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Home Hombruch

Nationalspieler und Grundschullehrer Sven Stumpe

Der Weg zu den Paralympics in Mailand

von Wir in Dortmund (NK)
vor 3 Wochen
in Hombruch
Lesezeit: 4 Minuten
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Während er in Mailand auf dem Eis kämpfte, fieberten seine Schülerinnen und Schüler mit Plakaten beim Public Viewing. (Foto: Wir in Dortmund)

Während er in Mailand auf dem Eis kämpfte, fieberten seine Schülerinnen und Schüler mit Plakaten beim Public Viewing. (Foto: Wir in Dortmund)

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Wenn an der Kruckeler Grundschule plötzlich Eishockey auf dem Stundenplan steht, hat das einen besonderen Grund: Lehrer Sven Stumpe spielt bei den Paralympics für Deutschland. Während er in Mailand auf dem Eis kämpfte, fieberten seine Schülerinnen und Schüler mit Plakaten, Public Viewing und jeder Menge Begeisterung mit.

Wie sind Sie ursprünglich zum Para-Eishockey gekommen?

Ich habe schon als Kind viel Sport gemacht, vor allem Handball auf einem recht hohen Niveau. Das hat mich geprägt. Nach meinem Unfall war für mich aber klar, dass ich nicht komplett ohne Sport leben kann. Ich habe zunächst Rollstuhlbasketball ausprobiert, aber das war mir einfach zu wenig körperlich, zu wenig Action. Ich komme aus einer Sportart, in der es ordentlich zur Sache geht. Durch Zufall bin ich dann aufs Para-Eishockey gestoßen, habe Kontakt zu einer Mannschaft aufgenommen und bin direkt mit zu einem Spiel gefahren. Da war ich sofort angefixt – diese Mischung aus Geschwindigkeit, Körperlichkeit und Teamgeist hat mich direkt gepackt.

Wie schnell ging es dann für Sie in den Leistungssport?

Das ging tatsächlich schneller, als ich selbst gedacht hätte. Nach etwa einem Jahr wurde ich schon zu einem Lehrgang der Nationalmannschaft eingeladen. Ich hatte durch meine sportliche Vergangenheit natürlich Vorteile – Kondition, Spielverständnis und Ehrgeiz waren da. Außerdem ist der Sport in Deutschland nicht so breit aufgestellt, sodass man mit der richtigen Einstellung und körperlichen Voraussetzung relativ schnell auf ein höheres Niveau kommen kann.

Hat Ihnen Ihre Handball-Vergangenheit geholfen?

Sehr sogar. Das Spielverständnis, das Auge für Situationen und auch das Gefühl für Räume haben mir extrem geholfen. Im Handball lernt man, Spielsituationen schnell zu lesen und Entscheidungen zu treffen – das lässt sich auch aufs Eishockey übertragen. Natürlich ist die Bewegung auf dem Eis eine ganz andere, aber viele grundlegende Dinge bleiben gleich.

Wann haben Sie Ihr erstes großes Turnier gespielt?

Meine erste Europameisterschaft war 2005, also relativ kurz nachdem ich mit dem Sport angefangen hatte. Das war schon ein besonderes Erlebnis. Dass wir damals sogar direkt Europameister geworden sind, war natürlich eine riesige Überraschung. Damit hatten wir uns direkt für die Paralympics 2006 qualifiziert – das ging alles sehr schnell.

Warum hat es danach so lange gedauert, wieder bei den Paralympics dabei zu sein?

Das hat mehrere Gründe. Zum einen gibt es im Para-Eishockey ein enormes Leistungsgefälle. Die Top-Nationen wie die USA oder Kanada trainieren professionell, teilweise täglich, während wir in Deutschland eher im Amateurbereich unterwegs sind. Zum anderen sind die Qualifikationsplätze sehr begrenzt. Wir waren oft nah dran, haben entscheidende Spiele aber knapp verloren. Und dann kommt noch dazu, dass ich selbst mehrere Jahre pausiert habe.

Warum haben Sie damals pausiert?

Das war eine ganz bewusste Entscheidung. Ich habe Zwillinge bekommen, wir haben ein Haus gebaut und insgesamt habe ich drei Kinder. Der Leistungssport bedeutet, dass man im Winter fast jedes Wochenende unterwegs ist und auch im Sommer trainieren muss. Irgendwann habe ich gemerkt: Das passt gerade nicht zu meinem Leben. Familie und Beruf standen in der Phase klar im Vordergrund.

Was hat Sie zum Comeback bewegt?

Der Trainer hat mich irgendwann wieder angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, nochmal anzugreifen. Gleichzeitig habe ich selbst gemerkt, dass mir der Sport fehlt – nicht nur körperlich, sondern auch als Ausgleich im Alltag. Ich hatte ohnehin schon wieder angefangen zu trainieren und dann gedacht: Warum nicht nochmal versuchen?

Wie war es, mit fast 50 nochmal nominiert zu werden?

Ich war ehrlich gesagt selbst skeptisch. Ich habe mich gefragt, ob ich da noch mithalten kann, vor allem was die Geschwindigkeit angeht. Ich bin natürlich nicht mehr der Schnellste. Aber ich habe gemerkt, dass Erfahrung, Technik und Spielverständnis viel ausgleichen können. Gerade in der Defensive kommt es weniger auf Tempo und mehr auf Übersicht an – das liegt mir.

Mit welchen Erwartungen sind Sie in die Paralympics gegangen?

Wir waren realistisch. Gegen die Top-Nationen hat man kaum eine Chance, das wussten wir vorher. Unser Ziel war es, in den entscheidenden Spielen konkurrenzfähig zu sein und vor allem nicht Letzter zu werden. Wir hatten ein Spiel im Fokus – und das haben wir gewonnen. Das war für uns ein großer Erfolg.

Was war Ihr persönliches Highlight im Turnier?

Ganz klar das Spiel gegen die Slowakei. Das war ein unglaublich intensives Spiel, mit Führungswechseln und viel Spannung. Wir haben es in der Nachspielzeit noch gedreht – solche Momente vergisst man nicht. Das war emotional und sportlich ein echtes Highlight.

Wie haben Sie die Unterstützung aus Dortmund erlebt?

Das war wirklich beeindruckend. Meine Familie war vor Ort, und meine Schule hat Public Viewing organisiert. Die Kinder haben Plakate gemalt, angefeuert und richtig mitgefiebert. Das zu sehen, gibt einem nochmal extra Motivation. Und natürlich macht es auch stolz.

Sehen Sie sich als Vorbild für Ihre Schülerinnen und Schüler?

Ich gehe da eher entspannt mit um. Früher habe ich das vielleicht bewusster genutzt, heute sehe ich das anders. Ich mache den Sport, weil er mir Spaß macht. Wenn die Kinder Fragen haben, beantworte ich die gerne. Aber ich stelle mich nicht bewusst hin und sage: Schaut mal, was ich erreicht habe.

Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Beruf, Familie und Leistungssport?

Das ist schon eine Herausforderung. Ich bin Lehrer, habe Familie und einen recht vollen Alltag. Der Sport läuft bei mir nebenbei, nicht hauptberuflich. Ich muss mir die Zeit dafür bewusst nehmen und auch Prioritäten setzen. Ohne Unterstützung aus dem Umfeld wäre das gar nicht möglich.

Wie lange möchten Sie noch weiterspielen?

Solange es mir Spaß macht und ich das Gefühl habe, noch mithalten zu können. Nächstes Jahr steht wieder eine Weltmeisterschaft an, da schaue ich, ob ich nochmal angreife. Aber ich bin realistisch: Irgendwann kommt der Punkt, an dem es körperlich nicht mehr reicht. Dann höre ich auf – aber im Moment habe ich noch richtig Lust darauf.

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