Viele Eltern betonen die besondere Atmosphäre der kleinen Einrichtung. Die Leitung sitze mit am Frühstückstisch, jedes Kind werde persönlich begrüßt, jede Erzieherin kenne die Bedürfnisse der Kinder genau. „Es ist wie eine Familie“, sagen mehrere Eltern übereinstimmend. Für die Kinder sei es ihr „zweites Zuhause“.

Finanzielle Gründe ausschlaggebend
Die AWO begründet die Entscheidung mit einer seit Jahren angespannten Finanzlage. Die Finanzierung über die gesetzlichen Pauschalen sei nicht auskömmlich, das Defizit zuletzt deutlich gestiegen. Man habe mit der Stadt über eine kostendeckende Förderung verhandelt, diese sei jedoch abgelehnt worden. Zusätzliche Belastungen durch veränderte Vorgaben und eine negativ festgesetzte Fortschreibungsrate hätten die Situation weiter verschärft.
Das Defizit einer zweigruppigen Einrichtung lasse sich dauerhaft nicht mehr aus Trägermitteln ausgleichen, heißt es. Für die Mitarbeitenden sollen Anschlussbeschäftigungen gefunden werden.
Im Jahr 2027 hätte die Kita ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. In Hombruch haben Eltern inzwischen eine Petition gestartet und suchen das Gespräch mit Politik und Träger. „Wir sind gerade das Sprachrohr unserer Kinder“, sagt eine Mutter. „Die können nicht sagen: Ich möchte meine Kita behalten. Aber wir können es.“ Ob die Schließung noch abgewendet werden kann, ist offen. Für die Kinder steht vor allem eines fest: „Ich liebe alles hier“, sagt Hanna. Und dieser Satz macht deutlich, was auf dem Spiel steht.

















