„Nun, ich kann nicht verneinen, dass es grundsätzlich Geister gibt.“ Wie könnte er auch, hat er nicht selbst etwas Geisterhaftes, richtet er krächzend sein „Nimmermehr“ an Edgar Allan Poes lyrisches Ich? Flatternd wirft er seinen Federumhang über und wechselt so auf die Seite der Nacht, bevor er die Menschen mitnimmt auf seinem Weg durch den dämmernden Rombergpark.
„Rabenschwarze Nachtgeschichten. Ein gruselig-humorvoller Spaziergang mit Edgar A. Poes Raben“ heißt die Veranstaltung, die Schaupieler Markus Veith zusammen mit Melange – Literarische Gesellschaft zur Förderung der Kaffeehauskultur e. V. aus der Taufe gehoben hat. Wer sich traut, kann dem düsteren Vogel am Samstag, den 21. Mai oder den 9. Juli, jeweils um 17.30 oder um 20 Uhr folgen zu den Seelen der Toten, zu Mordsgeschichten und in den schwarzen Humor.
Man muss schon genau hinhören, doch genau diese Beiläufigkeit, mit der Markus Veith seine Rabenlaute streut, stellt ihn in die glaubhafte Position des Nachtvogels, der dem Menschen gegenüberstehend sich von diesem distanziert: „Der Teufel ist in Rente, weil er ganz genau weiß, ihr macht euch die Hölle schon selber heiß.“ Die Worte hat Veith dem Tier selbst in den Mund gelegt, sich gelegentlich bei Wilhelm Busch, Annette von Droste-Hülshoff, Joachim Ringelnatz und Christian Morgenstern bedienend. Auch Goethes Faust klingt kurz an in Gedanken an „die arme Margaret, die einst hier ihr Kind ertränkt“ – warum nicht in der Moorlandschaft im Rombergpark. In ein ganz anderes, ein dunkleres Licht rückt Veith Fontanes Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, wenn er bewusst macht, dass wer sich von einem Streuobstgrab bedient, „aus jeder Frucht auch ein Stückchen des Verstorbenen beißt“.
An dieser Stelle nimmt der Rabe das erste und einzige Requisit zur Hand, einen Apfel, den er stellvertretend für die „Beer“ den Zuhörenden entgegenwirft. Es ist die Interaktion, die diesen Spaziergang zu wesentlichen Teilen prägt. Stets zynisch wendet sich das „Nachtgetier“ an das schwache Wesen Mensch, das immerhin selbst zu gehen imstande ist. Vom angeblichen Ebenbild Gottes sieht er ihn weit entfernt: „Manche von euch, davon bin ich überzeugt, die hat er erst nach Feierabend erzeugt.“ Wirklich interessant scheinen Mann und Frau erst im Tod zu werden, wenn am Pappelrondell „deine Knochen klimperten wie Kastagnetten und unser Blut begänne zu kochen, wenn wir noch Blut im Leibe hätten“. Denn erst hier beginnt die „wahre Nekromantik“.
Eintritt: 15 Euro, Treffpunkt: Moorkate im Rombergpark, Anmeldung: Melange e. V., Tel.: 0231-4775981, , http://www.melange-im-netz.de

















