Die jüngste Historie des Huckarder Theatervereins “Heiterkeit” ist eine Erfolgsgeschichte ohne Wenn und Aber, und Ralph Sollmann hat daran auf und neben der Bühne einen großen Anteil. Auch, weil sein Verein für ihn bereits seit Jahrzehnten eine verlässliche Kraftquelle ist. Ähnlich gilt das für “seinen” Stadtteil, der kritischen Bestandsaufnahme zum Trotz.
Redaktion: Herr Sollmann, sind Sie Ihrem Stadtteil eigentlich jemals untreu geworden?
Ralph Sollmann: Meine ersten fünf Lebensjahre spielten sich tatsächlich in Kirchlinde ab, danach bin ich in Huckarde gelandet. 1987, nach meiner Hochzeit, zogen wir dann in die Innenstadt. Zurückgekehrt bin ich erst 2022, habe aber sofort gedacht: ‘Ich bin wieder zu Hause!‘
Redaktion: Was macht Huckarde denn insbesondere lebenswert? Was haben Sie am meisten vermisst?
Ralph Sollmann: Womöglich den Wald, durch den man in aller Ruhe mit dem Rad fahren kann. Und auch die räumliche Nähe zum Theaterverein. Früher kam aber natürlich noch dazu, dass man im Ort noch fast alle gekannt hat. Teilweise ist das zwar immer noch so, und nach wie vor grüßt man sich freundlich. Aber damals, als es die Zeche noch gab und alle buchstäblich Kumpels waren, gab es natürlich noch andere Voraussetzungen.
Redaktion: Hat sich denn aus Ihrer Sicht auch der Charakter des „Dorfs“ im Laufe der Zeit sehr verändert?
Ralph Sollmann: Naja, das hat er schon. Etliche Läden gibt’s nicht mehr, oder das Kino, an das ich auch gute Erinnerungen habe. Ich war ja schon immer ziemlich lang, deswegen bin ich da als 14-Jähriger auch schon häufiger mal in die 18er-Filme gegangen (lacht).
Redaktion: Eine echte Konstante in ihrem Leben ist seit Jahrzehnten Huckardes Theaterverein „Heiterkeit“. Wie nahm diese Geschichte eigentlich ihren Anfang?
Ralph Sollmann: Also, in der Schule wurde mir immer nachgesagt, der Klassenclown zu sein. Und wenn es dort oder im Jugendheim Theaterprojekte gab, war ich jedesmal dabei. Ungefähr 1982 hat mich dann mal ein Kumpel gefragt, ob ich mir eine Rolle in einem Märchen zutrauen würde. Ich hab’s ausprobiert – und bin seitdem dabei.
Redaktion: Und zwar mittlerweile längst nicht mehr nur als Akteur, oder?
Ralph Sollmann: Das stimmt, seit vielen Jahren mache ich bei uns im Wechsel mit anderen die Regie. Wobei meine Stärken weniger beim Gestalten des „Drumherum“ liegen – mir macht es eher Spaß, die Leute auf der Bühne zu führen. Insbesondere, wenn man Neulinge anleiten und ihnen ein paar Ratschläge mit auf den Weg geben kann.
Redaktion: Und was sind Ihre Stärken als – und vielleicht auch Ihre Schwächen – als Akteur auf der Bühne?
Ralph Sollmann: Die komischen Rollen sind mir klar die liebsten, und am schwersten fällt mir eindeutig das Tanzen (lacht). Auch sind, alles in allem, die Kinderstücke die größeren Herausforderungen, weil man natürlich sehr präzise spielen und Stichworte liefern muss, wenn man gemeinsam mit dem Nachwuchs auf der Bühne steht.
Redaktion: Was macht die Arbeit für den Theaterverein so besonders bzw. was motiviert Sie, sich kontinuierlich reinzuhängen?
Ralph Sollmann: Auch wenn wir Schauspielerinnen und Schauspieler sind: Abseits der Bühne ist hier für mein Gefühl alles echt. Dieses Gemeinschaftsgefühl ist aus meiner Sicht das Schönste an allem – und dann gemeinsam etwas zu schaffen, das allen gefällt.
Damit das klappt, bemühen wir uns auch immer, uns weiterzuentwickeln. Dazu gehört, dass wir uns woanders umsehen und davon inspirieren lassen, was andere so machen. Und letztendlich, finde ich, sind wir ziemlich gut.
Redaktion: Gibt es denn bei „Heiterkeit“ auch etwas, das sich aus Ihrer Sicht nach Möglichkeit noch ändern sollte?
Ralph Sollmann: Nur diese eine Angelegenheit: Wir suchen händeringend nach Lagerraum und wissen nicht mehr, wohin mit unseren Sachen. Dieses Problem zu lösen wäre wirklich sehr wichtig.
Redaktion: Vielen Dank, Herr Sollmann, für Ihre Zeit!

















